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Jugendarbeit

07.12.2014

Besserer Schutz, aber viel Bürokratie

Auch Markus Selzle (rechts) , Handballtrainer der B-Junioren beim TSV Wittislingen, muss ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Er findet die neue Regelung völlig in Ordnung.
Bild: Schwarzbauer

Regelung über erweitertes Führungszeugnis verunsichert und verärgert Vereine

Von Andreas Schwarzbauer

Landkreis Auf Werner Wenger kommt bald eine Menge Arbeit zu. Der Vorsitzende des TSV Wittislingen muss sich von allen Ehrenamtlichen, die im Verein Kinder oder Jugendliche betreuen, ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen lassen. Sollte darin vermerkt sein, dass der Ehrenamtliche schon einmal wegen eines Sexualdelikts, Menschenhandel oder der Verletzung der Aufsichtpflicht rechtskräftig verurteilt worden ist, darf er nicht mehr mit jungen Menschen arbeiten. Dies steht im 2012 verabschiedeten Bundeskinderschutzgesetz.

Wenger hält es zwar für richtig, dass man überprüft, ob Leute, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, dafür auch geeignet sind. Aber für einen Sportverein bedeute dies einen enormen bürokratischen Aufwand: „Wir haben beim TSV Wittislingen in unseren Abteilungen Handball, Tennis, Fußball und Turnen jeweils mehrere Jugendmannschaften. Das bedeutet, dass wir uns 30 bis 40 Führungszeugnisse zeigen lassen müssen.“

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Auch für die ehrenamtlichen Jugendtrainer oder Gruppenleiter fällt die Regelung zusätzliche Arbeit an. Sie müssen das erweiterte Führungszeugnis beim Einwohnermeldeamt kostenlos beantragen und bekommen es dann zugeschickt. Mit dem Zeugnis können sie dann zu ihrem Vereinsvorsitzenden gehen.

Dagegen gab es allerdings einigen Widerstand. Reinhold Metz, Leiter des Jugendamtes im Landkreis Dillingen, sagt: „Es gab großen Wirbel, weil das erweiterte Führungszeugnis nicht nur Straftaten enthält, die die Jugendarbeit betreffen.“ Deshalb gibt es nun auch die Möglichkeit, bei den Vereinen eine Negativ- bzw. Unbedenklichkeitsbescheinigung vorzulegen. Dafür müssen die Ehrenamtlichen mit ihrem Führungszeugnis zur Gemeinde gehen und sich bescheinigen lassen, dass sie mit Jugendlichen arbeiten dürfen.

Metz gefällt diese Lösung nicht: „Ich finde, es wäre für die Verantwortlichen wichtig, über bestimmte Straftaten, wie Körperverletzung, bescheid zu wissen. Man will schließlich keinen Schläger in der Jugendarbeit. Das war der Gesetzgeber nicht so ganz konsequent.“ Wenger sieht einen anderen großen Nachteil: „Wenn die Ehrenamtlichen zweimal zum Rathaus laufen müssen, ist das ein sehr großer Aufwand. Ich könnte mir vorstellen, dass das manche abschreckt, sich ehrenamtlich zu engagieren.“

Markus Selzle ist Handballtrainer der B-Junioren beim TSV Wittislingen. Er findet die Regelung in Ordnung. Dadurch sei sichergestellt, dass nicht die flaschen Personen mit den Jugendlichen arbeiten. Es sei nicht kompliziert, das Führungszeugnis zu beantragen.

Bei vielen Vereinen herrscht derzeit dagegen Verunsicherung. Auf der Vollversammlung des Kreisjugendrings (KJR) Dillingen zweifelten manche, ob die Negativbescheinigung überhaupt ausreiche. Metz stellte klar: „Die Negativbescheinigung steht zwar nicht im Gesetz. Es ist aber auf jeden Fall möglich, diesen Weg zu gehen. Sie wird genauso akzeptiert.“

Außerdem sei unklar, wer alles ein Führungszeugnis vorlegen müsse, so Boris Schenk vom KJR. Er wünscht sich eine Liste, auf der dies aufgeführt ist: „Man schiebt die Verantwortung auf die Vereine ab und deshalb würde ich es begrüßen, wenn man ihnen dann auch etwas an die Hand gibt.“ Metz weiß, dass es in Neu-Ulm eine derartige Liste gibt. Es sei kein Problem, diese auf die Homepage zu stellen. Allerdings warnt er: „Die Liste ist nur eine Orientierungshilfe.“ Eine Frist, bis wann die Vereine die Vereinbarung umgesetzt haben müssen, gibt es laut Metz nicht: „Ich gehe aber davon aus, dass die Verantwortlichen die Aufgabe gewissenhaft und in einer angemessenen Zeit erledigen

.“

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