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Hermaringen

09.11.2019

Bundespräsident Steinmeier ehrt Hitler-Attentäter Georg Elser

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach anlässlich der Eröffnung eines Denkmals für Georg Elser in Hermaringen, dem Geburtsort des Widerstandskämpfers. Elser hatte am 8. November 1939 ein Bombenattentat gegen Hitler ausgeführt, das knapp scheiterte. In Königsbronn, ebenfalls Landkreis Heidenheim, legte Steinmeier vor der Georg-Elser-Gedenkstätte einen Kranz nieder.

80 Jahre nach dem Hitler-Attentat erhält der NS-Widerstandskämpfer ein Denkmal in seinem Geburtsort Hermaringen. Der Bundespräsident nennt Elser einen Großen in der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Achtzig Jahre nach seinem missglückten Hitler-Attentat wurde Georg Elser von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier jetzt in Hermaringen (Landkreis Heidenheim) als „außerordentlich mutiger Mensch“ geehrt. Zugleich wurde auf dem Rathausvorplatz in seinem Geburtsort ein Denkmal zur Erinnerung an Elser eingeweiht. „Wir haben lange Zeit gebraucht, den Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu würdigen, und noch einmal so lange, um einen der herausragenden Widerstandskämpfer, Georg Elser, zu entdecken, seine Haltung zu würdigen und ihn zu ehren“, so der Bundespräsident. Steinmeier spürte der Frage nach, warum Elser so lange keinen Platz in den Geschichtsbüchern gefunden habe, aber auch, warum Elser sah, was andere nicht sehen konnten oder wollten. „Der Einzelne, der klüger ist, sich verweigert und entzieht, fasziniert uns, er beschämt uns auch – wie im Fall Georg Elsers“, so Steinmeier. Elser habe genau hingesehen und nicht nur wahrgenommen, was sich ereignete, sondern auch, was sich vorbereitete. Es sei ein Unglück gewesen, dass sein Plan, Hitler und die gesamte Spitze des Naziregimes aufzuhalten, gescheitert ist.

Die Erinnerung an Georg Elser sei lange kleingehalten worden

Viele Unwahrheiten seien Elser angedichtet worden, und auch die moralische Legitimation seiner Tat sei mit Verweis auf die acht Opfer des Anschlages immer wieder infrage gestellt worden. Auch unter den Mitgliedern des Widerstandes gegen das Naziregime habe es darüber durchaus Auseinandersetzungen gegeben, erläuterte Steinmeier. Dietrich Bonhoeffer sei einer derjenigen gewesen, der zu den Attentatsplänen stand, weil es aus dem moralischen Dilemma dieser Situation kein Entrinnen gegeben habe. „Wer handelte, machte sich einer Gewalttat schuldig. Doch wer nicht handelte, ließ dem Verbrechen seinen Lauf und blieb deshalb nicht ohne Schuld“, so Steinmeier.

Georg Elser

Georg Elser sei in der Geschichte des 20. Jahrhunderts ein Großer, an den die Erinnerung viel zu lange kleingehalten worden sei. Deutschland sei Georg Elser Anerkennung, Respekt und Dank schuldig.

Auch Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl erinnerte in seiner Rede an die Stärke, mit der sich Elser in einem Klima der Einschüchterung seinem Gewissen gestellt habe. Die Würdigung seines Widerstandes könne deshalb nicht hoch genug ausfallen. Freiheit, Frieden und Demokratie seien auch heute keine Selbstverständlichkeit in unserer Welt, so Strobl. Es bleibe zu hoffen, dass es nie mehr erforderlich sein werde Widerstand zu zeigen gegen Angriffe gegen unseren freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaat. „Doch bleiben wir wachsam“, forderte Strobl.

Künstlerin Nina Seliger, die das Elser-Denkmal als Studentin an der Hochschule für Gestaltung in Ulm entworfen hatte, wünschte sich, dass ihr Werk an die mutige Tat Georg Elsers erinnern solle. Die Aussage des Denkmals sei aber auch auf die heutige Zeit übertragbar. Manchmal sei es nötig, sich aus der Masse zu lösen und eigene Wege zu gehen. Sie hoffe, dass ihr Werk Menschen dazu inspiriere, mit Mut und Willen etwas zu erreichen – für sich selbst und andere.

Die Umsetzung des Denkmals sei engagierten Bürgern zu verdanken

Mit seiner Anwesenheit verleihe der Bundespräsident der Einweihung des Elser-Denkmales eine ganz besondere Bedeutung, betonte Hermaringens Bürgermeister Jürgen Mailänder. Er erinnerte daran, dass die Umsetzung des Denkmals engagierten Bürgern zu verdanken sei, die sich in einer Projektgruppe zusammengefunden hätten. Die Mitglieder seien sich einig darin gewesen, junge Menschen mit ins Boot zu holen. Das Denkmal solle nicht nur an Elser erinnern, sondern zugleich junge Menschen dafür sensibilisieren, sich nicht von Unwahrheiten vereinnahmen zu lassen, sondern kritisch zu hinterfragen und Zivilcourage zu zeigen. So sei es zur Zusammenarbeit mit der Hochschule für Kommunikation und Gestaltung in Ulm und mit dem Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft Baden-Württemberg in Aalen gekommen. Das Ergebnis dieses bürgerschaftlichen Prozesses könne sich sehen lassen, so Mailänder. Er bedankte sich bei allen Mitwirkenden für ihr Engagement und bei allen Unterstützern, die für das Denkmal gespendet haben.

Im Anschluss trugen sich Bundespräsident Steinmeier und Minister Strobl ins Goldene Buch der Gemeinde Hermaringen ein. Und auch wenn der Zeitrahmen eng gesteckt war, zu einem kleinen Austausch mit den Mitgliedern der Projektgruppe, den Studenten der Ulmer Hochschule und den Auszubildenden der Bau-Innung nahm sich der Bundespräsident anschließend noch im Sitzungssaal des Rathauses etwas Zeit, ehe es weiter zum nächsten Termin, der Elser-Gedenkstätte in Königsbronn, ging.

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