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Nachruf

30.01.2014

Aus dem Leben eines Puppenspielers

Willibald Meyer (†)

Zum Tod von Willibald Meyer aus Eppisburg

Eppisburg „Ich war ein unerwünschtes Kind; aber ich kam auf die Welt. Und damit begann auch schon das Theater.“ Mit diesen Worten begann Willibald Meyer seine 2009 erschienene Biografie in „Kleine Lebensernte eines Puppenspielers“ (Nold-Verlag, Frankfurt/Main). Am vergangenen Sonntag ist Willibald Meyer verstorben.

Geboren wurde Willibald Meyer 1928 in Berlin, in Neisse/Schlesien verbrachte er die ersten Kindheitsjahre. Er machte eine Schreinerlehre und landete nach Krieg und Vertreibung in Braunschweig, wo er in einer Stahlgießerei Arbeit fand. In dieser Zeit reifte der Wunsch, Berufspuppenspieler zu werden. Aus einem spontanen Impuls heraus sprach der 25-Jährige den Konzernchef bei einer Betriebsbegehung an und bat um seine Entlassung. Am darauffolgenden Tag baute er seine ersten Handpuppen.

Er schaffte den Sprung in die Puppenspielklasse der Werkkunstschule Braunschweig unter der Leitung von Professor Harro Siegel. Diese Jahre prägten ihn nachhaltig für sein ganzes Berufsleben. Die Frage, warum er Puppenspieler wurde, beantwortete er mit: „Als Puppenspieler kann ich gestalten in fast allen Bereichen: die Handlung, den Text, das Wort, die Puppen selbst, ihre Umgebung, also den Bühnenraum sowie Klang und Farbe. Nicht die heile Welt, sondern eine heilere Welt durch Einsatz für das Gute und wirklich Schöne.“

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1968 war er Gründungsmitglied des Verbandes Deutscher Puppentheater, dem Berufsverband der professionellen Puppen- und Figurentheater in Deutschland, seit 2006 Ehrenmitglied. 1965 heiratete Willibald und gemeinsam mit seiner Frau Margot zog er vorerst ins Allgäu und ließ sich dann mit den beiden Söhnen und der Stieftochter am Rand des Donaurieds in Eppisburg nieder. Dort bauten sie ihr Eigenheim mit Werkstatt, in welcher Willibald Meyer bis ins hohe Alter an Puppen arbeitete und Bühnen konstruierte. Dabei fertigte Margot Meyer sämtliche Kostüme.

Im 50. Jahr nach seiner ersten öffentlichen Vorstellung spielte Willibald Meyer zum letzten Mal in einem Kindergarten. Ein kleines Jubiläumsfestival, mit den drei Berufspuppenbühnen, die von ihm lernten, fand im Jahre 2006 im Landkreis Dillingen statt. Zusammen mit Thomas Nastvogel brachte er 2009 im Frankfurter Nold-Verlag die „Kleine Lebensernte eines Puppenspielers“ heraus. Auf dieses Buch, mit den Abbildungen seiner geliebten Figuren, war Willibald Meyer sehr stolz. 2012 wurde der Bayerische Rundfunk auf ihn aufmerksam. Für die Sendung „Kasperl im 21. Jahrhundert“ wurde Willibald und Margot Meyer von der Journalistin Brigitte Kohn zu Hause interviewt. Diese Sendung war bereits mehrmals auf Bayern 2 Radio zu hören. Danach wurde es stiller um den Unermüdlichen.

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