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Landkreis Dillingen

30.06.2020

Corona-Krise? Nicht bei den Fahrradhändlern im Landkreis Dillingen

Fahrradfahren ist beliebt – und war auch während des Lockdowns erlaubt. Jetzt, wo die Geschäfte wieder offen sind, freuen sich die Fahrradhändler im Landkreis Dillingen über eine große Nachfrage. Vor allem E-Bikes sind beliebt. Das Foto entstand beim Radelspaß 2014 im Landkreis Dillingen.
Bild: Karl Aumiller/Archiv

Plus Fahrradfahren liegt auch im Landkreis im Trend. Vor allem E-Bikes sind beliebt – nicht nur bei älteren Kunden. Und wo sind eigentlich die schönsten Strecken?

Die Corona-Krise, vor allem der Lockdown von Mitte März bis Mitte Mai, hat vielen Firmen massiv zugesetzt. Doch eine Branche hat profitiert: „Wir, der Fahrradfachhandel mit Service und Reparaturdienst, zählen sicherlich zu den Gewinnern“, sagt Edgar Brachem vom Dillinger Fahrradgeschäft Top-Bike-Brachem. Denn seitdem der Fahrradverkauf nach rund sechs Wochen im Lockdown wieder aufgenommen werden konnte, geben sich die Kunden bei ihm die Klinke in die Hand. „Wenn wir schon nicht wie gewohnt in Urlaub fahren können, ist ein E-Bike doch eine sehr gute Alternative“ sagen die Kunden zu Brachem.

Gerade im Frühjahr, als die Kontaktsperre den Outdoorsport auf Laufen und Fahrradfahren mit zahlenmäßig vorgeschriebener Obergrenze sehr einschränkte, hatten die Menschen wenig Alternativen, um sich sportlich zu bewegen, meint Brachem. Und so sei zur Freude des Fahrradfachhandels zumindest ein Teil des Urlaubsbudgets in die Anschaffung eines neuen Drahtesels geflossen. Dabei fiel mehr als die Hälfte der Käufe auf E-Bikes. Darüber hinaus sei auch die Nachfrage nach Jugend- und Kinderfahrrädern angestiegen, berichtet der Dillinger Fahrradfachmann.

Fahrräder: Wahnsinnsnachfrage im Landkreis Dillingen

Doch wo es ein lachendes Auge gibt, da gibt es meist auch ein weinendes, meint Stefan Hausmann von der Fahrradwelt Hausmann in Gundelfingen: „Unsere Lieferanten sind so gut wie ausverkauft, sodass wir gezwungen sind, die Kunden zurzeit auf die Monate August/September zu vertrösten.“ Gerade der Markt bei den E-Bikes im Preisniveau zwischen 2700 und 2800 Euro sei durch den Kaufansturm nach dem Lockdown so gut wie leer gefegt, sagt Hausmann. Auch bei hochwertigen Mountainbikes und Trekkingfahrrädern bestehe seit rund sechs Wochen eine Wahnsinnsnachfrage, und bei Kinder- und Jugendrädern habe es ebenso einen Kaufboom gegeben. Was für die Bevölkerung in Zeiten der Coronakrise Fahrradfahren bedeute, sei auch am Aufkommen der Reparaturen festzustellen: Zu normalen Zeiten hätten die Kunden höchstens eine Woche auf ihr repariertes Radl warten müssen, jetzt betragen die Wartezeiten bei Reparaturen zwischen drei bis vier Wochen.

Corona-Krise? Nicht bei den Fahrradhändlern im Landkreis Dillingen

Für Bernhard Hirschbolz vom Zwei-Radstadl in Wertingen sind E-Bikes mit Mittelmotor der absolute Verkaufsschlager. „Andere Fahrräder für Erwachsene werden in unserem Geschäft fast nicht mehr nachgefragt“, berichtet der Wertinger Fahrradfachmann. Die starke Nachfrage hat seiner Meinung nach direkt mit dem Lockdown zu tun. Der sei genau in die Zeit gefallen, wo viele Kunden ihre neuen Zweiräder kaufen. Darunter dann vor allem Jugend- und Kinderfahrräder zu den Festen wie Kommunion und Konfirmation. Doch im Frühjahr hatten auch die Fahrradgeschäfte zu. Jetzt verkauft Hirschbolz zwei- bis dreimal so viele Fahrräder pro Tag wie vor der Pandemie. Doch ob Corona insgesamt die Nachfrage steigere, könne erst zum Ende des Geschäftsjahres beurteilt werden. Den Ansturm auf die Fachgeschäfte und ihre E-Bikes seit der Öffnung nach dem Lockdown könne er nur bestätigen. Und auch er bemerkt die Lieferschwierigkeiten bei seiner Warenversorgung.

Andreas Benitz leitet das Fahrradgeschäft Bike und Tec in Lauingen. Auch dort geht der Trend zu E-Bikes, und dort wiederum zu Trekkingbikes. „Sehr viele junge Leute kaufen sich solche Räder, vollgefedert und mit Motor, das ist eine sehr technische Geschichte“, sagt Benitz. Manche Anschaffung hänge auch mit Leasing-Modellen von Firmen zusammen, die den Kauf fördern. Und durch die steigende Zahl der E-Bikes werden auch mehr Helme verkauft. Der Landkreis biete sehr gute Möglichkeiten für Touren, nicht nur an der Donau entlang. „Ob ins Bachtal, nach Dattenhausen, Bissingen – die Radstrecken sind toll ausgebaut.“ Seine Kunden seien mehr unterwegs als er und sein Team. Auch Fahrradträger würden immer beliebter. Immer mehr Menschen würden ihr Fahrrad an schönen Tagen an oder auf das Auto schnallen und neue Strecken erkunden. 2020 sei ein Fahrradjahr, meint Benitz. Viele würden auf Urlaub verzichten und stattdessen in ein neues Rad investieren. „Ich denke schon, wir sind Gewinner der Situation, aber ob das so ist, sieht man erst am Jahresende.“

Wichtiger Trend: Die Reduktion des Gewichts

Auch Daniel Schubert vom Höchstädter Fahrradshop hat so einen Ansturm wie jetzt noch nie erlebt. Seit zwölf Jahren betreibt er das Geschäft. Und jetzt, seit etwa sechs Wochen, ist die Nachfrage bei den E-Bikes in allen Modellen und Fahrradtypen dermaßen groß, dass er mit seinem Team kaum zum Luftholen komme, um die Kunden zu beraten. Schubert sieht noch einen weiteren Aspekt: Die E-Bikes hätten das Fahrradfahren revolutioniert. Manch Senior lasse nun das Auto öfter in der Garage stehen und setze sich aufs E-Bike. In die Generation der über 60-Jährigen komme so wieder sportliche Bewegung, sagt Schubert. Wichtig für die Akzeptanz der E-Bikes über alle Generationen hinweg sei die Gestaltung der Räder. Da besonders europäische Hersteller lang die über 50-jährigen Kunden im Blick hatten, wurden nach den Worten von Schubert entsprechende Räder auf dem Markt platziert. Das habe für lange Zeit zum Oma-Rad-Image geführt, mit dem sich junge Menschen nicht identifizieren konnten.

Mittlerweile gebe es jedoch nahezu jeden Monat neue Trends und Entwicklungen auf dem Markt, die bekannte Features sinnvoll ergänzen und Lust auf E-Bikes machen. Einer der wichtigsten Trends für das laufende Jahr besteht nach den Worten des Höchstädter Fahrradfachmanns im Bereich E-Bikes in der Reduktion des Gewichtes. So wiege je nach Ausstattung solch ein Fahrrad zwischen 20 bis 25 Kilo und sei somit nicht schwerer als ein Drahtesel aus den 1980er Jahren. Darüber hinaus gehe es neben der optischen Integration in diesem Jahr mit dem E-Bike-Akku im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal ein ganzes Stück weiter: Die neuen Akkus ermöglichen immer mehr Reichweite. Des Weiteren wird laut Daniel Schubert auch das Design eines E-Bikes als ständiger Begleiter im Alltag wichtiger. Nutzer wünschten sich Modelle, die genau auf sie zugeschnitten sind. Dabei zeichne sich ein E-Bike-Trend für 2020 besonders ab: „Individualität“.

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