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Vorstellung in Dillingen

26.03.2019

Bayerischer Hiasl: Aus dem Räuberhauptmann wird ein Volksheld

Beim „Literarisch-musikalischen Abend“ des Historischen Vereins und der Volkshochschule Dillingen ging es um die Lebensgeschichte und die literarische Bedeutung Matthäus Klostermayrs, bekannt als „Der Bayerische Hiasl“. Im Bild (von links): Siegfried und Gisela Bradl, Prof. Dr. Klaus Wolf, Volkshochschulleiterin Sabine Remiger, und Vhs-Vorsitzender Dieter M. Schinhammer.
Bild: Erich Pawlu

Professor Wolf und der „Haberer-Zwoagsang“ präsentieren das literarische Bild des Bayerischen Hiasl im Dillinger Colleg.

Eine historische Geschichte, die an Schrecklichkeit, Kuriosität, Zeitspiegelung und Breitenwirkung kaum zu überbieten ist, bildete die Grundlage einer Veranstaltung des Historischen Vereins und der Volkshochschule Dillingen.

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Im restlos gefüllten Großen Saal des Collegs referierte Prof. Klaus Wolf von der Universität Augsburg nicht nur über Leben und Schicksal, sondern auch über die Bedeutung des Räuberhauptmanns Matthäus Klostermayr (1736-1771) für die Literatur. Zahlreiche Veröffentlichungen hätten dem „Bayerischen Hiasl“ nach seiner Hinrichtung in Dillingen am 6. September 1771 das Image eines süddeutschen Robin Hood verschafft. Diese Art von Verehrung bestätigte an diesem „literarisch-musikalischen Abend“ auch der Vortrag von Liedern zum Thema durch Siegfried und Gisela Bradl, den „Haberer-Zwoagsang“ aus Altomünster.

Vortrag in Dillingen: Was hat es mit dem Bayerischen Hiasl auf sich?

Klaus Wolf vermittelte zunächst einen Überblick über die Biografie des „Bayerischen Hiasl“: Matthäus Klostermayr stammt aus Kissing. In jungen Jahren wurde er Jagdgehilfe auf Schlossgut Mergenthau. Er verspottete aber einen dort wohnenden Jesuitenpater als „Katzenschütze“, sodass er die Anstellung verlor. Zur Sicherung des Lebensunterhalts verlegte er sich auf die Wilderei. Dem Versuch, ihn zum Militärdienst einzuziehen, entzog er sich durch die Flucht über den Lech. Sogar das Angebot, kurfürstlicher Jäger zu werden, schlug Klostermayr aus.

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Bei der Landbevölkerung wuchs seine Beliebtheit, weil er mit seiner Bande den Schaden verursachenden Wildbestand dezimierte und weil er den Ruf erworben hatte, arme Leute zu unterstützen. Aber die Häufung von Überfällen, Landfriedensbrüchen und Totschlagdelikten führten schließlich in Dillingen zur Planung und Realisierung einer militärischen Expedition. Mit 300 Soldaten erstürmte der „Fürstbischöflich-Augsburgische Premier-Lieutenant“ Ferdinand Schedel das Wirtshaus von Osterzell, wo sich der Hiasl mit seiner Bande verschanzt hatte. Nach langwierigem Prozess wurde der Räuberhauptmann in Dillingen verurteilt und 1771, beobachtet von einer gewaltigen Zuschauermenge, an der Donaubrücke hingerichtet. Der Kopf wurde ihm abgeschlagen und die Körperteile zu Zwecken der Abschreckung an verschiedenen Orten ausgestellt.

Auch Schiller soll angeregt worden sein

Dennoch wurde das Hiasl-Bild in den Köpfen der einfachen Leute immer stärker verklärt. Ausschlaggebend dafür waren zahlreiche Biografien. Schon 1772 wurde in Augsburg, aber auch auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig der Band „Leben und Ende des berüchtigten Anführers einer Wildschützenbande, Mathias Klostermayrs, oder des sogenannten Bayerischen Hiesels“ präsentiert. Obwohl der Vorname der Titelfigur irrtümlich verändert wurde, fand diese Veröffentlichung weite Verbreitung. Prof. Wolf hält es für sicher, dass auch Schiller durch diese Wildschützgeschichte zu seinem Drama „Die Räuber“ (1781) und zum Kriminalbericht „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ (1786) angeregt wurde. Der Typ des „Selbsthelfers“ nach dem Muster des „Götz von Berlichingen“ und des „Wilhelm Tell“ sei in der Zeit der Aufklärung zu einem Ideal geworden. Auch der Romantiker Ludwig Tieck wurde zu einer Biografie angeregt.

Eine emotionale Vorstellung von dieser Literarisierung der „Hiasl“-Gestalt vermittelten auch die Texte der Lieder, die vom „Haberer-Zwoagsang“ vorgetragen wurden. In naiver Volkstümlichkeit, zumeist im Dreiviertel-Takt-Rhythmus und mit schlichten oder gewaltsamen Reimen wird in diesen Produkten der Freischütz gefeiert. Siegfried und Gisela Bradl gestalteten die volksnahen Produkte mit eindrucksvoller Präzision, aber auch mit Humor.

Als „Hirangl-Musi“ sicherten sie den balladenhaften Couplets mit Gesang sowie mit Gitarre, Zither oder Akkordeonbegleitung den unverkennbaren Volksliedcharakter, sodass sich die Besucher zum Mitsingen angeregt fühlten: „So a Gauner hod a Leb’n, / s’kann doch gar nix Schöners geb’n …“

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