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Bissingen

23.10.2020

Bissinger Brunnen: Viel Geld, aber wenig Wirkung

Seit Jahren schwelt in Bissingen ein Wasserstreit. Nun hat der Gemeinderat die Gebühren für die kommenden Jahre festgelegt, nicht ohne Widerstand.
Bild: Tobias - stock.adobe.com/Symbol

Plus Eisenschlamm verhindert, dass genügend Tiefenwasser gefördert werden kann. Und die Regenerierung bringt keine Lösung. Das Thema Wasser ist das Thema in Bissingen.

Die Wasserversorgung des Markts Bissingen war am Dienstagabend wieder einmal Thema im Gemeinderat. Genauer gesagt, der Brunnen 2, der im Wasserschutzgebiet nahe dem Ortsteil Kallertshofen liegt und 2014 den ursprünglichen Brunnen abgelöst hat. Doch der bringt, wie Bürgermeister Stephan Herreiner erläuterte, aufgrund von Verockerungen nicht die erwartete Leistung. Er führte aus: „Zwei Regenerierungen wurden durchgeführt, die haben viel Geld gekostet, aber nicht das Ergebnis gebracht, das wir uns gewünscht haben.“ 2017 und 2019 wurde der Brunnen wiederinstandgesetzt.

Rieswasserversorgung muss zukaufen

Aber nach nicht einmal einem Jahr ging die Leistung des Brunnens 2 wieder so weit zurück, wie sie vor der Regenerierung war. Statt 16 konnten nur noch neun Liter Wasser pro Sekunde abgepumpt werden. Somit fehlt unter dem Strich Wasser, das nach der Aufbereitung ins Leitungsnetz eingespeist werden kann, es muss von der Rieswasserversorgung zugekauft werden. Deshalb wollten Bürgermeister Herreiner und die Arbeitsgemeinschaft Wasser wissen, warum das so läuft und wie sie das ändern können.

Zu Hilfe kam ihnen dabei der Geologe Mario Stadler, Geschäftsführer der Envitec GmbH, der die Brunnen der Firma Gropper betreut. Viele Gespräche wurden zwischenzeitlich geführt, auch mit der Firma Gropper und dem Büro PFK, das den Brunnen 2 betreute. Herreiner stellte klar: „Wir sind immer wieder auf den Sachstand gekommen, dass mit dem Brunnen irgendetwas nicht stimmen kann.“ Stadler, der auf die Ergebnisse der regelmäßig erstellten hydrogeologischen Untersuchungen der Firma Gropper zugreifen kann, zeigte sich in der Sitzung zuversichtlich, die Lösung gefunden zu haben. Doch Herreiner bleibt vorsichtig: „Ich hoffe, dass wir auf dem richtigen Weg sind, die Leistungsfähigkeit des Brunnens wiederherstellen und den großen Kostenfaktor Regenerierung ausschalten können.“

Eisen und Mangan bilden sich

Stadler erläuterte: „Im oberen Bereich des Brunnens liegt scheinbar ein Ausbauschaden vor.“ Deshalb könne oberflächennahes, sauerstoffreiches Grundwasser in den Brunnen gelangen. Beim Zusammentreffen mit dem dort zufließenden sauerstofffreien, eisen- und manganhaltigen Grundwasser startet die chemische Reaktion. Eisen und Mangan bilden sich. Der Eisenschlamm blockiert daraufhin sowohl das Einfließen des tieferliegenden Grundwassers in den Brunnen als auch das Abpumpen in die Aufbereitungsanlage, wo eigentlich das Grundwassers aus den zwei unterschiedlichen Schichten zusammengeführt werden soll. Das hat keine Auswirkung auf die Wasserqualität, wie Stadler betont, aber auf die Menge, welche für die Wasserversorgung zur Verfügung steht.

Kein Geld von der Molkerei Gropper

Laut Stadler soll nun der bestehende Brunnen überbohrt und komplett neu errichtet werden, damit keine Verbindung mehr zwischen dem oberflächennahen und dem tieferliegenden Grundwasser besteht. Das kostet rund 100000 Euro. Gestartet werden kann, sobald die wasserrechtliche Genehmigung vom Landratsamt vorliegt. Bis dahin sollen auch die Ausschreibungen abgeschlossen sein, damit die Arbeiten Anfang 2021 beginnen können. Im Winter, wenn weniger Wasser gebraucht wird. Mario Stadler wird die Durchführung begleiten, er verlangt dafür kein Geld von der Gemeinde und von Gropper. Doch er wird alles dokumentieren, damit jeder Schritt nachvollzogen werden kann.

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