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25.01.2020

Bis zu 2900 Häftlinge waren im KZ in Lauingen

Dieser Gedenkstein ist in den 1950er Jahren aus Lauingen verschwunden.
Foto: Stadtverwaltung Lauingen

Seit Jahren wird an die Opfer des Außenlagers erinnert, so auch wieder am Montag. Ein Blick zurück

Das ist Bernhard Ehrhart gerade in der aktuellen Diskussion um die Vorgänge am Lauinger Albertus-Gymnasium besonders wichtig: „Dort wird auch viel Gutes getan, zum Beispiel am 27. Januar.“ An diesem Tag wird der Opfer des Holocausts gedacht. In Lauingen gab es laut Ehrhart, Leiter des Lauinger Heimathauses, ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau.

Zwischen 800 bis 1000 Menschen befanden sich während des Zweiten Weltkriegs anfangs in dem Außenlager. Früher habe es auf dem Johannesfriedhof ein Mahnmal als Erinnerung an die Opfer gegeben. Doch das verschwand 1958 spurlos. Stattdessen wurde dann eine schlichte Gedenktafel an der Johanneskirche angebracht, um an die Opfer, die in der Außenstelle umgekommen sind, zu erinnern.

2012 wurde dann eine Skulptur am Lauinger Gymnasium eingeweiht. Die Initiative dafür stammte vom damaligen Abiturjahrgang 2011/12. Seitdem mahnt eine Skulptur von Sándor Kecskeméti gegen das Vergessen. Die Schüler des Gymnasiums organisieren jedes Jahr eine Gedenkfeier und laden das Stadtoberhaupt dazu ein. Auch dieses Jahr wird Bürgermeisterin Katja Müller dabei sein und ein Grußwort sprechen.

Der ehemalige Chefredakteur unserer Zeitung, Gernot Römer, hat sich umfassend mit der Situation der Juden in Bayerisch-Schwaben auseinandergesetzt und auch einiges über die beiden Lager in Lauingen herausgefunden. Im März 1944 waren die ersten KZ-Häftlinge in den Räumen der Landmaschinenfabrik Ködel und Böhm (heute Same Deutz-Fahr) untergebracht worden. Etwa 400 Gefangene lebten dort in einem fensterlosen, großen Kellerraum der Fertigungshallen und wurden für die Rüstungsproduktion eingesetzt. Stacheldraht und Wachttürme riegelten das Lager 1 damals von der Außenwelt ab. Viele Häftlinge erkrankten in der feuchten Unterkunft an Tuberkulose. 300 weitere Gefangene wurden im August 1944 in Hallen der Lauinger Tuchfabrik Feller, Lager 2, einquartiert. Häftlinge waren es auch, die bei den Birkackerhöfen ein drittes Barackenlager bauten, in dem alle Gefangenen auf mit Stroh bedeckten Betonböden schliefen. Die Versorgung mit Essen muss miserabel gewesen sein; viele Häftlinge bekamen aus Hunger die Wassersucht.

Die Häftlinge mussten in Zwölf-Stunden-Schichten Spenglerarbeiten für die Augsburger Flugzeugfirma Messerschmitt fertigen. Der Bau von Jagdflugzeugen zur Abwehr alliierter Luftangriffe bekam im Herbst 1944 absolute Priorität. Bevorzugtes Ziel jener Angriffe waren Flugzeugwerke, die teils unter Decknamen ausgelagert wurden. Lauingen war zwar kein Vernichtungslager, dennoch überlebten viele den Zwangsaufenthalt dort nicht und starben an Entkräftung, Tuberkulose, den Folgen der Fleckfieberepidemie im Frühjahr 1945, oder Misshandlungen. Römer schreibt in seinem Buch „Für die Vergessenen“ von menschenverachtenden Grausamkeiten. Diese sind in den Akten der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltung zur Aufklärung von NS-Verbrechen festgehalten. Doch es gab auch Beispiele dafür, dass die Lauinger dem, was im Lager geschah, nicht tatenlos zusahen. So drohten Büroangestellte der Firma Ködel und Böhm mit einem Streik, als sie sahen, dass ein Häftling geschlagen wurde.

Über das Ende des Lagers, in dem zuletzt zwischen 2500 und 2900 Häftlinge untergebracht waren, gibt es unterschiedliche Darstellungen: Wurden die Männer Richtung Dachau abtransportiert und sind bei Donauwörth in einen Fliegerangriff geraten? Oder wurden sie nach Augsburg gebracht, wo sie wegen der heranrückenden Front Gräben ausheben mussten. (corh, bv)

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