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Dillingen

08.03.2019

Bauen, wohnen, mieten: Wo es im Landkreis Dillingen teuer ist

Wer in Wertingen mieten oder kaufen will, muss teils kräftig in die Tasche langen. Die Nähe zu Augsburg liegt den teils teuren Preisen zugrunde. Das Bild zeigt im Hintergrund das Wertinger Schloss.
Bild: Benjamin Reif

Die Grundstückspreise steigen auch bei uns. Bauplätze sind eine Geldanlage. Aber auch Wohnungen oder Häuser sind nicht billiger

13 Minuten. So lange braucht man laut Navi mit dem Auto vom Wertinger Schloss zur B2-Auffahrt Biberbach. In weniger als einer Viertelstunde ist man auf der Bundesstraße und in fast der gleichen Zeit erreicht man dann Augsburg. Ruck, zuck. Wer in der Zusamstadt lebt, kennt und schätzt die Nähe zur schwäbischen Großstadt. Aber die gibt es nicht zum Nulltarif. Wer in Wertingen mieten oder kaufen will, muss die gute, schnelle Anbindung mitzahlen. Das zeigt sich deutlich in den aktuellen Grundstücks- und Immobilienpreisen. Und die sind teils deftig.

Dieter Kraus arbeitet in der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses im Landratsamt Dillingen. Er und seine Kollegen erfassen jeden Quadratmeter, der im Landkreis verkauft wird. Automatisch, das ist gesetzlich vorgeschrieben, bekommt Kraus die Kaufverträge aller Notare. Daraus werden dann die sogenannten Bodenrichtwerte ermittelt. Noch sind sie nicht komplett für dieses Jahr festgelegt, die Tendenzen aber sicher.

Wie sieht es in Hausen mit den Preisen aus?

Deshalb weiß der Fachmann: „Wertingen ist das teuerste Pflaster im Landkreis und noch um einiges teurer als Dillingen.“ Im Schnitt werden in Wertingen 150 Euro pro Quadratmeter verlangt. Im Dillinger Stadtteil Hausen sind es beispielsweise rund 120 Euro. „Der Markt gibt die Preise her. Die Erschließung von Baugrund wird immer teurer, die Preise werden umgelegt. Deshalb haben die Kommunen teils weniger Bauplätze, weil im Privatbereich viel geht. Es wird trotz der hohen Preise noch gut bei uns verkauft“, sagt Dieter Kraus.

Er betont, dass die Grundstückspreise stark schwanken, es immer auf die Lage und sogar auf Zonen ankommt. Generell, so Kraus weiter, seien bei uns die Städte mit den Stadtteilen beliebter. Aber: „Es ziehen wieder mehr raus aufs Land, weil es dort einfach billiger ist.“ Am günstigen lässt es sich aktuell im Kesseltal leben – zumindest, was die Grundstückspreise betrifft. Im Schnitt kostet der Quadratmeter in Bissingen rund 60 Euro. Zum Vergleich: Im Bachtal können es auch schon mal knapp 100 Euro sein. „Hier spielt wieder die Nähe zu Heidenheim eine Rolle. Die Preise in Baden-Württemberg sind noch mal ganz anders“, erklärt Kraus. Da sei es bei uns im Landkreis doch noch günstiger, wenn auch viel teurer als noch vor zehn Jahren. Ein Beispiel aus Hausen: 2006 lag der Quadratmeterpreis durchschnittlich um hundert Euro, heute ist es ein Viertel mehr. In Wertingen fällt es deutlicher aus. Teils 50 Euro mehr sind mittlerweile fällig. „Bauplätze, vor allem kommunale, sind nach wie vor nötig im Landkreis. Irgendwann wird sich der Markt regulieren. Aber momentan sicher nicht“, so Kraus.

80 Immobilien über Sparkasse Dillingen verkauft

Benjamin Holzinger kann dies bestätigen. Er ist Leiter des Geschäftsbereichs Immobilien bei der Kreis- und Stadtsparkasse Dillingen. Er und das Team rund um Florian Stadler makeln für ihre Kunden. Über die Experten können Immobilien verkauft oder gekauft werden, ebenso gibt es einen Mietservice. Wer eine Wohnung sucht, kann dies mithilfe der Sparkasse tun – und andersrum. „Es ist immer wieder spannend zu sehen, wo die Preisbereitschaft liegt und was sich am Markt tut. Wir tauschen uns wöchentlich aus und sehen so das komplette Spannungsfeld zwischen Angebot und Nachfrage“, sagt Holzinger und fügt hinzu: „Trotz der teils hohen Preise kann ich sagen, dass kaufen und verkaufen deutlich überwiegt. Mieten und vermieten ist eher unterentwickelt. Stand heute sucht jeder eine Immobilie, nur noch ein Zehntel sucht etwas zum Mieten.“ Und das, so der Experte, obwohl die Preise „extrem nach oben geschossen sind“.

Holzinger hat eine simple Erklärung für diese Entwicklung: „Was der Münchner nicht zahlen kann, findet er in Augsburg. Und der Augsburger kommt zu uns. Es schwappt von den Ballungszentren raus – inklusive der Preise.“ Trotzdem wurden laut Holzinger im vergangenen Jahr knapp 80 Immobilien über die Kreis- und Stadtsparkasse verkauft – ein Rekord. „Perspektivisch gesehen, wird der Mietmarkt nicht günstiger. Deshalb stellen sich viele die Frage, womit man langfristig besser fährt.“ Besonders gesucht seien demnach Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen. Die Nachfrage sei hoch, das Angebot nicht unbedingt. „Deshalb kommt es zu dementsprechenden Preisen. Für Gemeinden und Städte ist es eine Herausforderung. Einerseits sollen sie Bauplätze zur Verfügung stellen, aber die kosten ihr Geld. Man kann die Preise mit früher nicht mehr vergleichen. Das geht nicht“, so Holzinger.

Raus aufs Dorf: Aber das will nicht jeder

Zwar gebe es alternativ Wohnungen, aber nicht in allen Preisklassen. Auch hier würde sich der Baupreis durchschlagen. Bei Immobilien in Neubaugebieten kommen ordentliche Preise heraus. „Vermieter mit bestehenden Objekten ziehen dann natürlich nach“, so Holzinger. Und auch hier gilt: Am teuersten ist es in Wertingen. In der Spitze nennt Benjamin Holzinger knapp elf Euro pro Quadratmeter kalt für neue Wohnflächen. Billiger werde es nur in den Marktgemeinden und auf Dörfern und dann zusätzlich in Bestandsobjekten. Dann bekomme man durchaus Immobilien unter sechs Euro pro Quadratmeter. Deshalb hat Holzinger einen wichtigen Tipp: „Man sollte am Wohnungsmarkt nicht mit fixen Erwartungen suchen, sonst kommt man nicht weit.“ Im Grunde gebe es zwei Möglichkeiten. Entweder Kompromisse machen oder den Preis zahlen. „Und die Praxis zeigt: Die Preisbereitschaft ist da.“

Flüchtlinge haben es besonders schwer

Bei den Klienten von Katja Finger ist diese Bereitschaft nicht da. Weil es nicht geht. Finger ist im Landkreis Dillingen die Wohnungslotsin für anerkannte Flüchtlinge. Sie vermittelt, telefoniert und kommt zu Besichtigungen mit. Sie sagt: „Wir könnten noch günstigere Wohnungen brauchen. Auch für Hartz-IV-Leute ist es schwierig, etwas zu finden. Es ist eine Herausforderung.“ Für die Flüchtlinge seien die angebotenen Wohnungen zu teuer, bei Neubauten seien sie sowieso raus. Hinzu kommt, dass die meisten Flüchtlinge nicht aufs Land ziehen wollen. Was, so Finger, ohne Führerschein und Auto auch nachvollziehbar sei. „Trotzdem machen wir auch gute Erfahrungen. Die, die sich trauen, haben oft schöne und gute Wohnungen. Und meist auch nette Nachbarn auf dem Dorf.“ Und es ist bezahlbar.

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