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Prozess

18.03.2015

Beziehungsstreit endet mit Fahrt gegen einen Baum

Wollte ein 21-Jähriger im Kreis Dillingen seine Ex-Freundin umbringen? Diese Frage muss das Landgericht Memmingen klären
Bild: Symbolbild Alexander Kaya

Wollte ein 21-Jähriger im Kreis Dillingen seine Ex-Freundin umbringen? Diese Frage muss das Landgericht Memmingen klären

Ein gutes Vorbild in Beziehungsfragen hat der Angeklagte nicht gehabt. Auf die Frage, ob es in der Beziehung seiner Eltern viel Streit und Schläge für die Mutter gegeben hatte, antwortet er: „Ja, wie vermutlich in jeder Ehe.“ Der 21-Jährige steht jetzt vor dem Landgericht Memmingen, weil Streit und Gewalt auch zu seiner Beziehung gehörten. Angeklagt ist er unter anderem wegen versuchten Totschlags: Er soll ein Auto mit der Freundin auf dem Beifahrersitz absichtlich an einen Baum an einem Feldweg in Kötz gelenkt haben.

Der Beziehungsstreit des Paares zog sich über anderthalb Jahre und durch zwei Landkreise. 2012 lernten sich der Arbeiter aus dem Raum Dillingen und die Einzelhandelskauffrau aus dem nördlichen Landkreis Günzburg über Facebook kennen. „Das erste halbe Jahr war schön, dann kamen die ersten Streits“, sagt die junge Frau. Ihr Freund sei massiv eifersüchtig und ein Kontrollfreak. Bei Widerworten verlor er immer wieder die Beherrschung: „Wenn er mein Handy nicht kontrollieren durfte, wenn ich mit meiner Mutter unterwegs war, wenn ich ohne ihn draußen war, wenn ich nicht ans Telefon gegangen bin – immer ist er ausgerastet“, sagt die Frau vor Gericht. Diese Ausraster äußerten sich in üblen Beschimpfungen und Drohungen. Nach den Streits schmollten beide Parteien für einige Zeit, dann versöhnte man sich aber immer wieder.

Bis zum 17. Juli 2013: Nach einem Streit fuhren die beiden mit dem Dienstwagen des Mannes durch den Landkreis Dillingen, auf einem Feldweg bei Möttingen hielt man für ein Schäferstündchen an. Als währenddessen das Handy der Frau klingelte, soll die Situation eskaliert sein. In der Anklageschrift ist von Schlägen, Würgegriffen und Verfolgungsszenen die Rede. Die Situation soll erst am nächsten Prozesstag genauer besprochen werden. Der Gewaltexzess führte zu einer längeren Trennung. Einige Monate ging man sich aus dem Weg, doch im Dezember 2013 kontaktierte die Frau ihren Ex-Freund wieder. „Wenn er so ausgerastet ist, war es, als wäre er eine andere Person, deswegen habe ich ihm verziehen. Ich habe ihn vermisst“, sagt die heute 21-Jährige.

Anfang Januar kam das Paar wieder zusammen, verlobte sich sogar. Die Strafanzeige, die die Frau nach dem Angriff im Juli erstattet hatte, zog sie zurück. Doch auch diesmal hielt der Frieden nicht lange. Ihr Freund habe absichtlich wegen Kleinigkeiten Streit vom Zaun gebrochen, sagt die Zeugin zu Richterin Brigitte Grenzstein. Die verbalen Ausraster wurden zudem heftiger. Der Angeklagte drohte seiner Verlobten, bei der Verwandtschaft in der Türkei Nacktfotos von ihr zu verbreiten, kündigte aber auch physische Angriffe an. Schließlich trennte man sich wieder einmal.

Bei einem Treffen zur Übergabe von Habseligkeiten eskalierte die Situation schließlich endgültig. Der Angeklagte setzte sich auf den Fahrersitz, nötigte die Ex zum Einsteigen und steuerte nach einem neuerlichen Streit den Wagen gegen den Baum. „Entweder gehörst Du mir oder Du bist tot“, habe er nach dem Unfall gesagt, sagt das Opfer.

Der Mann erklärt, er habe nur das Auto kaputt fahren und sie nicht verletzen wollen. Zwei Gutachter sind sich einig, dass es Glück war, dass bei dem Aufprall mit Tempo 55 bis 60 niemand ernsthaft verletzt wurde. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

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