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Zweiradtreff

30.07.2018

Auf zwei Rädern zurück in die Jugend

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3 Bilder
Lars Hofmann hat seinen Zweitakter „Simson S 51“ mit Zeitschriften aus der DDR geschmückt. Er kommt selbst aus Ostdeutschland.
Bild: Bärbel Schoen

Über 400 Besucher fielen am Sonntag in das 140-Seelendorf Prettelshofen ein. Nein, nicht wegen seines berühmten Hinkelsteins!

Das Rängdängdäng eines Zweitakters, blaue Wölkchen und der Geruch nach alten Zeiten: Prettelshofen wurde gestern zum Eldorado von Kleinmotorrädern. Die Namen auf den roten, orangenen, schwarzen und cremefarbenen Lackteilen sind legendär: Zündapp, Herkules, NSU, Puch, Simson, Kreidler, Vespa. Die Kleinkrafträder waren in den 70er- Jahren besonders bei Jugendlichen beliebt, da sie ohne Fahrschule nach einer theoretischen Prüfung gefahren werden durften. Jetzt sind die Legenden in Prettelshofen wieder zum Leben erweckt worden. Wer gestern nur in die Nähe des Wertinger Ortsteils kam, begegnete unweigerlich tollkühnen Menschen auf nostalgischen und laut knatternden Kisten. Sicher lag es am hochsommerlichen Wetter, dass dieses Mal wesentlich mehr Zweiradfreunde den Weg nach „Klein-Gallien“ fanden als im vergangenen Jahr. Die Freiwilligen Feuerwehren aus Prettelshofen und Rieblingen – gleichzeitig Veranstalter des 50-ccm-Treffens – mussten das Gelände rund um das Feuerwehrhaus weiträumig absperren und die Straßen sichern.

Den alten Lederschulranzen hat der Augsburger Lars Hofmann gestern ausgerechnet in Prettelshofen auf dem Ersatzteilemarkt erstanden und gleich an seinem Moped befestigt. „Die passt zu meiner Simson S 51.“ Auf seinen sächsischen Dialekt ist er offensichtlich genauso stolz wie auf seinen fahrbaren Untersatz – ein typischer DDR-Fuffi. Während er sich einen Schluck Bier genehmigt, erzählt Lars Hofmann seine Geschichte. „Ich hab meine Simson mit vergilbten DDR-Zeitungen foliert.“ So könne gleich jeder sehen, welche Beziehung er zum Osten habe. Auf den alten Schulranzen ist er mächtig stolz. „Hat mich nur 20 Euro gekostet. Im Internet werden die Dinger für 150 Euro gehandelt.“ Jeder der Zweirad-Besitzer hat seine ganz persönliche Geschichte im Gepäck. Mit Hingabe berichten die „Fuffzger-Fahrer“, wie sie ihre Liebe einst fanden – in einem alten Schuppen, bei einem Bauern, im Keller, über Internet, auf Märkten.

Erich Domler aus Asbach stieß vor 15 Jahren durch Zufall während der Arbeit in einem Abbruchhaus auf die französische Marke „Vélosolex“, Baujahr 1976. Der Veteran mit anachronistischem Charme gehörte zu Frankreich wie Baguette, Camembert und 2 CV. Mit dem Werbespruch „Ein Fahrrad, das von alleine rollt, machte es die Grande Nation nach dem Krieg mobil. Die urige Solex wäre wohl auf der Müllhalde gelandet, wenn ein Arbeitskollege den Automechaniker und Hobbybastler aus Asbach nicht darauf aufmerksam gemacht hätte. „Jetzt gehört das B-Bike mir“, freut sich Domler, der noch zwei andere Zweitakter in der Garage stehen hat.

Rund 300 zweirädrige Oldtimer zählte gestern Winfried Gaugler, der Initiator. „Ich bin überrascht, wie viele alte Zweitakter noch gefahren werden.“ Die Idee, ein 50-ccm-Treffen zu organisieren, sei nach einer Feuerwehrübung beim Feierabendbier gekommen, erzählt er. Viele hätten noch alte Mopeds und Mofas irgendwo herumstehen. Sie wieder zum Leben zu erwecken, war für den 39-jährigen Geschäftsmann aus Rieblingen eine reizende Vorstellung. „Man fühlt sich wieder wie 15, wenn man seine Zündapp anlässt.“ Das Fahrgefühl vergleicht er mit der Freiheit eines Jugendlichen. Jürgen Ehm habe mit seinem technischen Knowhow viele der alten Dinger im Dorf wieder flottgemacht. 20 alte, individuell ausstaffierte Kisten knatterten im vergangenen Jahr durch den Landkreis. Gestern waren es mindestens zehn Mal so viel.

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