Konzert

05.05.2016

Barocke Juwelen

Die Orchestervereinigung Höchstädt-Wertingen brillierte beim Konzert in der Spitalkirche in Höchstädt. Auf dem Foto ist der Solist Wilhelm Brändle an der Flöte zu sehen.
Bild: Kapfer

Orchestervereinigung Höchstädt-Wertingen konzertiert in der Höchstädter Spitalkirche – und beeindruckt mit gekonnter Performance

Von Anton Kapfer

Im umfangreichen Repertoire der Orchestervereinigung Höchstädt-Wertingen besitzt die Barockmusik einen besonderen Stellenwert. Dass diese Art von Musik dem Ensemble mit seinem musikalischen Leiter Werner Bürgle sehr entgegenkommt, dokumentierte ein besonderes Konzerterlebnis in der Höchstädter Spitalkirche. Es bildete zugleich den Abschluss eines Festtages, an dem die neu gestaltete Herzogin-Anna-Straße wieder offiziell freigegeben wurde.

Sehr originell gestaltete sich die Programmkonzeption. Mit der „Ouvertüre-Suite in D-Dur für Streicher und Continuo“ von Johann Bernhard Bach (1676-1749) gab das Ensemble den Gesamtrahmen vor. Die ersten fünf Sätze der achtteiligen Suite bildeten den Auftakt, die nochmalige Ouvertüre und die Sätze sechs bis acht setzten einen glanzvollen Schlusspunkt. Johann Bernhard Bach war ein deutscher Komponist aus der Familie Bach und ein Cousin von Joh. Seb. Bach. In dieser Tradition feierte er als Komponist zahlreicher Instrumentalwerke große Erfolge. Auch Joh. Seb. Bach führte in Leipzig wiederholt Stücke seines Cousins auf.

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Das Höchstädt-Wertinger Ensemble zeichnete Stimmverläufe in engagierter Phrasierung differenzierend nach. Die gewählten Tempi entsprachen durchweg den Satzcharakteren. Bei aller Betonung der tänzerischen Elemente und bei allem gekonnten Einsatz von Gestaltungsmitteln der barocken Rhetorik blieben drei Dinge stets gewahrt: ein sehr homogener Ensembleklang, vorzügliche Gesanglichkeit und selbst in den oft kleingliedrigen Tanzsätzen die Herausarbeitung angelegter Entwicklungslinien.

Quasi als „Füllung“ dieser Rahmengeschichte präsentierte das Orchester zwei Werke für Streicher und jeweils ein Soloinstrument. In der „Ouvertüre für Flöte concertato und Streicher“ von Georg Philipp Telemann trat als Solist Dr. Friedrich Wilhelm Brändle in den Mittelpunkt. Typisch für Telemann sind gesangliche Melodien, einfallsreich eingesetzte Klangfarben, vor allem auch harmonische Effekte. Wie viele seiner Instrumentalwerke ist auch diese Ouvertüre stark von französischen und italienischen, gelegentlich auch folkloristischen polnischen Einflüssen geprägt. Dafür stehen repräsentativ die Satzbezeichnungen Les Plaisirs, Passepied und Polonaise.

Sehr hoch schätzte Telemann die Traversflöte. Dr. Friedrich Wilhelm Brändle, von Beruf Chirurg an der Wertinger Kreisklinik, brillierte mit klarer Tongebung, technischer Perfektion und spielerischer Leichtigkeit. Sehr beeindruckend gestaltete sich die empathische Ausarbeitung der breit angelegten Phrasierungen. In die Werkreihe „Concerti a cinque“ datiert das „Concerto B-Dur“ des in Venedig geborenen und dort wirkenden Barockkomponisten Tomaso Giovanni Albinoni. In seinen Concerti bedachte er gern die Oboe mit dem Solopart, so auch im Concerto B-Dur. Bei der vorliegenden Interpretation trat im Zusammenwirken mit dem Orchester an die Stelle der Oboe die Hoch-Trompete als Soloinstrument. Tobias Schmid, Diplom-Instrumentalpädagoge und Leiter der Wertinger Bläserphilharmonie, bestach mit seinem Instrument durch hohe Virtuosität und sehr engagierte Interpretation. Im sehr feinfühligen Zusammenwirken mit dem Orchester entfalteten sich der melodische Erfindungsreichtum des Komponisten sowie die formale und thematische Klarheit des Werkes. Die klangliche Variante mit der Hoch-Trompete vermittelte dem stattlichen Hörerkreis barocken Glanz und ein Gefühl barocker Lebensfreude.

Die nochmalige Aufnahme der einleitenden Ouvertüre sowie der Vortrag der Sätze sechs mit acht setzten einen imposanten Schlusspunkt des Konzertereignisses. Die unverkennbare Handschrift des musikalischen Leiters sowie die professionellen Vorträge der Solisten inspirierten die zahlreichen Besucher zu stehenden Ovationen.

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