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Heimatabend

30.09.2017

Bissingen war auf dem besten Weg zum Kurort

Wie auf dieser Postkarte wurde die Marktgemeinde Bissingen ab den 1920er Jahren bis Mitte der 1970er Jahre auch in Schriftstücken, Zeitungen und Anzeigen als „Bad Bissingen“ bezeichnet, obwohl die Gemeinde laut Helmut Herreiner niemals den Zusatz Bad im Ortsnamen offiziell erhalten hat.
Bild: von Weitershausen

Helmut Herreiner, Chorgemeinschaft Bissingen und Musikverein Kesseltal begeistern die Besucher

„Was wäre, wenn ... sich der Fremdenverkehr in Bissingen so weiter entwickelt hätte, wie in den 1920er/30er Jahren?“ Diese Frage stellte Helmut Herreiner in dem bis auf den letzten Platz besetzten großen Saal im Bissinger Gasthaus Krone zur Diskussion – nach seinem höchst interessanten Vortrag zum Thema „Fremdenverkehr und Naherholung Kesseltal einst und jetzt“.

Die Antwort darauf konnte natürlich niemand geben, doch die Entwicklung der Marktgemeinde Bissingen und des Kesseltals hätte sicherlich auch in Richtung von „Bad Bissingen“ gehen können.

Begonnen hatte alles nach den Worten des Bissinger Gemeindearchivars im Jahr 1845 mit Sebastian Kneipp, der in Dillingen studierte und zur Heilung seiner schweren Lungenerkrankung bereits schon damals von den bekannten Quellen aus Bissingen getrunken hatte.

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Als dann im Jahr 1905 der Apotheker Max Premauer die heutige Auerquelle entdeckt hatte, habe sich nach dem Ersten Weltkrieg, in dem Soldaten mit dem Wasser der Radium-Quelle zur Vorbeugung von Krankheiten und Epidemien versorgt worden waren, ab dem Jahr 1923 nach und nach ein Kurbetrieb entwickelt, sodass die Auerquelle ausgebaut und erweitert worden sei. Im Jahr 1937 erfolgte der Neubau eines Kurhauses mit Kurparkanlage und ärztlicher Begleitung, berichtete Referent Herreiner weiter, und zuvor sei im Jahr 1935 in Nähe der Auerquelle noch ein Schwimmbad eingeweiht worden. Bis zum Kriegsbeginn seien in Bissingen beispielsweise im Jahr 1939 rund 35000 Übernachtungen gezählt worden.

Parallel zur Entwicklung der Auerquelle sei im Jahr 1926 das Kurhaus Stegemühle der Familie Linder entstanden, in dem sich bis zum Ende der 1990er Jahre Kurgäste eine Auszeit nehmen, übernachten und behandeln lassen konnten.

Natürlich habe die Entwicklung von Bissingen in den Zeitgeist der Nationalsozialisten gepasst, berichtete Herreiner in seinem Vortrag. Doch der Zweite Weltkrieg habe den Bestrebungen Bissingens auf dem Weg zum Heil- und Kurort ein jähes Ende bereitet. „Nach dem Ende des Krieges, in dem die beiden Kurheime als Lazarette genutzt wurden, gab es zwar nochmals ein Neuaufleben des Kurbetriebes in den beiden Kurhäusern Auerquelle und Stegmühle, doch aus dem angestrebten Prädikat Kurort wurde nichts“, wusste Helmut Herreiner weiter zu berichten. So sei Ende der 1950er Jahre der Kur- und Verkehrsverein neu gegründet worden und im Jahr 1976 verzeichnete die Gemeinde immerhin noch fast 9000 Übernachtungen. Auch stand weiterhin auf vielen Postkartenmotiven in dieser Zeit wie in den goldenen Kurbetriebsjahren vor dem Krieg Grüße aus „Bad Bissingen“, obwohl der Ort nie offiziell zum Bad ernannt worden sei.

Durch das schwindende Gastronomie- und Übernachtungsangebot habe sich als Folge im Jahre 1987 der Kur- und Verkehrsverein aufgelöst und die Gemeinde ab diesem Zeitpunkt auf Naherholung gesetzt.

Die Besucher spendeten für diesen im Rahmen der Dillinger Kulturtage gehaltenen Vortrag starken Beifall und Bürgermeister Michael Holzinger dankte Helmut Herreiner für diese überaus interessanten Informationen, die sicherlich noch lange diskutiert werden.

Den musikalischen Rahmen für diesen Heimatabend gestalteten die Chorgemeinschaft Bissingen und der Musikverein Kesseltal mit ihrer gewohnt gekonnten und überzeugenden Musikalität.

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