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Dillingen

18.03.2019

Bloß keine Blauzungenkrankheit

Das Archivbild zeigt eine Kuh, die von der Blauzungenkrankheit betroffen ist. 2006 breitete sich die Krankheit in Niedersachsen aus. Das soll unbedingt verhindert werden.
Bild: Ralf Roeger, dpa

Auch der Landkreis Dillingen liegt im sogenannten Restriktionsgebiet. Das hat Folgen für Milchviehhalter, Schafzüchter, Ärzte und die Tiere. Eine Impfung würde helfen, doch so einfach ist das nicht

270 Tiere waren beim Nutzkälbermarkt in Wertingen vergangene Woche dabei. Allen Kälbern war zuvor Blut abgenommen worden. Denn auch der Landkreis Dillingen liegt im „Blauzungen-Sperrgebiet“ – innerhalb eines 150 Kilometer großen Radius’ um einen Stall in Baden-Württemberg herum. Dort im Kreis Calw ist bei einem Tier der Erreger für die Blauzungenkrankheit im Blut gefunden worden. Seitdem wurden immer Landkreise drumherum, auch Dillingen, zum Restriktionsgebiet. 25 bis 75 Prozent der Kälber verlassen Schwaben, je nach Bedarf. Was die Sperrzone verlässt, muss negativ auf die Krankheit getestet worden sein. Georg Veh, Geschäftsführer beim Zuchtverband für das Schwäbische Fleckvieh mit Sitz in Wertingen, erklärt, dass die Blutuntersuchungen so lange relevant sind, wie es noch Gebiete gibt, die keine Sperrzone sind. Denn innerhalb des Restriktionsgebietes ist die Blutuntersuchung gar nicht erforderlich. „Doch durch den Aufwand, den wir betreiben, sind die Tiere frei handelbar, können außerhalb des Sperrgebiets und in andere EU-Länder exportiert werden.“ Innerhalb des Sperrgebietes könnte man gar nicht alle Kälber absetzen. Für seine Mitglieder übernimmt der Verband den Transport und die Kosten für die Blutuntersuchungen in einem Labor in Oberschleißheim, dennoch dauert es immer eine Woche, bis das Ergebnis da ist.

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Tierärzte haben hohes Pensum im Landkreis Dillingen

Deswegen sind die Tierärzte im Landkreis Dillingen gerade viel unterwegs. Sechs, sieben Stunden mehr pro Woche als sonst, schätzt Dr. Matthias Dippon aus Dillingen. Er nimmt nicht nur das Blut der Tiere ab, die Praxis schickt die Proben auch weiter zum Labor. Der Aufwand ist groß, dabei wird das Virus Rindern selten gefährlich. „Es tötet die Rinder nicht, sondern verbreitet sich über die Mücken immer weiter. Man sieht es den großen Tieren oft gar nicht an, ob sie den Erreger in sich tragen. Deswegen ist es so schwierig, die Seuche zu bekämpfen“, erklärt der Tierarzt. Innerhalb des Sperrgebietes müsse jede Tierbewegung an das Veterinäramt gemeldet werden.

Einem macht die Blauzungenkrankheit richtig Angst: Georg Urban, Schafzüchter aus Unterbechingen. Denn für seine Tiere kann die Blauzungenkrankheit tödlich sein. Bei Schafen betrage die Verlustrate rund 20 Prozent, sagt der Landwirt. Seinen sechs Zuchtböcken, die er zuletzt verkauft hatte, wurde nicht nur Blut abgenommen, sie bekamen auch noch ein Mittel aufs Fell zur Vorsorge. Das soll die kleine Mücke, die das Virus überträgt, abschrecken. „Das ist eine schnelle Lösung, aber eine Garantie gibt es nicht“, meint Urban. Sechs Euro kostet die Blutabnahme pro Tier, die Laboruntersuchung gibt es für 45 Euro für zehn Proben. 80 Mutterschafe, drei Zuchtböcke und insgesamt 50 Junglämmer und Lämmer gehören zu seinem Betrieb. Urban erinnert sich an einen Ausbruch der Blauzungenkrankheit vor ein paar Jahren. Damals habe sie in Schafherden in Hessen regelrecht gewütet. Dr. Sabine Steinmeyer vom Dillinger Veterinäramt empfiehlt den Landwirten, ihre Tiere zu impfen. Eine Pflicht dafür gibt es nicht. Bei einer 80-prozentigen Impfdecke hätte es das Virus sehr schwer, sich weiter auszubreiten. Doch das Impfen ist nicht unumstritten. Christian Weber von der Erzeugergemeinschaft in Wertingen, zuständig für die Nutztiervermarktung, weiß das. „Es gibt überall Skeptiker, die Meinung ist geteilt.“

Bloß keine Blauzungenkrankheit

Die meisten Kühe gehen nach Norddeutschland

Im Schnitt würden 80 Prozent der Kälber die Region verlassen. „Aus ganz Bayern werden pro Woche 3000 bis 4000 Kälber nach Norddeutschland exportiert, wo die großen Mastanlagen sind. Wir haben hier vor allem Milchvieh.“ Auf die Preise habe sich die Sperrzone bislang nicht ausgewirkt. Und Kühe würden kaum vermarktet. Wenn die innerhalb der Sperrzone zum Schlachthof kommen, reiche ein Formular vom Veterinäramt. Weber ist aber vor allem eines wichtig: „Es gibt keinen Ausbruch der Krankheit, man hat nur einen Erreger gefunden.“ Doch um die Verbreitung zu vermeiden, werde auch dieser Fall gehandelt wie eine Seuche. Michael Eberle, Milchviehzüchter aus Mörslingen, würde seine Tiere, insgesamt 200 Stück, gerne impfen. Seiner Meinung nach gibt es dazu gar keine Alternative. Nur, den nötigen Stoff gibt es nicht.

Vor neun Jahren, so erinnert sich Tierarzt Dippon, sei sehr viel geimpft worden. Da geimpfte Kühe über die Milch die Antikörper an die Kälber weitergeben, waren binnen ein, zwei Jahren nahezu alle Tiere geschützt. Danach aber habe es wenig Anregung in Bayern zum Impfen gegeben und die Pharmaunternehmen hätten ihre Medikamente aufgrund des Verfalldatums wegschmeißen müssen. Daraufhin sei die Produktion gedrosselt worden. Jetzt, als die Nachfrage rasant angestiegen war, sei der Impfstoff sofort ausverkauft gewesen. „Es kann sechs bis sieben Monate dauern, bis ein neuer Impfstoff zur Verfügung steht“, sagt der Tierarzt. Dann müsse jedes Tier binnen vier Wochen zweimal geimpft werden – der Arbeitsaufwand würde rasant ansteigen. Auch Kühe, die älter als zehn Monate sind, würden geimpft. Die Sperrzone könnte noch sehr lange aufrechterhalten bleiben. Dr. Dippon tippt auf zwei, drei Jahre.

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