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Dillingen

22.05.2015

Bildung: Hinter den Mauern der Dillinger Akademie

Die Dillinger Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung ist die einzige Einrichtung dieser Art in Bayern. Früher oder später nimmt jeder Lehrer hier an einer Schulung teil.
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Die Dillinger Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung ist die einzige Einrichtung dieser Art in Bayern. Früher oder später nimmt jeder Lehrer hier an einer Schulung teil.

Was lernt man an Bayerns einziger Fortbildungsstätte für Lehrer eigentlich?

Da ziehen Menschen mit kleinen Rollkoffern ein und aus, da ist ein emsiges Treiben hinter gewaltigen, teils uralten Holztüren, da gibt es mehrere Häuser, Flure, Treppenhäuser, in der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen. Das gewaltige Gebäude prägt die Innenstadt. Einst stand Joachim Weishaupt davor, ein gebürtiger Dillinger. „Ich sah das Haus als Kind – da wollte ich hin.“ Inzwischen ist der 39-Jährige tatsächlich Dozent an der Bildungseinrichtung und absolut begeistert. Denn die Akademie sei ein Think Tank, ein Ort, wo Ideen entstehen, sagt er. Zurzeit präsentiert er Lehrern ein Schulverwaltungssystem. Es dient der Statistik, dem Controlling, hilft beim Planen von Klassenlisten und soll an allen Schulen eingeführt werden.

Vor einigen Wochen hatte der Bayerische Oberste Rechnungshof die Akademie dahingehend kritisiert, dass gerade dort kein systematisches Controlling stattfinde. Das Management sei nicht betriebswirtschaftlich orientiert. Eine Kosten- und Leistungsrechnung müsste eingeführt werden.

Insgesamt 280 Plätze hat die Akademie, unterrichtet wird das ganze Jahr, bis auf wenige Ferienwochen, erklärt Direktor Paul Olbrich. Es gibt Lehrgänge, die einen oder zweieinhalb Tage dauern oder eine ganze Woche. 40 Prozent der Teilnehmer sind Schulleiter. Das neue Schulverwaltungssystem, das Weishaupt gerade 40 Lehrern erklärt, wird seit 2010 in zwölf Kursen pro Jahr rund 280 Teilnehmern vermittelt. Zum einen betreut Weishaupt wie die anderen insgesamt 38 Dozenten der Akademie Projekte, die etwa vom Kultusministerium oder vom Institut für Schulqualität und Bildungsforschung kommen, zum anderen hat er eigene Ideen. Derzeit will er den Bedarf für Informatik an Grundschulen ermitteln, die ohne Computer unterrichtet werden könnte. „Ich glaube, das hat Potenzial“, sagt er begeistert.

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Das Gespräch findet in einer kleinen Cafeteria statt. Als wäre plötzlich ein Pausengong ertönt, füllen unzählige Lehrer die Tische, stärken sich kurz und sind eine Viertelstunde später wieder verschwunden.

Ein paar Treppen weiter, wieder in einem anderen Haus der Akademie, findet eine Redaktionssitzung statt. Dort wird aber nicht an einer Zeitung gearbeitet, sondern an einem Online-Angebot. Es soll Lehrern, die Asylbewerber unterrichten, zum Beispiel helfen, erste Kontakte zu knüpfen. Auch wenn die neuen Schüler sie nicht verstehen. Im Redaktionsteam ist auch Josef Erwee aus Mittelfranken. Er unterrichtet an einer Nürnberger Schule und ist „Berater Migration“. Der Bedarf an diesem Engagement sei gerade auf dem Land extrem angestiegen, wo manche Lehrer noch nie Kontakt mit fremdsprachigen Schülern hatten. Erwee ist zuständig für die Landkreise Weißenburg-Gunzenhausen und Erlangen-Höch-stadt. „Ich unterrichte fünf Stunden weniger und habe einen Tag komplett unterrichtsfrei, damit ich zu den Kollegen hinausfahren kann“, erklärt Erwee. 340 Lehrer nahmen erst kürzlich das Angebot wahr, sich am Wochenende mit Migrationsberatern zu treffen, ergänzt Peter Schäbler. „Wir haben sie darüber informiert, wie man mit fremdsprachigen Schülern umgeht.“ Eine Kollegin hatte auf einmal acht neue Schüler bekommen, aus Kurdistan. „Sie schrieb mir eine Mail, ich fuhr hin und versuchte zu beraten, damit auch diese Kinder einen Pfad in die Regelklasse finden“, erzählt Schäbler. Allein an der Berufsschule in Nürnberg gibt es 18 Anfängerklassen, erklärt Josef Erwee. Die Redaktionssitzung leiten die beiden Dozenten Angelika Klemenz-Klebl und Oliver Killgus.

Die Anforderung für so ein Online-Portal sei vom Kultusministerium gekommen. „Über das Wochenende hinweg sollte ich eine Skizze machen, wie ich helfen kann, und wer noch“, erzählt sie pikiert. Grund: Der Rechnungshof hatte auch bemängelt, dass die Dozenten zu wenig schulen. Weil sie zwar ein- und ausstempeln, aber bis auf die Seminare die Arbeit im Detail nicht erfasst wird. „Ich denke auch zu Hause darüber nach, wo ich Material herbekommen kann.“ Bislang wird diese Arbeit aber, anders als der ORH es fordert, nicht festgehalten. Die Ergebnisse der Redaktionssitzung setzt ihr Kollege Oliver Killgus im Internet um. Damit das anschaulich wird und die Lehrer es gerne nutzen, dreht er sogar kleine Videos mit Holzmännchen. Ein Ziel dieser Arbeit, die Integration fremdsprachiger Schüler, kann so aussehen wie das Projekt von Claus Stenglein aus Kulmbach, auch ein Redaktionsmitglied: Er fährt jetzt zum ersten Mal mit einer Klasse, die Deutsch als Zweitsprache gelernt hat, für eine Woche nach Italien. „Wir zeigen, dass das rechtlich geht. Und die Schüler freuen sich riesig darauf.“ Hinter einer gewaltigen Holztüre halten Evelin Mederle und Friedhard Nichterlein einen Lehrgang ab. Sie ist Dillinger Dozentin, er ist Unternehmensberater aus der Schweiz. Hintergrund: Bislang war ein Schulleiter der Vorgesetzte aller seiner Lehrer. Jetzt kann er die Verantwortung nach einem gewissen Schlüssel teilen. 38 Teilnehmer in fünf Gruppen bereiten die beiden Experten darauf vor. Evelin Mederle hatte alle im Vorfeld nach Problemen im Kontext des Kurses schriftlich befragt. „Schulleiter sind besonders anspruchsvoll“, erklärt sie, „weil sie schon oft hier waren.“

Die Suche nach Experten außerhalb der Akademie wird ausgeschrieben, teils europaweit. Seit zwei Jahren gibt es einen Juristen an der Dillinger Einrichtung. Laut Katharina Schlamp, Stellvertreterin des Direktors, hat er das Vergabeverfahren und weitere Instrumente für eine moderne Verwaltung eingeführt.

Dennoch, sagt auch Ludwig Unger vom Kultusministerium, müsse man weiter an Verbesserungen arbeiten. Was die Dozenten leisten, müsse transparent sein.

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