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Landkreis Dillingen

22.02.2021

Corona-Pandemie: Chaos am Wertinger Impfzentrum

Am Impfzentrum in Wertingen mussten die Senioren und ihre Angehörigen am Samstag teils stundenlang anstehen, bis sie geimpft wurden.
Bild: Peter Fastl (Symbol)

Plus Ausgerechnet die Betagten stehen am Samstag teils stundenlang in Wertingen am Impfzentrum an, um sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Das Dillinger Landratsamt nimmt Stellung, wie es dazu kam und was künftig anders laufen soll.

„Immerhin war es warm“, sagt eine Seniorin. Und ihr Mann ist jetzt endlich gegen Corona geimpft. Doch was das Paar am Samstag in Wertingen erlebt hat, treibt der Frau die Tränen in die Augen: „Als wir ankamen, stand schon eine ganz lange Schlange vor dem Impfzentrum an. Lauter betagte Menschen mit je einem Angehörigen, der sie vermutlich gebracht hat. Das geht doch nicht.“

Die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist nicht die Einzige, die sich bei unserer Redaktion meldet. Ein anderer berichtet, er habe drei Stunden auf seine Impfung gewartet. Irgendwann hätten die Helfer dann Bierbänke aufgestellt, damit man sich mal hinsetzen konnte. „Drinnen ging es dann genauso chaotisch weiter“, sagt der Mann.

Wie viele Menschen im Landkreis Dillingen inzwischen geimpft sind

Wie das Landratsamt am Montag mitteilte, sind inzwischen insgesamt 2574 Personen im Landkreis Dillingen komplett geimpft. 4451 haben ihre erste Impfung bekommen. Bei den Alten- und Pflegeheime sowie Einrichtungen der Behindertenhilfe haben inzwischen 1118 Bewohner ihre Zweitimpfung erhalten und 474 Mitarbeiter dieser Einrichtungen. Über dies wurden 432 Menschen, die älter als 80 Jahre sind und nicht in einer Einrichtung leben und 550 weitere Personen, die zur ersten Priorisierungsgruppe gehören, wie Personal der Krankenhäuser, Hausärzte und medizinisches Personal komplett geimpft. Insgesamt sind damit 2,66 Prozent der Bevölkerung im Landkreis komplett geimpft.(Kritik: Für nicht mobile Senioren noch keine Impftermine im Kreis Dillingen)

Die Kapazitäten in Wertingen sollen ausgebaut werden

Erst in der vergangenen Woche hatte das Dillinger Landratsamt mitgeteilt, dass die Impfkapazitäten am Wertinger Impfzentrum ausgebaut werden sollen. Dazu sei das Betriebskonzept mit der beauftragten Firma Ecolog fortgeschrieben worden. In der Dreifachturnhalle sollten weitere Impfstraßen aufgebaut werden. Das Unternehmen Ecolog selbst hat seinen Hauptsitz in Dubai. Dillingens Landrat Leo Schrell kündigte vergangene Woche an, man wolle sich auf die für März angekündigte spürbare Erhöhung der Liefermengen an Impfstoff vorbereiten. Bis zu maximal 700 Impfungen pro Tag, statt wie bislang 240 Impfungen sollten dann pro Tag möglich sein. Bislang begrenzte die Verfügbarkeit von Impfstoff die maximal möglichen Impfungen.

Was zum Engpass im Wertinger Impfzentrum geführt hat

Das Dillinger Landratsamt teilte am Montag auf Anfrage mit: „Es entspricht leider der Tatsache, dass es am Samstag zu längeren Wartezeiten bei den eingeplanten Impfungen gekommen ist. Die bedauern wir sehr und bitten die Betroffenen um Entschuldigung.“ Für den Engpass gibt es laut Behörde einen konkreten Grund: So war die personelle Ausstattung der Impfteams für Samstag nicht ausreichend bemessen, weil ein Teil der vereinbarten Termine für die Zweitimpfungen nicht berücksichtigt wurde.

Im Wertinger Hallenbad ist ein Impfzentrum eingerichtet worden. In der Dreifachturnhalle sollen weitere Impfstraßen entstehen.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Das lag daran, dass mit Beginn der Erstimpfungen im Landkreis Dillingen die Termine für die Zweitimpfungen noch manuell erfasst werden mussten. Bei der Aufstellung des Impfplanes für den vergangenen Samstag wurde ein Teil dieser Termine übersehen. Zwischenzeitlich wird der zweite Termin automatisch mit der Terminvergabe für die Erstimpfung im Registrierungsportal des Freistaates Bayern hinterlegt.

Aufgrund der berechtigten Beschwerden hat das Team von Ecolog die Planungen für Sonntag überprüft und die personelle Ausstattung entsprechend angepasst. „Am Sonntag gab es nach den uns vorliegenden Rückmeldungen keine Probleme“, so das Landratsamt.

Zwischenzeitlich werde bei der Terminvergabe der Erstimpfung der Termin für die zweite Impfung automatisch vergeben und im Registrierungsportal erfasst, sodass solche Fehler wie am Wochenende bei der Planung der künftigen Impftage nicht mehr passieren sollten.

Was Impflinge vor der Fahrt nach Wertingen alles beachten sollten

Ungeachtet dessen könnte der Ablauf der Impfungen vor Ort wesentlich beschleunigt werden, wenn die zur Impfung eingeladenen Personen bereits vorab die entsprechenden Impfunterlagen ausfüllen und neben dem Personalausweis sowie – wenn vorhanden – das Impfbuch zur Impfung mitbringen würden. Deshalb sei nochmals darauf hingewiesen, dass über die Internetseite www.landkreis-dillingen.de unter dem Button „Formulare und Informationen zur Corona-Impfung“ sowohl der Impfbogen als auch das Aufklärungsblatt zum Herunterladen zur Verfügung stehen.

Dies vorausgesetzt, genügt es laut Landratsamt, frühestens zehn Minuten vor dem vereinbarten Impftermin im Impfzentrum zu erscheinen. Ecolog hat zudem zugesichert, künftig darauf zu achten, dass die Personen entsprechend der Reihenfolge der Terminvergabe im Impfzentrum zur Impfung aufgerufen werden. „Der Aufwand ist ja in Ordnung“, sagt ein Mann, der am Samstag ebenfalls geimpft wurde. „Aber wenn man alle Unterlagen hat, dann kann man doch nicht auch noch so lange warten müssen. Und dazu im Stehen.“

Landrat Schrell war in der vergangenen Woche bereits die offensichtlich erfreulich hohe Impfbereitschaft in der Bevölkerung aufgefallen.

Dabei hatte er auch Rechenfehler angesprochen: Wer sich am 11. und 12. Januar für eine Impfung angemeldet hatte, war wegen eines Softwarefehlers nicht unbedingt registriert worden. Bürger, die sich insbesondere am 11. und 12. Januar 2021 registriert hatten, sollten sich daher unter Telefon 09071/7749762 die Registrierung nochmals bestätigen lassen.

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