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Betroffenheit ist Definitionssache

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Kommentar Von Jakob Stadler
03.03.2018

Die Fällung von Bäumen beim Kindergarten Kurlandstraße in Lauingen hat Nachbarn verärgert.

Sie sind keine direkten Anlieger, deshalb sind sie auch nicht betroffen. Das ist die technische Definition, wegen der die Stadt Lauingen in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt der Meinung war, ein Paar, das neben dem Kindergarten in der Kurlandstraße wohnt, nicht in die Nachbarbeteiligung mit einzubeziehen. Ihr Reihenhaus ist das dritte in der Reihe. Und irgendwo muss eine Grenze gezogen werden, das ist klar. Doch die Grenze, die die Behörden in diesem Fall für richtig hielten, ist willkürlich.

Wer an einem Tag aus seinem Fenster auf elf große Bäume schaut und am nächsten Tag auf eine Brachfläche, ist betroffen. Rein rechtlich hat derjenige deshalb noch lange kein Mitspracherecht. Aber wenn hier mit mehr Umsicht gearbeitet worden wäre, dann wären auch diese Anwohner informiert worden. Und das wäre auch im Interesse der Stadt Lauingen gewesen.

Denn wenn Betroffenen Informationen fehlen, schadet das der Diskussion. Es herrscht Unverständnis, warum eigentlich überhaupt Bäume abgeholzt werden müssen – der Platz daneben reiche doch für einen Container.

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Eine berechtigte Frage – auf die das Stadtbauamt aber eine plausible Antwort hat. Schließlich muss ein Container auf- und später auch wieder abgebaut werden. Dafür muss ein Kran aufs Gelände. Da stehen die Bäume im Weg.

Für eine konstruktive Diskussion zwischen den Anwohnern und der Stadt ist es wichtig, dass alle solche Informationen haben. Deswegen können Anwohner natürlich weiterhin dagegen sein. Doch ohne die Informationen der Stadt haben sie dafür sicherlich noch mehr Gründe. Und ein weiterer Grund für Unzufriedenheit kommt dann sogar noch hinzu: das Gefühl, nicht ernstgenommen zu werden.

Nach diesem Fehler, das muss man der Stadtverwaltung lassen, macht sie vieles richtig. Die Bäume sind weg, das lässt sich ohnehin nicht mehr rückgängig machen. Was man aber wieder gut machen kann, ist dass Gefühl, nicht beachtet zu werden. Die Stadt tut gut daran, Betroffene – ob direkte Anwohner oder nicht – möglichst gut in ihre Projekte einzubinden.

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