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Nordschwaben

05.06.2019

Autoknacker soll für drei Jahre ins Gefängnis

Für vier Delikte ist ein 46-Jähriger in Augsburg verurteilt worden. Es könnten aber auch viel, viel mehr gewesen sein.
Bild: Ralf Lienert, Symbolbild

Plus In Augsburg wird ein 46-Jähriger verurteilt. Gehen dutzende Aufbrüche in ganz Süddeutschland auf sein Konto? Festgenommen wurde der Mann in Dillingen.

Drei Jahre ins Gefängnis soll ein 46-jähriger gebürtiger Niederbayer, der möglicherweise für eine ganze Reihe von Autoaufbrüchen verantwortlich ist. Zwar wurde der gelernte Krankenpfleger letztlich „nur“ für vier Delikte verurteilt, er könnte aber laut den Ermittlungen auch weit mehr Diebstähle begangen haben.

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Waren es 20 Fälle im Bereich der Dillinger Kriminalpolizei, oder gar 60, die aus dem gesamten süddeutschen Raum an den federführenden Dillinger Kriminalbeamten gemeldet worden waren? Zumindest wurden im Herbst 2018 immer wieder vergleichbare Einbrüche in geparkte Autos begangen. Die Fahrzeuge standen vielfach auf Wander-, Ausflugs- oder Friedhofsparkplätzen, dort wurde eine Seitenscheibe aufgehebelt oder zerbrochen. Aus den Wagen verschwanden Geld, Papiere, Mobiltelefone und Ähnliches. So auch am 14. Oktober 2018 auf einem Parkplatz an der Staatsstraße bei Aindling, am 17. November in einer Parkbucht bei Blindheim und am 4. Dezember an einem Wanderparkplatz bei Heidenheim. Eben für diese drei Einbrüche sah das Schöffengericht dem Angeklagten die Schuld als sicher nachgewiesen an, etwa weil bei Blindheim DNA-Material des Täters gefunden worden war. So wie den Blindheimer Fall hatte der Angeklagte auch den Diebstahl zweier Kennzeichen von einem Auto bei Erding sogar gestanden, während er die anderen Taten für sich abstritt.

Der Mann fuhr direkt einem Kripo-Beamten entgegen

Mit seinem Auto samt den falschen Kennzeichen – aber ohne Fahrerlaubnis – war der 46-Jährige der Polizei im Dezember 2018 ins Netz gegangen. Eben jener Kriminalbeamte aus Dillingen, bei dem 60 in Frage kommende Autoeinbrüche aus ganz Süddeutschland zusammengelaufen waren, hatte sich auf der Inspektion das Video einer Überwachungskamera angeschaut. Dabei war der Angeklagte am 10. Dezember 2018 mit seinem Pkw und dem falschen Kennzeichen an einer Wertinger Tankstelle gefilmt worden, wo er für 72 Euro „kostenlos“ getankt hatte. Just als der Kriminalbeamte am Tag danach wieder zu seiner Dienststelle zurückfuhr, kam ihm die Fuhre des Angeklagten entgegen. Noch in Dillingen konnte der Mann festgenommen werden, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Und: Die Zahl der Autoaufbrüche in seinem Zuständigkeitsbereich sei, so der Kriminalbeamte, seit der Verhaftung deutlich zurückgegangen.

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Sieben Zeugen, doch kein eindeutiger Hinweis auf den Angeklagten

Vor Gericht angeklagt worden war der Mann von der Staatsanwaltschaft letztlich „nur“ für acht Autoaufbrüche mit sieben Diebstählen. Über 800 Euro umfasste der Beuteschaden, auf über 5000 Euro belief sich der Sachschaden an den beschädigten Autos. Nicht in allen Fällen gelang es vor Gericht aber, eindeutig Beweis zu führen, dass der Angeklagte auch zweifelsfrei der Täter war. Die Funkzellenauswertung seines Mobiltelefons allein reichte nicht. Er sei eben auch in Tapfheim in der Kirche gewesen, als dort während einer Beerdigung auf dem Parkplatz jemand anderer ein Auto aufgebrochen hatte, so der Angeklagte.

Insgesamt sieben Zeugen hörte das Gericht an, Zeugen, die zwar teils konkrete Beobachtungen gemacht hatten, die aber kaum eindeutig auf den Angeklagten als Täter hinwiesen.

Was die Sache für den 46-Jährigen schwierig machte, ist sein Bundeszentralregister. Zehn Eintragungen weist es auf, nicht wenige davon einschlägige Eigentumsdelikte und in deren Folge auch schon Haftstrafen.

Der Angeklagte hat Hochzeitspläne

Deswegen verlangte Staatsanwalt Gregor Hohenadl, den Angeklagten wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Fahrens ohne Führerschein für drei Jahre ins Gefängnis zu schicken. Verteidiger Frank Thaler sah es deutlich weniger drastisch. Bei letztendlich zwei sicher erwiesenen Autoaufbrüchen könne noch nicht von gewerbsmäßigem Diebstahl gesprochen werden. Er plädierte für eine „deutlich niedrigere Strafe“ als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Vergeblich: Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Baptist Michale verurteilte den Angeklagten zu drei Jahren Gesamtfreiheitsstrafe. Zudem wurde Wertersatz für die in den abgeurteilten Fällen gemachte Beute von 692 Euro angeordnet. Zwar diktierte Rechtsanwalt Thaler in seinem Büro angekommen umgehend ein Berufungsschreiben in der Sache, für die von einer Zeugin im Gerichtssaal geäußerten Hochzeitspläne mit dem Angeklagten in wenigen Tagen kommt dieses Urteil aber ungelegen.

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