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Dillingen/Gundelfingen

27.10.2017

Auf der Suche nach der Einheit

Eine Postkarte der Lutherstadt Wittenberg aus dem Jahr 1931.
Bild: Archiv

Das christliche Wort stammt heute von Frank Bienk, evangelischer Pfarrer in Dillingen, Gundelfingen und Bächingen.

Liebe Leserinnen und Leser

am kommenden Dienstag ist Reformationstag. Einmalig als bundesweiter Feiertag begangen, erinnert er daran, wie Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel am Portal der Schlosskirche in Wittenberg anschlug und damit die Ereignisse auslöste, die in unseren Geschichtsbüchern als „Reformation“ beschrieben werden.

Dabei sagt dieses Wort bereits, was Luthers Anliegen war: Er wollte reformieren, Dinge in seiner Kirche wieder zurechtrücken, die sich in seiner Wahrnehmung falsch entwickelt hatten. Eine Spaltung der abendländischen Kirche war nicht sein Ziel. Dennoch ist sie eingetreten. Für die lutherischen Kirchen war jedoch schon früh klar, dass das Gedenkjahr zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags kein typisches „Jubiläum“ sein sollte, sondern Anlass zu Besinnung und zur Suche nach Einheit. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der evangelischen Kirchengemeinden unserer Region geht mit dem 31. Oktober 2017 ein bewegendes, aber auch anstrengendes Jahr zu Ende.

Ich bin dankbar, für die vielen Festgottesdienste, Vorträge, Theaterabende, Feiern, und vieles mehr, das mit großem Einsatz organsiert wurde. Nun macht sich am kommenden Dienstag wohl auch ein wenig Erleichterung und Dankbarkeit breit, den Hammer aus der Hand legen und zur Normalität zurückkehren zu dürfen. Aber Reformation war und ist kein abgeschlossenes Geschehen. Im Anschluss an die Reformation wurde der Satz geprägt: „ecclesia semper reformanda est“ - „Die Kirche ist immer zu reformieren“. Das klingt nach Aktionismus und manches Mal wird gegenüber den Kirchen der Reformation der Vorwurf erhoben, sich allzu bereitwillig dem Zeitgeist zu unterwerfen. Gemeint ist aber genau das Gegenteil: Es geht darum, dass Kirche sich zu jedem Zeitpunkt selbstkritisch fragen muss, ob sie noch ganz bei ihrem Auftrag ist, die gute Botschaft von Jesus Christus weiterzusagen.

Wo sie diesen Auftrag aus dem Blick verloren hat, muss sie sich re-formieren, „zurück in Form bringen“. Ich bin überzeugt, dass dieser Anspruch der Kirche als Ganzes gilt, also der Gemeinschaft aller Menschen, die sich zu Jesus Christus bekennen. Diese eine Kirche ist größer und weiter als die Konfessionen. Dem Ziel, diese Einheit auch wieder in der sichtbaren Form der Kirche abzubilden, sind wir auch im vergangenen Jahr wieder in kleinen Schritten näher gekommen, auch wenn einzelne Stimmen sich zuletzt bemüht haben, diese Erfolge zu relativeren. Der Prozess der Re-Formation ist aber noch lange nicht abgeschlossen. Er kann es niemals sein. Wir dürfen deshalb nach dem Reformationstag zwar „den Hammer aus der Hand legen“. Im Sinne der Suche nach Wahrhaftigkeit und Einheit sind Christinnen und Christen aber gut beraten, ihn immer griffbereit aufzubewahren.

Einen gesegneten Reformationstag, wünscht Ihnen in ökumenischer Verbundenheit Ihr

Frank Bienk, Pfarrer in den Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinden Bächingen, Dillingen und Gundelfingen

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