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Dillingen

25.11.2018

Basilikakonzert: Mystische Versenkung und Lobgesang

Das Requiem von Gabriel Fauré und weitere Werke des Komponisten führten beeindruckend der erweiterte Basilikachor und ein Ad-hoc-Orchester in der Studienkirche auf. Das Konzert stand unter der Gesamtleitung von Dr. Axel Flierl.
Bild: Gernot Walter

Chor und Orchester der Basilika St. Peter bieten mit Solisten in der Dillinger Studienkirche eine erhebende Stunde geistlicher Musik.

Den Vorabend des Volkstrauertages haben der erweiterte Basilikachor und ein Ad-hoc-Orchester auf beredte Weise zu einem kirchenmusikalischen Memento mori in der Studienkirche genutzt. Axel Flierl hatte das Requiem von Gabriel Fauré ausgewählt und dieses mit drei geistlichen Motetten und dem Lobgesang des Jean Racine vom gleichen Komponisten umrahmt.

Der Basilikachor trug hier einen wundervollen vierstimmigen Satz bei und prägte gekonnt in „Tu es Petrus“ die Imitationen zum gefühlvollen Bariton-Solo des Münchners Sebastian Myrus. Empathisch das „O salutaris hostia“ des Solisten mit Harfe und einem schönen Horn-Solo. Von reicher Empfindung auch die Sopranistin aus Zürich, Susanne Langbein im „Tantum ergo“, das der Chor adäquat bis zum verinnerlichten Piano-Schluss begleitete. Dabei war zu hören, wie selbstverständlich sich der Basilikachor die Klangwelt Faurés (1845-1924) zu Eigen gemacht hat.

Susanne Langbein und Sebastian Myrus. 
Bild: Gernot Walter
Unorthodoxe Musik in der Basilika

Im Requiem schuf Fauré eine Musik, die Stil, Struktur und Geisteshaltung der Romantik hinter sich lässt und den Impressionismus vorausahnt. Es handelt sich in der 1887 entstandenen „Messe de Requiem“ in Wahrheit um keine „Totenmesse“, sondern um eine Trauerkantate. Sie weicht durch das Fehlen eines „Dies irae“ vom liturgischen Text ab und ist auch sonst unorthodox, weil die Musik anstelle der sonst in den Vordergrund gestellten Angst vor dem Gottesgericht eine menschliche Darstellung des Leides gibt. Außerdem sind aus dem Beerdigungsritual „Pie Jesu“ und „Libera“ hinzugefügt. Schon das Introitus und Kyrie sind eine einzige Klage des Verlustes (von Faurés Eltern). Dagegen ist das Offertorium ein Gebet um Trost, das der Baritonsolist vorträgt.

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Inbrunst und tiefer Ausdruck

Sebastian Myrus sang mit Inbrunst und tiefem Ausdruck wie auch bei der schlichten Melodie um Erlösung vom ewigen Verderben im „Libera“. Über dem „Sanctus“ lag Ruhe und Verklärung, von der Harfe und den Streichern überirdisch getragen. Das „Pie Jesu“ setzte das Flehen fort, verinnerlicht und anrührend dargeboten von der Sopranistin Susanne Langbein. Im „Agnus Dei“ sang der Chor lyrisch vom ewigen Licht, das den Verstorbenen scheint und leitete über zum Beerdigungslied „Libera“, mit dem Betrauerte verabschiedet werden. Schließlich verheißt „In paradisum“ allen Trauernden jenseitigen Trost. Faurés Requiem ist aus dem Geist der Kammermusik konzipiert. Nur wenige Instrumente fügen Farben hinzu, es sind dies beachtliche Bratschen, Celli und Kontrabass, Harfe, Pauke, Posaunen, Hörner und Trompeten und die Truhenorgel, die Julia Schmid klangschön in den Kontext des Orchesters einbettete. Die dynamischen Kontraste sind gezügelt, es ist eine defensive und sehr einfühlsam empfundene Musik. Die Harmonie geht oft unerwartete Wege, schwebt gewissermaßen und macht mit ihrer Schwerelosigkeit viel vom Reiz des Stückes aus. Auch der Chor wird von Fauré so behandelt, dass er warm und voluminös klingt.

Axel Flierl hat den Basilikachor auf feine Artikulation eingeschworen. Deshalb offenbarte sich hingebungsvoll eine Klangästhetik, die dem Requiem seine friedvolle Größe gab. Starker Beifall für die Mitwirkenden und der Dank des Stadtpfarrers Wolfgang Schneck für eine außergewöhnliche Leistung.

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