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Bauboom: Guter Trend, schlechte Folgen

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Kommentar Von Andreas Schopf
16.06.2018

Die Auftragsbücher der Unternehmen sind voll, das ist die gute Nachricht. Doch vom Bauboom profitieren nicht alle.

Den heimischen Baufirmen geht es gut. Das ist die positive Nachricht. Es wird gebaut, was das Zeug hält, viele Betriebe kommen mit den Aufträgen kaum noch hinterher. Eine Situation, die man sich aus unternehmerischer Sicht nur wünschen kann. Und nicht nur aus der. Arbeitnehmer dürfen sich über sichere Arbeitsplätze freuen, der Staat profitiert durch sprudelnde Steuereinnahmen. Also alles gut? Nicht ganz.

Die Beispiele aus dem Landkreis Dillingen zeigen, dass der derzeitige Bauboom auch seine Schattenseiten hat. Kommunen können sich nicht mehr darauf verlassen, Firmen für ihre Projekte zu finden. Das macht die Planung schwieriger. Auch Privatleute müssen zum Teil Monate auf einen Termin mit dem Handwerker warten. Dazu kommen steigende Preise. Die kann man Baufirmen nicht einmal vorwerfen. Das sind die ganz normalen Mechanismen, die auch in jeder anderen Branche greifen würden. Zumal die Betriebe selbst mit gestiegenen Kosten zu kämpfen haben, etwa bei Rohstoffen und Personal.

Trotzdem begünstigen die gestiegenen Baupreise einen gefährlichen Trend. Wohnen wird immer mehr zum Luxusgut. Gerade in den großen Ballungsräumen ist die Situation angespannt, zum Teil dramatisch. Wer einmal versucht hat, in München eine bezahlbare Wohnung zu ergattern, der weiß: Vom Bauboom profitieren bei weitem nicht alle. Die Entwicklung ist längst im Landkreis Dillingen angekommen. Auch hier bräuchte es mehr erschwinglichen Wohnraum. Die Politik ist gefordert, den sozialen Wohnungsbau voranzubringen und finanziell zu unterstützen. Von Investoren braucht man nicht erwarten, dass sie zum Allgemeinwohl freiwillig auf Rendite verzichten.

So oder so stößt das Baugewerbe aber langsam an seine Grenzen. Die Bevölkerung wächst, auch bedingt durch Zuwanderung. Bundesweit fehlen jährlich knapp 400000 neue Wohnungen. Das Problem der Branche: Der Nachwuchs fehlt, vor allem der qualifizierte. Daraus führt vor allem ein Weg: Handwerksberufe müssen der Jugend wieder schmackhaft gemacht werden. Zumal die Perspektiven glänzend sind. Auch wenn eine Studie der Beratungsfirma EY Parthenon zuletzt gezeigt hat, dass der Bauboom langsam nachlassen könnte, ist die Branche immer noch ein Aushängeschild der heimischen Wirtschaft – und für jeden Berufseinsteiger attraktiv.

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