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Landkreis Dillingen

26.05.2019

CSU bleibt vorne, Grüne verdoppeln fast Ergebnis

Die Helfer im Feuerwehrgerätehaus in Dillingen kurz nach 18 Uhr beim Auszählen der Stimmen. Im Vergleich zu anderen Wahlen ist die Auszählung bei der Europawahl relativ einfach. Zwar standen auf dem Wahlzettel in diesem Jahr 40 Parteien und er war damit knapp einen Meter lang – doch jeder Wahlberechtigte konnte nur ein Kreuz setzen.
Bild: Jakob Stadler

Und die Sozialdemokraten stürzen bei der Europawahl auch im Landkreis Dillingen dramatisch ab. Die AfD legt zu, liegt aber unter ihrem Bundestagswahl-Resultat.

Die CSU hat bei der Europawahl am Sonntag im Landkreis Dillingen klar ihre Position als Nummer eins behauptet. Gegenüber dem Urnengang vor fünf Jahren mussten die Christsozialen zwar leichte Einbußen hinnehmen, sie kamen aber in der Region auf 46,0 Prozent und hatten damit in allen 27 Landkreis-Kommunen die Mehrheit. Großer Gewinner waren die Grünen. Sie erhielten im Landkreis 13,5 Prozent und konnten damit ihr Resultat der Europawahl 2014 um fast sechs Prozentpunkte steigern. Einen dramatischen Absturz erlebten dagegen wie in ganz Bayern die Sozialdemokraten. Lediglich 7,2 Prozent der Wähler stimmten für die SPD, die ihr Ergebnis halbiert hat und nur noch fünftstärkste Kraft im Landkreis ist.

Schrell: Wähler haben erkannt, wie wichtig Europa ist

Rang drei nahm bei der Europawahl die rechtspopulistische Alternative für Deutschland ein. Die AfD legte gegenüber der Europawahl 2014 deutlich zu und kam auf 11,2 Prozent. Verglichen mit dem Ergebnis der Bundestagswahl 2017 (16,6 Prozent) hat die europakritische Partei dabei aber im Landkreis Stimmenanteile verloren. Leicht zulegen konnten die Freien Wähler mit 8,1 Prozent. Keine große Rolle spielten dagegen die Liberalen, die FDP erhielt 3,1 Prozent. Deutlich angestiegen ist die Wahlbeteiligung im Landkreis Dillingen – von 36,6 auf 54,8 Prozent. Landrat Leo Schrell sagt dazu: „Dies zeigt, dass die Wählerinnen und Wähler erkannt haben, wie wichtig Europa für uns ist – als Garant für Frieden, Freiheit, Wohlstand und soziale Sicherheit.“

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CSU-Kreisvorsitzender Georg Winter sagt ebenfalls: „Womit ich sehr zufrieden bin, ist die Wahlbeteiligung.“ Auch mit dem Wahlergebnis könne die CSU in Bayern und im Landkreis zufrieden sein. Im Vergleich zur Landtagswahl 2018 (36,8 Prozent) habe man sich verbessert. Zwar hat die CSU im Vergleich zur Europawahl 2014 im Kreis leicht verloren, aber noch „im Rahmen“, so Winter. Vor allem, wenn man sich ansehe, wie die CDU bundesweit abgeschnitten und wie stark die SPD verloren hat. Dass der europäische Spitzenkandidat Manfred Weber von der CSU kam, war „ein Glücksfall“. Weil Weber aber als CSUler nur in Bayer auf der Liste stand, nicht aber auf den CDU-Listen, habe die Union nicht so stark wie erhofft profitiert.

Grünen-Kreissprecherin Heidi Teerporten aus Binswangen ist am Sonntagabend glücklich: „Es hat klar die Partei gewonnen, die sich am meisten für Klimaschutz und Menschenrechte einsetzt.“ Dass ein Drittel der unter 30-Jährigen die Grünen gewählt habe, sei ein deutliches Zeichen, dass Klimaschutz alle angeht. Die 53-Jährige hofft, „dass die CSU das auch so versteht und ihren Worten Taten folgen lässt“. Die proeuropäischen Parteien hätten insgesamt gewonnen.

„Europa und EU sind nicht das Gleiche“

Elisabeth Hörr, Kreisvorsitzende der AfD, sagt: „Wenn wir uns anschauen, was in den letzten Wochen gelaufen ist, wie da alle vor uns gewarnt haben, können wir mit dem Ergebnis zufrieden sein.“ Sie stört, dass die Angst verbreitet worden sei, die AfD wäre gegen Europa. „Wir sind für ein Europa der Vaterländer. Wir glauben, dass Europa und die EU nicht das Gleiche sind.“ Auch wenn das Ergebnis der AfD im Kreis geringer als bei der Landtagswahl ausfällt (13 Prozent) sieht sie die Partei „auf einem stabilen Hoch“.

Stephan Stieglauer, Kreisvorsitzender der Freien Wähler ist zufrieden: „Ich denke, dass das ein gutes Ergebnis ist.“ Seine Partei hat im Landkreis hinzugewonnen. Den Erfolg der Grünen wolle man noch genauer analysieren. „Der Klimawandel polarisiert die Leute“, sagt er. Die Grünen würden in diesem Bereich als Akteure wahrgenommen, doch das solle man sich im Detail ansehen. „Da kommt auch von den Freien Wählern einiges, was dem Klimawandel entgegenwirkt.“ Man müsse da die Sachthemen prüfen.

„Ein bitteres Ergebnis für die Sozialdemokraten“

SPD-Kreisvorsitzender Dietmar Bulling zeigte sich sehr enttäuscht. „Das ist ein bitteres Ergebnis für die Sozialdemokraten im Landkreis“, sagte der Lauinger. Vor fünf Jahren habe seine Partei durch den Martin-Schulz-Effekt profitiert und ihr Ergebnis stark verbessert. Der Zeitgeist spreche derzeit gegen die SPD, und für die Grünen und die AfD. „Wir können trotz unserer guten Arbeit in der Kommunalpolitik nicht viel dagegen ausrichten“, bedauerte Bulling. Die SPD werde alles tun, um aus diesem Tief herauszukommen. Ob eine Personaldiskussion hier etwas bringe, könne er nicht sagen. Die Sozialdemokraten hätten „sehr viel für dieses Land getan“. Da könne er nicht verstehen, dass viele AfD wählen, die nichts gebracht habe.

Unterm Strich sieht FDP-Kreisvorsitzender Alois Jäger aus Lauingen das Ergebnis seiner Partei deutschlandweit als gut an, auch wenn man die angestrebte Verdreifachung der Mandate nicht erreichen konnte. Das Landkreisergebnis (3,1 Prozent) bestätige mit dem leichten Anstieg ebenfalls, dass man auf einem guten Weg sei. Die Linken haben im Landkreis nicht gut abgeschnitten (Rückgang von 1,8 auf 1,5 Prozent). „Soziale Gerechtigkeit stand nicht im Vordergrund bei diesen Wahlen“, so Kreisvorsitzender Manfred Seel. Leider sei vielen noch nicht bekannt, dass die Linken auch sehr für den Klima- und Artenschutz kämpften.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Berthold Veh: Europa ist wieder in den Köpfen

Eine Reportage aus den Wahllokalen finden Sie hier: Wahlbeteiligung im Landkreis Dillingen steigt

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