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07.11.2018

B16: Deisenhofen lässt nicht locker

Grünes Licht für die Bahntrasse oder Wasser vor Straße ist auf den Plakaten zu lesen, die die Ortsgruppe Goldberg des Bund Naturschutz vor der Bürgerversammlung am Montagabend mitbrachte, um sie vor allem Höchstädts Bürgermeister Gerrit Maneth zu zeigen. Das Anliegen der Deisenhofener ist klar: keine B16 im Norden.

Die Bürger im Höchstädter Stadtteil wollen die Bahntrasse, keine Umgehung im Norden. Dafür kämpfen sie.

Es ist kurz vor 20 Uhr am Montagabend. Vor dem Gasthaus Krone in Deisenhofen haben sich knapp 40 Menschen versammelt – ausgestattet mit Plakaten, auf denen eindeutige Forderungen stehen. Sie warten auf Höchstädts Bürgermeister Gerrit Maneth. „Wir haben ihm bei seiner ersten Bürgerversammlung in Deisenhofen ein Empfangskomitee organisiert“, sagt Karl Baumgartner. Eines, das klar machen soll: Die B16-Planungen im Norden der Stadt lassen sich die Bürger im kleinen Stadtteil nicht gefallen. Sie wollen sich wehren, so lange es geht und um eine in ihren Augen bessere Lösung kämpfen – eine Bahntrasse. Baumgartner, Vorsitzender der Ortsgruppe Goldberg des Bund Naturschutz, sagt: „Wir Deisenhofener lassen nicht locker. Wir halten zusammen.“

Was sagt der Bürgermeister?

Und das machen sie auch bei der Bürgerversammlung deutlich – vorher und währenddessen. Bis kurz vor Mitternacht diskutieren die rund 80 Bürger mit Rathauschef Maneth. Und das beherrschende Thema ist die B16. „Ihr habt euch wieder viel Mühe gegeben, und ich habe damit auch kein Problem. Ich akzeptiere euer Engagement, aber für mich gibt es aktuell nur Nord. Dafür habe ich vom Stadtrat den Auftrag erhalten. Auch das, bitte ich zu respektieren“, so Maneth. Er führt aus, dass ausschließlich die Trasse im Norden geprüft werde, diese wiederum in zwei Varianten – mit und ohne Wasserschutzgebiet (WSG). Eine Vergleichsmatrix werde erstellt und in der Januar-Sitzung des Stadtrates soll es laut Maneth eine Entscheidung geben, welche Variante verfolgt und für welche das neue Planfeststellungsverfahren eingeleitet wird. Der größte Unterschied: Ohne WSG kann die Trasse tiefergelegt werden, mit WSG wird sie höher und teurer ausgebaut. Direkt verbunden mit dieser Entscheidung ist die Vorgehensweise mit der eigenen Wasserversorgung, so Maneth weiter. „Die Wasserrechte laufen 2020 aus. Wir müssen eine umfangreiche Sanierung machen. Das wird für die Höchstädter und Sonderheimer auf jeden Fall teurer.“ Deshalb werden auch diese Kosten sowie die Möglichkeit, sich wie die restlichen Stadtteile, an Rieswasser anzuschließen, mit in die Matrix einfließen. Maneth: „Es gehört dazu, dass ein Stadtrat alles abwägen muss.“

Was sagen die Deisenhofener?

Die Deisenhofener hören zu, aber für sie steht fest: Es kommt nur eine Bahntrasse infrage. Und darum kämpfen sie – mit allen Argumenten, die sie haben. Auch Maria Lindner. Sie ist vorbereitet für die Bürgerversammlung und führt aus, dass die Bahntrasse in der Umweltverträglichkeitsstudie am besten abgeschnitten habe, dass es keine Lösung für den Verkehr aus Wertingen gebe, dass immer mehr Gruppierungen gegen eine Nord-Trasse gegründet würden und man damit verbundene Klagen in Kauf nehme, dass das Schutzgut Wasser und damit der Mensch aus Kostengründen nicht beachtet würde, dass die Ablehnung einer Verlegung der B16 zum Lückenschluss nur taktische Gründe gehabt habe, und dass der Flächenverbrauch im Norden nachweislich viel höher als bei einer Bahntrasse sei. „Die Nordumgehung wird auf Biegen und Brechen geplant. Wie können Sie das verantworten? Es ist doch lange bekannt, dass die Bahntrasse besser ist. Warum setzt sich ein Bürgermeister damit nicht auseinander?“, sagt sie. Ehemann Gerhard Lindner ergänzt: „Für mich ist ganz neu, dass überhaupt diskutiert wird, ob der Brunnen zugemacht werden soll. Wenn das passiert, dann bekommt Höchstädt bayernweit eine billige Werbung – aber im Negativen. Es ist doch Glück, dass man so gutes Wasser hat.“ Irmi Baumgartner fügt hinzu, dass es um die Zukunft der Kinder gehe, Wasser Leben sei. Und Hans Sing will wissen, was mit all den Einwänden im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens passiert sei und warum es dazu keine Rückmeldungen seitens der Stadt gebe? Außerdem hoffe er, dass ein paar Cents mehr für gutes Wasser nicht die einzige Argumentation seien, um sich gegen ein Schutzgebiet zu entscheiden.

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Wie haben sich die Parteien geeinigt?

Bürgermeister Maneth hört zu, beantwortet alle Fragen. Er kenne auch nur die Einwände, die seitens der Stadt eingegangen seien. Diese, darunter auch das Thema sicherer Zugang zu den Fischerseen in Deisenhofen sowie weitere Brücken für die Landwirte, seien alle berücksichtigt worden. Die Auflösung des Wasserschutzgebietes sei grundsätzlich die Hoheit des Landratsamtes. Es liege keine Lösung für die Verkehrsproblematik aus dem Süden in der Schublade, aber natürlich gebe es längst Überlegungen. Die Beurteilungen bezüglich der Bahntrasse seien von 2009 und heute nicht mehr haltbar, die Straße würde mitten durch das neue Feuerwehrhaus verlaufen – und wirtschaftlich rentabel sei sie auch nicht. Aber er werde alle Anregungen wieder mitnehmen, nehme die Anliegen der Deisenhofener ernst. „Aber mein Auftrag lautet, die schnellstmögliche Umsetzung der Umgehung im Norden voranzutreiben. Daran arbeite ich. Und irgendwann kann ich das Thema nicht mehr hören. Ich weiß, dass viele an der Bahntrasse festhalten, aber wäre es anders, dann gäbe es auch Widerstand“, sagt Gerrit Maneth.

Maria Lindner wünscht sich ein Umdenken, es gehe darum, dass man das wolle. „Natürlich entscheidet der Stadtrat. Aber ein Bürgermeister steht vorne und ist entscheidungsweisender Meinungsgeber. Es ist doch offensichtlich, dass die Bahntrasse die bessere Lösung ist“, sagt sie. Ehemann Gerhard resümiert: „Die Widerstände werden immer mehr. Man könnte auf die Idee kommen, dass ihr keine Umgehung wollt.“ Bernhard Ahle kommentiert den Abend so: „Bei der Bürgerversammlung in Höchstädt waren 20 Leute da, in Deisenhofen sind es 80. Höchstädt hat offensichtlich kein Interesse zu diskutieren und verlagert die Probleme in den Stadtteil.“

Die Ortsteilvertreter im Stadtrat, Johann Jall und Armin Hopfenzitz, sind den ganzen Abend dabei. Sie unterstützen ihre Mitbürger. Eines ist ihnen kurz vor Mitternacht noch wichtig. „Es ist nicht so, dass wir Deisenhofener nur unzufrieden sind. Es ist auch viel Gutes bei uns umgesetzt worden, das wissen wir“, sagt Hopfenzitz und Jall ergänzt: „Außerdem geht es nie unter die Gürtellinie. Es wird immer sachlich diskutiert.“

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