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Finningen

05.07.2018

Brot wächst nicht im Supermarkt

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„Sommer.Erlebnis.Bauernhof“ ist das Sommerprojekt des „Erlebnis Bauernhof“ – ein Programm, erarbeitet von Kultus- und Landwirtschaftsministerium. So soll Kindern die Landwirtschaft und die Herkunft ihrer Lebensmittel vermittelt werden. Von links: Ottmar Hurler, Kerstin Kranzfelder, Cornelia Stadlmayr, Monika Simper, Helmut Herreiner, Wilhelm Martin. Vorne: Michael und Maria-Theresia Kais.
Bild: Jonas Voss

Die Klasse 2a der Grundschule Höchstädt erfährt in der Brunnenmühle Finningen mehr über unsere Lebensmittel. „Sommer.Erlebnis.Bauernhof“ heißt das Projekt.

Es stampft und ächzt und rattert und qietscht im Inneren des hellblauen Häuschens, in das Orchester der Maschinen mischen sich Kinderstimmen. Innen scharen sich die Schüler der 2 a der Grundschule Höchstädt um einen Mühlstein, abwechselnd mahlen die Kinder Weizen und Roggen. An einem Tisch dreht Alexander eine etwa 40 Zentimeter hohe Schrotmühle, stetig füllt er in den Trichter Getreide nach. Kein Mehlstaub ist auf der Zunge zu schmecken. Die großen Stahlbehälter im zweiten Stock, die klobigen Walzenstühle, der Schrotgang, die dunklen Lederriemen die sich vom Erdgeschoss bis unter das Dach spannen und über Rollen die Maschinen antreiben, sie alle sind sauber. „Wir mahlen nicht mehr“, sagt Michael Keis. „Die Mühle dient heute zur Schau für die Kinder.“

Zusammen mit seiner Frau Maria-Theresia betreibt Keis die Brunnenmühle Finningen, wie sich der Bauernhof der Familie nennt. Der Hof ist einer von acht zertifizierten Erlebnis-Bauernhöfen im Landkreis; die gibt es seit 2012. Bisher haben rund 1600 Schüler daran teilgenommen, sagt Schulamtsdirektor Wilhelm Martin. „Sommer.Erlebnis.Bauernhof“ ist im Zusammenspiel von Kultus- und Landwirtschaftsministerium entstanden und das Sommerprogramm des „Erlebnis Bauernhof“. Schüler von Grund- und Förderschulen erhalten einen Einblick in die Landwirtschaft. Der Bauernhof der Familie Keis hat die Tierhaltung vor etwa vier Jahren aufgegeben und betreibt nun nur noch Ackerbau. „Wir säen Winterweizen, Dinkel und Emmer“, erzählt Michael Keis. Emmer sei das älteste noch angebaute Getreide der Welt. Während auf der anderen Seite des Hofs ein Windrädchen vor sich hin schwingt und das Mühlenhaus noch ruht, klettern im Inneren des Stadels die Schüler über Heuballen und auf einen ausrangierten Getreidewagen. Ihre Klassenlehrerin, Monika Simper, macht ein paar Fotos. Sie sei schon öfter mit ihren Schülern auf einem solchen Projekttag gewesen. „Wir sprechen danach darüber und bereiten den Tag schulisch auf.“ Kerstin Kranzfelder vom Landwirtschaftsamt Wertingen organisiert das Projekt seit 2016. Das Feedback von Lehrern und Schulen sei sehr gut, sagt Kranzfelder. Alle wollten im nächsten Jahr wieder dabei sein. „In dem Projekt geht es vor allem darum, die Natur mit allen Sinnen zu erleben“, sagt sie. Neue Schulen seien jedoch immer willkommen. Die Höchstädter Grundschule sei regelmäßig dabei, sagt Schulleiter Helmut Herreiner. „Die Teilnahme der Schule hat schon Tradition“, wirft Ottmar Hurler vom Landwirtschaftsamt lachend ein.

Die Kinder werden in zwei Gruppen eingeteilt, beide dürfen an diesem Tag Semmeln backen, Korn mahlen, Getreidesaat einpflanzen und mit einem Traktor-Anhänger auf’s Feld hinaus. „Wir nehmen das zweite Mal an der Projektwoche teil“, sagt Maria-Theresia Keis. Im Hintergrund waschen sich die Kinder ihre Hände und binden Schürzen um. Weizen-, Hefe-, und Vollkornteig warten darauf, von kleinen Händen bearbeitet zu werden. Geschickt kneten und pressen die Schüler den Teig, geben Mehl hinzu und walken ihn mit dem Nudelholz. „Ich backe heute zum zweiten Mal“, erzählt Jacob Hafner. Die Semmeln werden nun mit Sonnenblumen- und Kürbiskernen, mit Mohn oder Sesam bestreut und kommen in den 280 Grad heißen Steinbackofen. „Der Tag ist super“, ruft Jonas Gaya, während die Ofentür zugehauen wird. Ein vielstimmiges „Ja!“ der Kinder bestätigt Jonas.

Kein Kind hat an diesem Tag Berührungsängste. Konzentriert arbeiten sie an den Stationen. Sie wollen erfahren, wie ihr Essen auf den Tisch kommt.

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