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Gundelfingen

29.06.2019

Bilanz nach einem Jahr: Hat der Gundelfinger Jugendrat eine Zukunft?

Der Brand des Piratenschiffes im Maxgarten machte den Plänen des Jugendrates einen Strich durch die Rechnung.
Bild: Andreas Schopf

Plus Der Vorsitzende Johannes Lohner spricht über die Gründe, warum im Gundelfinger Jugendrat manches nicht wie gewünscht funktionierte – und fehlende Heimatverbundenheit des Nachwuchses.

Die Gedanken sind zuerst bei Miriam Gruß. Der Jugendrat war ihre Idee. „Sie hat die Sache ins Rollen gebracht und sich um uns gekümmert“, sagt Johannes Lohner. Er war der Vorsitzende des Jugendgremiums in Gundelfingen, das nun ein Jahr lang gearbeitet hat und die erste Amtszeit hinter sich hat. Im Stadtrat am Donnerstag zieht Lohner Bilanz – auch wenn die Bürgermeisterin weiterhin krankheitsbedingt fehlt. „Schade, dass sie nicht da sein kann“, sagt Lohner, bevor er mit seinem Vortrag beginnt.

Gundelfinger Jugendrat vermisst Rückmeldung aus dem Stadtrat

Er listet die drei Vorhaben auf, die den Jugendrat hauptsächlich beschäftigt haben. Da war zum einen das Stadtfest, das die Jugendlichen auf die Beine stellen wollten. Doch im Laufe des Jahres sei klar geworden, welch „riesiger Aufwand“ dies bedeute, der in kurzer Zeit nicht zu schaffen war, sagt Lohner. Mehr erreichen konnte das Gremium beim Thema Bushaltehäuschen in der Lauinger Straße. Hier würden bereits konkrete Gespräche laufen, man sei zuversichtlich, dass das Häuschen bald kommt, so Lohner. Wie berichtet, wollte der Jugendrat auch den Maxgarten umgestalten. Doch das Zündeln eines Teenagers, was einen Brand am Piratenschiff nach sich zog, machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung (lesen Sie hier mehr dazu). „Ich fände es schön, wenn die Pfadfinder die Möglichkeit hätten, das Schiff wieder aufzubauen“, sagt Lohner. Das Spielgerät solle fester Bestandteil eines neuen Konzeptes werden, wünscht sich der scheidende Vorsitzende. Der Zweite Bürgermeister Viktor Merenda berichtet hierzu, dass es am 23. Juli eine Bürgerbeteiligungsveranstaltung zum Maxgarten gibt.

Neben den Projekten spricht Lohner auch die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat an. Nach den dortigen Vorträgen habe es „keine Rückmeldung“ aus dem Gremium gegeben, kritisiert er. „Wir hätten uns sehr über konstruktive Kritik gefreut.“ Feedback habe man in persönlichen Gesprächen einholen müssen. Die Vertreter des Jugendrates hätten gegrübelt, ob es an ihnen selbst lag, an schlechten Themen oder schlechten Vorträgen. „Oder interessiert es den Stadtrat einfach nicht?“, stellt Lohner in den Raum. Er bedankt sich ausdrücklich bei den Stadträten, die Jugendrat-Sitzungen oder die Jungbürgerversammlung besuchten. „Für manche ist ein solcher Besuch selbstverständlich, für manche nicht. Das muss jeder selbst wissen“, wendet sich Lohner an die Stadträte.

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"Jugendliche tragen Gundelfingen nicht im Herzen"

Ein Grund, warum so wenig erreicht wurde, sei auch die deutsche Bürokratie gewesen. Angesichts diverser Hürden in der Verwaltung sei die Amtszeit von einem Jahr viel zu kurz, um etwas Ordentliches auf die Beine stellen zu können. Man habe im Jugendrat scharf diskutiert, ob die Amtszeit auf zwei oder drei Jahre heraufgesetzt werden sollte – und sich schließlich dagegen entschieden. Es sei zu schwierig, junge Leute für eine solch lange Zeit zu binden. „Das machen Jugendliche nicht mit“, betont Lohner, und spricht Faktoren wie Abitur, Auslandsreisen oder Studium an. Auch so stellten sich lediglich fünf Jugendliche für den neuen Rat auf, dessen Amtszeit im Juli beginnt – das bisherige Gremium war doppelt so groß.

Johannes Lohner war im vergangenen Jahr der Vorsitzende des Gundelfinger Jugendrates.
Bild: Lohner

Auch das Interesse an der Jungbürgerversammlung sei mit knapp 20 Besuchern überschaubar gewesen. Lohner stellt die grundsätzliche Frage: „Braucht es den Jugendrat überhaupt noch?“ Schließlich sei das Interesse des Nachwuchses an der Arbeit des Gremiums offenbar gering. Ein Faktor könnte sein, dass im Gegensatz zu Großstädten wie Augsburg oder München die Themen in einer Kleinstadt wie Gundelfingen vergleichsweise keine großen sind. Außerdem beobachte Lohner, dass zwar viele Jugendliche in Gundelfingen wohnen, die Stadt jedoch „nicht im Herzen tragen“. Die Vertreter des Jugendrates würden ihre Heimat lieben. „Damit sind wir in unserer Altersklasse aber wohl gewaltig in der Unterzahl.“ Abschließend dankt Lohner der Stadtverwaltung, die den Jugendrat „nie im Stich gelassen hat“. Stadt und Stadtrat bittet er, die fünf neuen Mitglieder des Jugendrates zu unterstützen und an die Hand zu nehmen. Er befürchtet, dass ansonsten aus der guten Idee nichts werde und das Konzept des Jugendrates „in der Luft verpufft“.

Zweiter Bürgermeister spricht von "Sprung ins kalte Wasser"

Viktor Merenda bedankt sich für das Engagement. Den Jugendrat nennt er eine „tolle Geschichte“. Es sei für alle Beteiligten jedoch ein „Sprung ins kalte Wasser“ gewesen und „ein bisschen holprig“ gelaufen. Die Kommunikation untereinander sei wohl zu wenig gewesen. Merenda schlägt vor, den Jugendlichen vermehrt Einblicke in den Alltag und die Herausforderungen der Verwaltung zu bieten. Werner Böswald (FDP) lobt den Jugendrat ebenfalls für das Geleistete. Er schlägt vor, Vereine anzuschreiben, um so möglicherweise Engagierte zu finden. Er betont außerdem, dass die Termine der Jugendrat-Sitzungen in der Öffentlichkeit kaum präsent waren, oft hätte man davon schlicht nichts gewusst. Der neue Jugendrat wird sich demnächst mit dem bisherigen treffen. Dann wird auch der oder die neue Vorsitzende bestimmt.

Einen Kommentar zu diesem Thema finden Sie hier: Wie man Jugendliche für die Heimat begeistert

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