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Dillingen

17.04.2019

Beichte: Vor Ostern den „Müll der Seele“ abladen

Etliche Christen nutzen vor Ostern die Beichte.
Bild: Ralf Lienert

Etliche Christen wollen vor dem Hochfest beichten. Dabei ist dieses Sakrament fast vergessen. Auch bei uns?

Es wird mittlerweile als vergessenes Sakrament bezeichnet. Weil kaum noch Menschen diese Gelegenheit nutzen. Jetzt, vor Ostern, ist die Beichte aber für viele Gläubige wichtig – auch bei uns im Landkreis Dillingen. Einen richtigen Ansturm gibt es nicht, aber Pfarrer Klaus Ammich sagt: „Die traditionelle Osterbeichte bewegt immer noch viele, sich den eigenen Fehlern zu stellen.“ Der Geistliche, der die Pfarreiengemeinschaft Buttenwiesen betreut, sagt aber auch, dass die Zahl der Beichten zurückgegangen ist. Dafür aber die einzelnen Beichten sehr oft intensiver seien. Ammich: „Die Beichtenden wollen Rat und Hilfe. Durch das konkrete Aussprechen werden Fehler benannt, und so stellt man sich den Fehlern. Auf diese Weise können Schritte zu einem besseren Leben leichter gelingen.“ Besser als durch ein unverbindliches „Ja, ich mache manchmal schon was falsch!“, so der katholische Geistliche aus dem Zusamtal.

Das sagt der katholische Pfarrer aus Buttenwiesen

Die Zusage der Vergebung in der Lossprechung könne sehr viel befreiender sein als die Hoffnung, dass Gott einem vergeben wird. Diese Erfahrung des Loslassens von Schuld eines Beichtenden gehöre zu den schönsten Augenblicken des priesterlichen Dienstes. Die Empfehlung der katholischen Kirche sei es, wenigstens einmal im Jahr die Versöhnung mit Gott zu suchen. „Aber als mündiger Christ sollte man es selber spüren, wenn man sich so weit von Gott entfernt hat, dass eine Umkehr gut tut“, so Ammich. Ihn erfülle es mit Freude, dass auch jüngere Christen diesen Weg der persönlichen Aussprache und Versöhnung mit Gott suchen. „Natürlich sind es aber viele Christen, bei denen die Beichte zu einer festen Gewohnheit geworden ist.“

Was die katholische Kirche empfiehlt

Lauingens Stadtpfarrer Raffaele De Blasi unterstützt die Meinung seines Pfarrerkollegen und sagt: „Es gibt Gläubige, die regelmäßig das Bußsakarament empfangen, weil sie es schätzen. Es gibt aber auch Menschen, die nach vielen Jahren den Weg zum Bußsakrament finden und dann das Befreiende des Aussprechens der eigenen Schuld erfahren.“ Trotzdem bestätigt auch er, dass nicht nur die Nachfrage am Bußsakrament kontinuierlich zurückgegangen ist, sondern vor allem das Verständnis für dieses „heilsame“ Sakrament, das Gottes Angebot zur „Entmüllung“ der Seele sei. Nachdem die Kirche seit Jahrhunderten rate, wenigstens einmal im Jahr den in der Seele angesammelten „Müll“ abzuladen, würden zumindest auch heute noch etliche Gläubige diese Möglichkeit, vor allem in den Wochen vor Ostern, wahrnehmen. „Weil die Beichte heilsam ist. Allein das laute Aussprechen der eigenen Unzulänglichkeit tut gut, noch viel mehr aber das Wort der Vergebung“, sagt De Blasi.

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Warum bei der evangelischen Kirche die Osterbeichte kein Thema ist

Manuel Kleiner, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Dillingen, sagt: „Die Osterbeichte ist bei uns kein Thema, sie gibt es nicht.“ Grundsätzlich sei die Beichte ein schwieriges Thema, und werde kaum noch in Anspruch genommen – im Gegensatz zu Martin Luther, wie Kleiner sagt. „Er brauchte die Beichte als Reinigung seiner Seele. In seiner Nachfolge ist vieles verloren gegangen, weil es als katholisch verschrien war. So hat Luther sich beispielsweise bekreuzigt, das war ihm wichtig. Wenn man das heute einem evangelischen Christen erzählt, sagt er, das ist doch katholisch. So ähnlich ist das mit der Beichte gelaufen“, sagt Kleiner.

Sehr selten werde der Dillinger Pfarrer von Gläubigen deshalb noch für die Beichte angefragt. Zwar sei die Reinigung der Seele sehr wichtig und bedeutend, dies würde aber nicht mehr über den Pfarrer gemacht. Kleiner selbst habe auch lange gesucht. „Vieles klärt sich im Gespräch mit meiner Frau. Sie ist mein geistliches Gegenüber“, sagt der evangelische Pfarrer.

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