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Mission

24.12.2017

„Bewährte Gemeindeleiter“ sollen die Eucharistie feiern dürfen

Pater Paulo Günter Süss

Zu Weihnachten schreibt der Gundelfinger Paulo Günter Süss. Es geht um die Feier der heiligen Messe im Amazonasgebiet – und die Auswirkungen einer anstehenden Entscheidung für die Weltkirche.

Immer zu Weihnachten berichtet Pater Paulo Günter Süss, der ursprünglich aus Gundelfingen stammt, von seiner Missionsarbeit in Brasilien. Hier lesen Sie Auszüge aus seinem Weihnachtsbrief.

Liebe Bekannte und Freunde,

vor etwa zwei Monaten hat Papst Franziskus eine Sonderversammlung der Bischofssynode für das Urwaldgebiet der Amazonas-Region einberufen, das neun Länder umfasst: Brasilien, Peru, Kolumbien, Bolivien, Ekuador, Venezuela, Guayana, das Französische Guayana und Surinam. Die Synode wird im Oktober 2019 in Rom stattfinden und soll sich mit zwei konkreten Aufgaben befassen. Sie soll erstens über neue Wege für die Evangelisierung der Menschen, die in diesem Gebiet leben, besonders der indigenen Völker, nachdenken, und zweitens für eine Krisenregion, den Amazonas-Regenwald, der als die Lunge der Welt bezeichnet wird, ein für den ganzen Planeten Erde entscheidendes Umdenken anstoßen.

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Was ist an diesen Aufgaben so wichtig, dass sie eine Weltbischofssynode rechtfertigen? Hinter dem „neuen Weg für die Evangelisierung der Menschen im Amazonasgebiet“ verbirgt sich das Angebot des Papstes, den etwa 70 Prozent der auf Grund der weiten Entfernungen von einer normalen Teilnahme an der Eucharistiefeier ausgeschlossenen priesterlosen Gemeinden, den Zugang zur heiligen Messe zu ermöglichen. Die Ortsbischöfe wissen um diese Situation, haben sie immer wieder in ihren Dokumenten bedauert und sollen nun selbst, wie Papst Franziskus sagt, „mutige Vorschläge“ machen.

Mutige Vorschläge aber heißt: bewährte Gemeindeleiter sollen die Erlaubnis erhalten, in ihren Gemeinden Eucharistie zu feiern. Das ist theologisch möglich und pastoral notwendig, denn die Kirche sagt ja selbst, und dies schon vor über 50 Jahren auf dem Konzil: „Keine christliche Gemeinschaft wird erbaut, wenn sie nicht ihre Wurzel und ihren Angelpunkt in der Feier der Heiligen Eucharistie hat“. Die „Dogmatische Konstitution über die Kirche“ bezeichnet die Teilnahme an der Eurcharistiefeier als „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“. Der Papst möchte aber für diese Entscheidung, die dann ja auch für viele andere Gebiete der Weltkirche wichtig ist, das Votum der Synode und vor allem der Ortsbischöfe. (...)

Um erste Überlegungen zu dieser Amazonas-Synode und einer „indigenen Kirche“ ging es auf einem Treffen eines kirchlichen Netzwerkes der Amazonas-Region (Repam) in Ekuador, an dem ich Ende November teilgenommen habe. Neben Missionarinnen und Missionaren kamen dort natürlich Vertreter indigener Völker zu Wort. Einer der indigenen Vertreter aus dem Norden Brasiliens, Joao Batista, der dort schon 40 Jahre als Katechet tätig ist, erzählte den Teilnehmern des Treffens seine kirchliche Situation in Form einer brasilianischen Fabel, bei der es um das Zusammenleben zwischen einem Panther und einer Katze geht, wobei der Panther die indigene Welt vertritt und die Katze die missionarische Kirche. Der Panther bittet die Katze, ihm alle Sprünge und Geheimnisse zu zeigen, um im Gestrüpp des Urwalds zu überleben. Die Katze gibt sich offensichtlich alle Mühe, um der Bitte des Panthers gerecht zu werden. Eines schönen Tages will der Panther die Kontrolle des Gebiets übernehmen und macht einen Sprung, um der Katze an den Kragen zu gehen. Aber die Katze macht einen Salto mortale nach hinten, und entkommt dem Panther. Als sich die beiden wieder einmal treffen, sagt der Panther zur Katze: „Diesen Salto mortale aber hast du mir nicht gezeigt“, und die Katze antwortet: „Ich wusste, dass du eines Tages das ganze Gebiet übernehmen willst und uns damit überflüssig machst.“ Auf die kirchliche Situation im Amazonasgebiet angewendet heißt dies: „Ihr Missionare habt uns alles gelehrt, was die Kirche vorschreibt, aber die Eucharistie habt ihr uns nicht übergeben und so bleibt ihr auch weiterhin unabkömmlich und uns fehlt nicht nur häufig das tägliche Brot, sondern auch die sonntägliche Eucharistie.“ Die Synode wird darüber ernsthaft nachdenken müssen.

Zum Weihnachtsfest wünsche ich Ihnen alle jene „glückselige Genügsamkeit“, welche die Voraussetzung des Friedens mit uns selbst ist und mit allen, die sich Sorgen machen für ein gutes Zusammenleben im gemeinsamen Haus der Welt. Haben Sie Dank für alle Zeichen der Verbundenheit und seien Sie auch im neuen Jahr dem treuen Gott befohlen. Foto: Süss

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