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Gundelfingen

24.06.2019

Bub stirbt nach Unfall vor Kinderheim: "Niemand hat Schuld"

Tödlicher Unfall in Gundelfingen: Ein kleiner Bub wurde auf einem Parkplatz überfahren.
Bild: Karl Aumiller

Plus Nach dem tödlichen Unfall auf dem Parkplatz eines Kinderheims Gundelfingen, bei dem ein einjähriger Bub starb, ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Seit gut 22 Jahren leitet Schwester Maria Elisabeth Marschalek das Gundelfinger Kinderheim. Doch so ein fürchterliches Drama wie am vergangenen Samstag hat sie noch nie erlebt: Eine Kollegin kommt mit dem Wagen vom Einkaufen zurück. In Schrittgeschwindigkeit biegt sie auf den Parkplatz ein. Sie sieht eine Frau, die aufgeregt ruft und winkt. Doch den kleinen Buben, der direkt vor ihrem Auto sitzt, den sieht sie nicht. Der Wagen überrollt den 13 Monate alten Buben. Einen Tag später erliegt er in der Augsburger Uniklinik seinen schweren Verletzungen.

Schwester Maria Elisabeth schildert den Fall am Montagnachmittag, doch es fällt ihr sichtlich schwer.

Ein Jugendlicher des Kinderheims sah den Unfall mit als Erster und setzte geistesgegenwärtig einen Notruf ab. Krankenwagen, Polizei, Notfallseelsorger und ein Rettungshubschrauber kamen. Schwester Maria Elisabeth ist allen sehr dankbar, dass und wie sie geholfen haben und den Betroffenen, den Kindern, Jugendlichen und Mitarbeitern auch weiter zur Seite stehen. Trotz aller Aufregung strahlten die Einsatzkräfte am Samstag eine besonnene Ruhe aus. „Es war eine fast unheimliche Stille auf dem Platz.“

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Der Parkplatz sei für kleine Kinder tabu

Der Leiterin des Kinderheimes ist vor allem eines wichtig: „Niemand hat Schuld.“ Der Bub und seine Mutter waren vor einigen Monaten aus der Not heraus ins Kinderheim gezogen. Die Mutter hatte noch versucht, die ahnungslose Autofahrerin zu warnen, konnte aber selbst nicht direkt eingreifen. Die Autofahrerin habe zwar die Rufe gehört, aber nicht verstanden. Die Kollegin habe noch nie einen Unfall gehabt, sich nie etwas zuschulden kommen lassen.

Der Parkplatz sei für kleine Kinder tabu, selbst die großen dürften dort nicht Rad fahren, betont Schwester Maria Elisabeth. Eine rote Linie markiere die Grenze. Der Parkplatz sei auch die Zufahrt für Lieferanten, Handwerker oder Gäste und deswegen für Kinder streng verboten. Wie brüchig doch das Leben sein könne, sagt die Schwester nachdenklich, wie alles binnen Sekunden auf den Kopf gestellt werde.

„Wir haben hier so viele kleine Kinder. Ich habe nie Angst gehabt. Wir haben hier einen geschützten Rahmen und fühlen uns geschützt. Wie wertvoll das ist, merkt man jetzt erst. Aber da wollen wir alle, die Kinder, die Mitarbeiter und ich, wieder hin.“ Schwester Maria Elisabeth wünscht sich, dass sich das Kinderheim weiter traue, zu helfen. „Ich spüre, dass ich getragen werde, von meinen Mitschwestern, von ganz vielen Bürgern.“ Sie bittet darum, dass auch die Eltern des Kindes und deren Freunde in die Gedanken und Gebete miteingeschlossen werden. Sie hofft, dass die Eltern nach dem Schock wieder ihren Weg finden und diesen weitergehen können.

Nach Unfall vor Kinderheim: Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt

Es sei ihr immer klar gewesen, sagt die Leiterin, etwas Gutes ist ein Geschenk. Aber dieser Vorfall am Samstag, sei ein „Eishauch des Lebens“ gewesen. Doch wenn es helfe, innezuhalten, zu sehen, wo man selbst steht, und gute Gedanken an die Betroffenen zu senden – dann sollte es auch gut sein. „Dann sollten wir alle wieder versuchen, weiterzumachen.“

Die Staatsanwaltschaft Augsburg teilte am Montag auf Nachfrage mit, dass Ermittlungen wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung aufgenommen wurden. Laut Sprecher der Staatsanwaltschaft sei bei einem nicht natürlichen Tod in jedem Fall zu klären, ob jemand die Verantwortung trägt. Eine Obduktion werde nicht durchgeführt. Das Geschehene könne auch ohne ein rechtsmedizinisches Gutachten ausreichend nachvollzogen werden, erklärte der Sprecher.

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Die Diskussion ist geschlossen.

25.06.2019

Es ist doch wohl eher so, wenn der Autofahrer ein 20 jähriger gewesen wäre dann gebe es die Diskussion nicht. Der Fahrer wäre von allen verurteilt worden, aber eine Ordensschwester !
Autofahrer bleibt Autofahrer.

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25.06.2019

Was soll diese Schuld-Diskussion?!? Es gibt im Leben immer wieder Momente, wo alle Beteiligten das Beste tun, ein Unglück zu verhindern und dennoch passiert es.
Mir ist bekannt, dass in den Letzten Jahren die Suche nach einem Schuldigen immer mehr zunimmt - deutlichstes Zeichen dafür ist das Hebammen-Sterben, da deren Prämien für die Haftpflichtversicherung in Schwindelerregende Höhen gestiegen sind, da viele Eltern nicht hinnehmen können, dass manchmal einfach nicht alles so läuft, wie es sollte. Das ist das Leben!!! Das Leben lässt sich nicht planen! Natur ist nicht berechenbar - nicht für unsere beschränkte Intelligenz.
Was aber auf gar keinen Fall passieren darf, sind, dass Leute, die nicht wissen, was genau passiert ist, (und davon gehe ich von Herbert L. aus!) aufstehen und auf irgendjemanden zeigen, mit eingängigen, populistischen Äußerungen jemandem die Schuld zuweisen.
Das Netz ist voll von solchen, die die laute Rede über das sinnvolle Nachdenken stellen.
In unserem Land gilt -leider nicht mehr bei den vielen, die statt zu denken, einfach nur schreien und auf andere zeigen- dass jeder unschuldig ist, bis seine Schuld bewiesen wurde!
Bitte, Leute, geht respektvoll miteinander um!

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25.06.2019

@ Astrid S. und Herbert L.
Zum einen ist laut dem Artikel die Fahrerin im Schritttempo gefahren - soll sie das Auto schieben? Zum Zweiten ist laut der Heimleitung der Parkplatz durch Kennzeichnung für Kinder gesperrt und somit sollte sich auch kein Kind hier aufhalten. Wie kommen Sie darauf, dass die Fahrerin das rufen und winken auf sich beziehen musste, noch dazu dies nicht einmal verstanden wurde.
Und dass niemand schuld ist - das kann ich so oder so interpretieren Frau S. Wenn man den Artikel verfolgt war das Kind unter der Aufsicht der Mutter. Somit müsste ich in erster Linie dieser die Schuld zuweisen. Wenn das von der Heimleitung unterlassen wurde, kann ich das sehr gut nachvollziehen. Die Eltern, im besonderen die Mutter, sind durch den Verlust des Kindes hinreichend gestraft. Da müssen dann nicht Aussenstehende in der Wunde rumbohren. Man kann den Eltern nur wünschen, dass sie den Tod einigermaßen gut verarbeiten können - der Schmerz und die Leere in deren Leben wird nie ganz aufhören. Lassen sie die Angehörigen trauern und hoffen dass sie in ferner Zukunft mit Liebe an ihr Kind denken und sich an die schönen Momente erinnern und erfreuen.

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25.06.2019

Die Stellungnahme der Heimleiterin regt mich richtig auf. „ Niemand ist schuld “
Ist etwa das 1jährige Kleinkind selber schuld, wenn es auf einen Parkplatz läuft ?
Gibt es für keinen der beteiligten Erwachsen eine Aufsichtspflicht ? Ist man vom Gebot der besonderen Sorgfalt vor einem Kinderheim nur deshalb befreit, weil ja schon jahrelang nichts passiert ist ?
Es ist sicher tragisch für alle Betroffenen, aber ein Kleinkind mit Worten so allein zu lassen , das ist schon schwer zu ertragen.
Astrid S.

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25.06.2019

Warum ist niemand schuld ?
Schuld ist doch wohl ganz klar die Autofahrerin. Wenn ich Auto fahre muss ich doch schauen wohin und worüber ich fahre, wenn ich dann noch durch rufen und winken gewarnt werde und trotzdem einfach weiterfahre dann ist das nur noch Gedanken-und rücksichtslos.
Für mich ist das mindestens grob fahrlässig, und gehört dementsprechend bestraft.

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25.06.2019

und was ist mit der mutter ? hat die keine schuld ?? wer lässt ein absolutes Kleinkind schon auf einem Parkplatz krabbeln (edit/mod)

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