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Gundelfingen

05.10.2019

Ausstellung: Was Postkarten über den Landkreis Dillingen verraten

Hans Scherm aus Peterswörth sammelt historische Postkarten aus dem Landkreis Dillingen. Der 62-Jährige ist Vorsitzender der Briefmarkenfreunde sowie Gundelfinger Stadtarchivar.
Bild: Andreas Schopf

Plus Hans Scherm aus Peterswörth hat hunderte Postkarten gesammelt. Sie zeigen die geschichtliche Entwicklung der Donaustädte im Landkreis. Jetzt gibt es eine Ausstellung.

Im Jahr 1899 bekam eine Frau aus Urach in Baden-Württemberg eine Postkarte aus dem Landkreis Dillingen. „Gruß aus Gundelfingen sendet dir dein Heinz“, heißt es darauf. Auf der Rückseite der Karte sind unter anderem das Gundelfinger Rathaus, der Bahnhof und das damalige Geschäftshaus Schlienz abgebildet. Die Karte ist eine von rund 720, die in den kommenden Tagen im Gundelfinger Bleichestadel zu sehen sind. Die Briefmarkenfreunde Gundelfingen zeigen im Rahmen einer Ausstellung zu den Dillinger Kulturtagen historische Ansichtskarten aus den Donaustädten Gundelfingen, Lauingen, Dillingen und Höchstädt sowie von deren Partnerstädten. Die älteste ausgestellte Briefsendung ist aus dem Jahr 1896 und wurde aus Lauingen abgeschickt. Die neuesten, die zu sehen sind, stammen etwa aus den 1960er-Jahren.

Gundelfingen: Als die Firma Gartner noch am Rathaus saß

Die Karten kommen aus dem Fundus von Hans Scherm, dem Vorsitzenden der Briefmarkenfreunde, sowie seinem Sammlerfreund Dieter Hofmann aus Haunsheim. Scherm hat im Jahr 1982 die Sammlerleidenschaft gepackt. Damals entdeckte der Peterswörther auf einer Börse eine alte Ansichtskarte aus Gundelfingen. Das Thema hat ihn bis heute nicht losgelassen. Alte Postkarten sind historisch hochinteressante Dokumente, betont der 62-Jährige. „Auf ihnen kann man sehen, wie sich Städte, Landschaften, Menschen oder die Politik im Laufe der Zeit verändert haben“, sagt er. Im Fall von Gundelfingen etwa lässt sich auf einer Karte aus dem Jahr 1903 erkennen, dass die Firma Gartner damals noch gegenüber dem Rathaus ansässig war. Auch das damalige Kaufhaus Riegl ist zu sehen, an dessen Stelle heute die Sparkasse steht. Eine Karte zeigt die Bahnverbindung von der Gärtnerstadt nach Sontheim, die es nicht mehr gibt. Scherm besitzt auch Nachrichten aus dem Strafgefangenenlager für Franzosen, das es im Ersten Weltkrieg in Dillingen gab. Die vorherrschenden politischen Verhältnisse spiegeln sich in den Postsendungen wider. Auf einer Karte aus der NS-Zeit ist Gundelfingen zu sehen, darüber ein Hakenkreuz, das wie eine Art Sonne über der Innenstadt strahlt. Dieses Stück Papier ersteigerte Scherm Ende der 80er-Jahre für 200 D-Mark in München – es ist die teuerste Karte in seinem Bestand. „Ich musste sie einfach haben“, sagt er. Das seltene Exemplar habe er bis dato nirgends gesehen, und auch bis heute sei es ihm lediglich einmal wiederbegegnet.

Auf Sammler-Börsen auf der Jagd nach Raritäten

Neben Auktionen fährt er regelmäßig auf entsprechende Börsen, unter anderem in München, Nürnberg, Würzburg oder Stuttgart, um sich nach neuen interessanten Objekten umzuschauen. Und auch in Gundelfingen findet seit 2006 zweimal jährlich eine Sammlerbörse statt, auf der unter anderem Postkarten gehandelt werden. Laut Scherm hat sich die Börse in Gundelfingen zu einer der bedeutendsten ihrer Art in Süddeutschland entwickelt. Auch im Ausland schaut sich der Sammler um – auch wenn die Suche nach geeigneten Karten dort mitunter beschwerlich ist. „In einem Krämer-Laden in Paris sind Karten nicht nach deutschen Bundesländern sortiert, geschweige denn nach Landkreisen.“ Ein wichtiger Umschlagplatz für die Sammelobjekte ist natürlich auch das Internet.

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Früher, ohne das World Wide Web oder Handys, war eine Postkarte eine beliebte und wichtige Form der Kommunikation. Es ging um Urlaubs- oder Ausflugsgrüße, Glückwünsche, aber auch Nachrichten von der Front. „Postkarten mit Luftbildern waren das Google Earth der 20er-Jahre“, sagt Scherm mit einem Augenzwinkern. Im Rahmen des aufkommenden Eisenbahnnetzes dauerte es vor mehr als 100 Jahren überraschenderweise nicht unbedingt länger, eine Karte zu verschicken, als heute, berichtet Scherm und zeigt exemplarisch zwei Poststempel. Die Zustellung von Dillingen nach Plauen hat demnach selbst Ende des 19. Jahrhunderts nur einen Tag gedauert, von Lauingen nach Freising kam die Karte noch am gleichen Tag an.

Kleine "Renaissance" der Postkarte

Als das Internet aufkam, verlor die Postkarte gravierend an Bedeutung. Mittlerweile erlebt diese Form der Mitteilung jedoch eine kleine Renaissance, so Scherm. „Viele sind der digitalen Welt überdrüssig“, sagt er. So mancher möchte sich bewusst Zeit nehmen, handgeschriebene Grüße zukommen zu lassen. So steige laut Scherm der Absatz von Postkarten mittlerweile wieder.

Die Ausstellung wird am Samstag, 5. Oktober, um 11 Uhr im Bleichestadel eröffnet. Sie kann bis Sonntag, 13. Oktober, jeweils am Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

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