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Birkenried

09.01.2019

Chef vom Kulturgewächshaus: "Ich halte mir Ausstieg offen"

Bernhard Eber lockt mit dem Kulturgewächshaus Birkenried zahlreiche Musiker und Künstler in die Region.
Bild: Andreas Schopf

Bernhard Eber, der Kopf hinter dem Kulturgewächshaus Birkenried, über Gedanken zu seinem Ruhestand, welche Vision er noch verfolgt und bei welchen beiden Projekten er demnächst auf Spenden angewiesen ist

Herr Eber, Sie und das Kulturgewächshaus hatten einige Wochen Pause. Wie ausgelaugt sind Sie nach dem vollen Programm unter dem Jahr?

Bernhard Eber: Ich spüre das schon. Permanent den Betrieb aufrechtzuerhalten und sich um alles zu kümmern, fordert eine Menge Energie. Ich bin deshalb sehr froh über die Pause rund um Weihnachten und Silvester, wo man die Arbeit ein wenig abschütteln kann. In dieser Zeit lebe ich in Berlin, wo ich 40 Jahre gewohnt und gearbeitet habe.

Wenn Sie auf das vergangene Jahr zurückschauen: Was waren die Höhepunkte für Sie?

Eber: Das waren eindeutig die Saisoneröffnung am ersten Mai, die Open-Air-Gottesdienste, Motorrad- und Oldtimerfest und natürlich das Afrikafestival und das Bluegrass-Festival.

Auch sonst gibt es in Birkenried jede Menge Veranstaltungen. Können Sie ungefähr sagen, wie viele es im Jahr insgesamt sind?

Eber: Unser Programm beinhaltet rund 70 Konzerte, Matineen, Festivals und vielfältige Workshops.

Birkenried ist bei Künstlern bekannt und begehrt

Wie kommt eigentlich der Kontakt mit den vielen Künstlern zustande?

Eber: Das Kulturgewächshaus ist in der Musikszene mittlerweile so bekannt und begehrt, dass ich manchmal bis zu fünf Anfragen am Tag bekomme. Die Auswahl ist nicht einfach, man muss letztlich auch preislich und terminlich zusammenkommen. Und, wir haben natürlich einige Platzhirsche, auf die wir nicht verzichten können.

Probleme, Leute nach Birkenried zu bringen, haben Sie also keine?

Eber: Überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich muss aus den Angeboten aussortieren. Manchmal kommen so viele Anfragen, dass ich nicht dazukomme, darauf zu antworten. Das ist zwar unhöflich und ich habe ein schlechtes Gewissen, aber ich schaffe einfach nicht alles.

Was macht in Ihren Augen den Reiz für die Künstler aus, im Kulturgewächshaus aufzutreten?

Eber: Wir gehen sehr korrekt mit den Musikern um und bieten viel Technik, Pressebetreuung und Werbung, was nicht jeder Veranstalter erledigt. Das wird honoriert und spricht sich in der Szene rum. So standen schon vor Wochen 95 Prozent der Veranstaltungen für das neue Jahr fest.

Nach welchen Kriterien wählen Sie eigentlich die Künstler aus?

Eber: Wichtig sind uns Bands, die nicht nur Covermusik, sondern vor allem eigene Musik machen. Sonst ist es wie in einem Tanzlokal, wo eine Band die bekannten Lieder spielt. Das passt nicht zu unserem Konzept. Wir haben sehr viele Singer/Songwriter und Bands aus fast allen Erdteilen mit eigener, sehr unterschiedlicher Musik, sodass immer wieder andere Teile der Bevölkerung angesprochen werden.

Manchmal legt der Chef etwas drauf

Bei wem klappt das noch nicht gut?

Eber: Wir haben Probleme, das jüngere Publikum anzusprechen. Das mag an unserem Musikangebot liegen, oder an der Frage, wie ein Jugendlicher nach Birkenried und zurück nach Hause kommt. Letzteres können wir nicht lösen, wir können keine Buslinie einrichten. Trotzdem müssen wir versuchen, jüngere Leute mit ins Boot zu holen, damit das Publikum für Birkenried nachwächst.

Wie viele Besucher haben Sie denn etwa im Jahr?

Eber: Mit allen Veranstaltungen zusammen kommen wir auf etwa 6000 bis 7000 Gäste.

Reichen die, um sich finanziell über Wasser zu halten?

Eber: Im normalen Betrieb kommen wir halbwegs klar. Manchmal muss ich zwar privat auch noch etwas dazulegen, aber das hält sich in Grenzen. Finanziell schwierig wird es, wenn größere Investitionen für Baumaßnahmen anstehen. Das hatten wir etwa vor zwei Jahren mit der Dachsanierung, die wir nur dank vieler Spender geschafft haben.

Welche Investitionen stehen als Nächstes an?

Eber: Wir haben zwei Projekte, die wir schon seit einiger Zeit vor uns herschieben. Zum einen der Umbau des letzten, fast rohen Gewächshauses in einen Workshopraum, wo wir Flamenco, Yoga oder Esoterisches anbieten möchten. Wir brauchen dazu ein neues Dach mit Lüftungsmöglichkeit, transparente Wände einen Schwingboden und eine verspiegelte Wand. Das zweite Projekt ist ein neues Dach über unserem Fachwerkhäuschen, wo im Sommer immer einer der Künstler aus Simbabwe und unser Getränkelager untergebracht sind. Das bestehende Dach aus Betonziegeln hat leider eine zu geringe Neigung, sodass das Wasser schlecht abläuft. Im Inneren haben wir deshalb Feuchtigkeitsprobleme.

Mit welchen Kosten rechnen Sie?

Eber: Ich schätze, dass wir beim neuen Dach mit 5000 Euro zurechtkommen. Der Umbau zum Workshopraum wird wohl mehr als 10000 Euro kosten. Beides lässt sich aus dem laufenden Betrieb überhaupt nicht finanzieren, da sind wir auf Spenden angewiesen.

Haben Sie noch eine Vision?

Eber: Letztendlich plane ich, mein Gelände mit dem Kulturgewächshaus und den Galerien in eine Stiftung überführen und auf diese Weise alles für die Kultur zu erhalten.

Sie sind 69. Ist die Suche nach einem Nachfolger ein Thema für Sie?

Eber: Ich halte mir meinen Ausstieg offen. Mir ist bewusst, dass ich für spätere Zeiten die Weichen stellen muss, auch mit jemandem, der meinen Job übernehmen kann. Das darf ich nicht vernachlässigen. Einen konkreten Nachfolger habe ich aber noch nicht im Auge. Ich lasse oft Dinge auf mich zukommen und finde dann eine Lösung. Ich hoffe, dass das auch diesmal klappt. Auch das Stiftungsthema muss noch intensiv durchdacht werden.

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