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Landkreis Dillingen

17.11.2018

Braucht es noch Tafel und Kreide?

Touch statt Kreide: Unsere Schulen im Landkreis Dillingen werden immer digitaler.
Bild: Weizenegger (Symbolfoto)

Online-Elternportal, Dashboard und WLAN: So digital sind unsere Schulen im Landkreis Dillingen.

Das waren noch Zeiten, in denen die Lehrer mühsam Folien vorbereiten mussten, um sie dann über einen XXL-Projektor an der Wand zu zeigen. Und den klassischen Tafeldienst, bei dem Schüler alle Kreiden sortieren und die Tafel sauber wischen müssen, den gibt es auch nicht mehr – oder doch? Wie digital sind unsere Schulen? Wie wichtig sind Laptop und Smartphone im Schulalltag? Helmut Herreiner, Schulleiter der Grund- und Mittelschule in Höchstädt, sagt, dass die Digitalisierung seine Schule in hohem Maße betreffe. Analoges Lernen werde durch digitale Mediennutzung ergänzt und optimiert. In Höchstädt und in allen anderen Schulen gibt es dafür extra ein Medienkonzept beziehungsweise ein Mediencurriculum, das sich durch alle Jahrgangsstufen zieht. Zudem gibt es Fortbildungspläne für die Lehrkräfte und Bedarfsanalysen. Mittlerweile haben die meisten, wenn auch noch nicht alle Klassenzimmer in Höchstädt, demnach Internetzugang. „Allerdings gibt es wie an vielen anderen Schulstandorten Nachholbedarf, der sicherlich erst im Zuge der bevorstehenden Schulsanierungsmaßnahme behoben sein wird“, so Herreiner.

Im Zuge des Digitalpakts II der Bayerischen Staatsregierung sollen die restlichen Räume der Grund- und Mittelschule noch mit Dokumentenkameras und Beamern ausgestattet werden. Die klassische Kreidetafel werde trotzdem nicht ganz verschwunden sein, allerdings nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Heute sind es Smartphones und Notebooks, für die, so Herreiner, sinnvolle Einsatzmöglichkeiten in der Schule geboten sind. Von modernen Leselernkonzepten in der Grundschule bis hin zu Internetrecherche. „Trotzdem werden digitale Pausen künftig vielleicht notwendiger denn je. Es wird in der Schule darum gehen, die digitalen Medien in vernünftigem Maße einzusetzen und deren Mehrwert zu nutzen“, sagt Helmut Herreiner.

Whiteboards und interaktive Kurzdistanzbeamer

Hans Lautenbacher, Schulleiter am Albertus-Gymnasium in Lauingen, unterstreicht Herreiners Meinung und ergänzt: „Die Digitalisierung ist keine Angelegenheit der letzten Jahre, sie reicht zurück in eine Zeit, in der die ersten Computer in den schulischen Unterrichts- und Verwaltungsalltag Einzug gehalten haben“ Seitdem wurde auf regelmäßige Modernisierung und Anpassung an die Standards der jeweiligen Zeit geachtet. Seit 2014 habe man bewusst am Albertus in neue Medien, moderne Ausstattung und zeitgemäße Kommunikation investiert. Die gesamte Schule ist kabelgebunden vernetzt, es gibt ein digitales Schwarzes Brett, eine Smartphone-App, Info- und Elternportale, alle Fachräume sind mit fest installierter Computer-Technik, und der größte Teil der Klassenzimmer wurde mit Whiteboards und interaktiven Kurzdistanzbeamern, Dokumentenkameras und Aktivlautsprechern ausgestattet. Internetplattformen wie „mebis“ oder „Kahoo“ stehen zur Verfügung und werden genutzt.

Lautenbacher: „Im Mathematikunterricht wird ein Klassensatz Tablets eingesetzt, eine Ausdehnung auf andere Fächer wird diskutiert. Eine WLAN-Ausleuchtung wurde vorgenommen, die Installation wird vorbereitet.“ Trotzdem betont der Schulleiter, dass Tafel und Kreide nicht aussterben. „Grüne Kreidetafeln sind in allen Unterrichtsräumen nach wie vor vorhanden, sie werden aus didaktischen und lernpsychologischen Gründen regelmäßig eingesetzt“, so der Lauinger Schulleiter. Deshalb setze ein gelingender Unterricht auch auf eine ausgewogene Mischung von Arbeits- und Sozialformen.

Alle Räume sind vernetzt

Franz Haider, Schulleiter der St.-Bonaventura-Fachoberschule in Dillingen, sieht das ähnlich und sagt: „Digitale Medien werden für den Unterricht genutzt, nicht für Privatzwecke.“ Die Vermittlung von Eigenverantwortung der Schüler spiele dabei eine große Rolle. Dann würden auch alle pädagogisch sinnvoll und effektiv einsetzbaren digitalen Medien verwendet werden dürfen. Schüler und Lehrer nutzten Laptop und Co. an der FOS.

Seine Schule sei zeitgemäß digital: Einsatz moderner Hard- und Software; Glasfaserkabel als Grundlage für stabile, schnelle Datenleitung; WLAN in allen Gebäuden; alle Räume sind vernetzt, mit Beamer, Dokumentenkamera versehen; Laptops fest installiert und mobil einsetzbar; personalisierte E-Mail-Adresse für Lehrkräfte und Schüler zur direkten Kommunikation; Windows Office 365 mit entsprechenden Anwendungen: Lernplattform, Materialaustausch, Cloud-Lösung zum Abspeichern und Bearbeiten in Schule und zu Hause; digitales hausinternes Infoportal; Haider: „Zentrum des Unterrichts bleibt aber die Lehrkraft. Deshalb bleibt auch die klassische Kreide weiterhin ein wichtiges, da flexibles, individuelles und störungsfreies Medium.“

Das Ziel: Keine technischen Hindernisse beim Einsatz digitaler Medien

Frank Rehli, Schulleiter der Anton-Rauch-Realschule in Wertingen, sagt, dass auch in seiner Einrichtung schon seit Jahren unter anderem interaktive Boards und Dokumentenkameras zur Ausstattung zählen. In den Räumen steht Internetanschluss zur Verfügung, allerdings aktuell noch nicht kabellos. „Unser Ziel ist es, dass viele Lehrkräfte den Einsatz digitaler Medien, wenn er für sinnvoll erachtet wird, als problemlos und mit wenig Hindernissen und Aufwand verknüpft erleben. Deshalb wünschen wir uns eine möglichst einheitliche und leicht bedienbare sowie ausfallsichere, zeitgemäße Ausstattung in allen Klassenzimmern und Fachräumen“, sagt Rehli. So soll ab nächstes Jahr, nach intensiver Bedarfsanalyse, das Angebot ausgebaut werden.

„Wir benötigen beispielsweise einen neuen Server, der das pädagogische Netzwerk verwaltet. Des Weiteren brauchen wir Glasfaseranschluss, aber auch hier gibt es Vorbereitungen des Landkreises in Absprache mit der Stadt Wertingen, da dieses Problem ja mehrere Schulen betrifft“, erklärt der Schulleiter. Verfügbares WLAN und eine bessere Rechnerversorgung sowie verstärkte Möglichkeiten für interaktiven Rechnereinsatz der Schüler in den Klassenzimmern seien die weiteren Schritte.

Und Schulleiter Frank Rehli glaubt, dass es möglich sei, die klassische Tafel durch technische und andere Systeme zu ersetzen. „Meiner persönlichen Meinung nach ist der regelmäßige Umgang mit modernen Medien ein wichtiger Baustein des Privat- und Berufslebens. Wenn die Geräte allerdings nicht mehr als Werkzeuge genutzt werden, sondern Auswirkungen auf normales Sozialverhalten haben oder gar Suchtverhalten auslösen, ist Vorsicht geboten.“

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