Matinee

26.07.2018

„Axel, leg los!“

Das Team der Basilikamusik arbeitet perfekt zusammen: Charmant stellte Paul Olbrich (rechts) in seiner Funktion als Vorsitzender des Fördervereins Dillinger Basilikamusik die Künstler der Samstagsmatineen vor.
Bild: Silvia Schmid

Basilikaorganist Axel Flierl bietet ein rasantes Heimspiel beim Dillinger Orgelsommer

„Mit Esprit“ – und damit mit Witz, Geist und dem gewissen Etwas – überschrieb Axel Flierl seinen Beitrag zum Dillinger Orgelsommer. Und so präsentierte er sich auch. Keiner kennt die Orgel der Dillinger Klosterkirche so gut wie er. Keiner kann besser sämtliche Register und Spielvarianten dieser kleinen, feinen Orgel zum Klingen bringen als er. Als Basilika-Organist ist Dr. Flierl an den Orgeln der Stadt zu Hause. Sein Programm für die samstägliche Dreiviertelstunde, zu der der Orgelsommer lädt, beinhaltete die volle Bandbreite: majestätisch-monumental, aber auch die sanften, leisen und verspielten Töne, mit denen die Orgel, die Königin der Instrumente, so manchen Zuhörer zu überraschen vermag.

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Fördervereinsvorsitzender Paul Olbrich spornte Flierl mit den Worten „Axel, leg los!“ an. Und so begann der Meister sein Konzert – die Gastfreundschaft der Franziskanerinnen während des Umbaus der Basilika wohl schätzend – mit Ausschnitten aus François Couperins „Messe pour les convents“, also „für die Klöster“. Couperin war als Hofkomponist Ludwigs XIV. der wohl prominenteste Komponist im absolutistischen Frankreich. Insbesondere mit seinen Kompositionen für Cembalo hat er sich einen Namen gemacht. Noch vor seiner Berufung an den Hof von Versailles komponierte er zwei Orgelmessen: Die „Messe pour les paroisses“ (für die Gemeinden) und die „Messe pour les convents“ (für die Klöster). In beiden verband Couperin den reich verzierten französischen Stil jener Zeit mit verspielt-opernhaften italienischen Einflüssen.

Zu wissen, wofür der zweite Teil des Programms komponiert wurde, eröffnet einen ganz neuen Hörgenuss. Die „Eight Pieces for a Musical Clock“ – acht Stücke für die bei uns als Flöten- oder auch Orgeluhr bekannte Musikuhr – hat Georg Friedrich Händel im beginnenden 18. Jahrhundert geschrieben. Bei dieser Uhr handelt es sich tatsächlich um eine mechanische Uhr, die mit einer kleinen Orgel verbunden ist. Zu vorgegebener Zeit, etwa zur vollen Stunde, erklingt eine bestimmte Musik, die von einer Stiftwalze gesteuert wird – ein musikalischer Genuss mit Funktion. Die vom Organisten gewählten sechs Stücke bereiteten größtes Hörvergnügen, allerdings ist nicht bekannt, welche spezielle Uhrzeiten er uns vorgetragen hat.

Mit einem Orgelwerk von Johann Sebastian Bach, der Toccata und Fuge in d-Moll (BWV 538), schließlich beendete Axel Flierl sein Konzert mit einem Exempel aus dem Kanon der monumentalen, klassischen Standardwerke. Der Meister hat mit seiner Kunst, aber auch mit Witz und Geist im Spiel einmal mehr geschafft, sein Stammpublikum in den Bann zu ziehen, und erntete dafür großen Beifall.

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