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Landkreis Dillingen

26.11.2020

Corona-Pandemie: Wie lange geht es an den Schulen im Kreis Dillingen noch gut?

Eine siebte Klasse im Unterricht, alle Kinder tragen Mundschutz. Immer wieder werden im Landkreis Dillingen ganze Klassen samt ihrer Lehrer in Quarantäne geschickt. Was bedeutet das für die Schulen?
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Eine siebte Klasse im Unterricht, alle Kinder tragen Mundschutz. Immer wieder werden im Landkreis Dillingen ganze Klassen samt ihrer Lehrer in Quarantäne geschickt. Was bedeutet das für die Schulen?
Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Plus Im Landkreis Dillingen sind Schüler, Lehrer oder gleich ganze Klassen in Quarantäne. Für manche stellt das eine große Herausforderung dar.

An der Gundelfinger Grundschule ist eine Klasse samt ihrer Lehrer in Quarantäne. 18 Schüler sind davon betroffen. An der Wertinger Grundschule sind es 23 Schüler einer Klasse samt Lehrer, an der Mittelschule Dillingen ebenfalls eine Klasse samt Lehrer, an der Mittelschule Lauingen sind fünf Lehrkräfte in Quarantäne, an der Freien Schule Lech-Donau, eine Klasse mit zehn Schülern und ihren Lehrern.

Seit Mittwoch befinden sich 24 Schüler einer Klasse der Wertinger Mittelschule mit ihren Lehrern in Quarantäne. Seit Montag ist eine Klasse der Höchstädter Grundschule wieder zurück im Unterricht. Soweit die Zahlen des Dillinger Gesundheitsamtes. Doch was bedeutet das für die Schulen im Landkreis?

Corona hat die Schulen fest im Griff. Unterricht mit Mundschutz, Einbahn-Regelungen im Schulhaus, Desinfektionsmittel, das alles gibt es schon seit Monaten. Nun kommen Corona-Ampeln dazu, die informieren, wann wieder Zeit zum Lüften ist. Vielleicht auch noch Abstandsregeln?

Helmut Herreiner, Leiter der Grund- und Mittelschule Höchstädt, muss lachen. Seine Schule wird derzeit saniert, nebenan die Berufsschule auch. „Wo sollten wir denn hin?“, fragt er. In die Nordschwabenhalle, wo Stadt- und Kreistag tagen? Oder gar auf die Goldbergalm?, meint er im Scherz. Sorgen bereitet ihm nicht nur die Situation der Schüler; bei den Lehrkräften werde die Lage fast täglich schlimmer: Kollegen, mobile Reserven, Fachkräfte fallen aus. „Das ist der Preis, den wir dafür zahlen, dass die Schulen weiter geöffnet sind. 600 Menschen treffen hier jeden Tag in einem Gebäude aufeinander.“ Elternsprechtage finden nicht mehr vor Ort statt, sondern telefonisch, auch die Elternabende.

Solche Veranstaltungen sind aktuell nicht komplett ausgeschlossen, aber zwingend auf das notwendige Maß zu beschränken, erklärt Schulamtsleiterin Andrea Eisenreich.

Die Eltern sollen gar nicht zur Schule kommen, auch nicht in Buttenwiesen

In Buttenwiesen wird das an der Grundschule ebenso gehandhabt. „Ob Sprechstunden oder Übertrittsberatungen, wir bitten immer um telefonischen Kontakt“, sagt Rektor Michael Bachmaier. Das Ziel sei, dass die Eltern nicht in die Schule kommen und sich dort einem möglichen Infektionsherd aussetzen müssen. Ob sich auch für die Klassen etwas ändert, etwa Schichtbetrieb oder Aufteilung auf weitere Gebäude, kann er sich nicht vorstellen. Präsenzunterricht sei die erste Wahl. Doch Überlegungen, wie man die Betreuung gewährleisten kann, wenn tatsächlich so etwas gefordert wird, gibt es auch in Buttenwiesen.

Am Bonaventura-Gymnasium sei in manchen Klassenzimmern der Abstand gegeben, Ausweichmöglichkeiten inner- und außerhalb des Schulgebäudes aber nicht vorhanden, sagt Schulleiter Franz Haider. „Was umzusetzen geht, das machen wir. Aber eine Aufteilung wäre nicht gerecht und Homeschooling das Schlimmste.“

Gerade jetzt vor Weihnachten, einer ohnehin emotionalen Zeit, könne die Schule viel auffangen. Die Schüler seien dankbar, dass sie sich wieder sehen können. Das Problem seien auch weniger die Schulgebäude als vielmehr Bus und Bahn, sagt Haider. Mehr Verkehrsmittel, das sei die Lösung, nicht gestaffelter Unterrichtsbeginn.

Sollten die Weihnachtsferien zwei Tage früher beginnen, sei das nicht so schlimm. Haider will bloß keine Hektik verbreiten. „Bei mir ist eine große Gelassenheit eingekehrt“, sagt er. „Wir haben alles durchgemacht und sind auf alles vorbereitet. Aber unser großer Wunsch ist es, dass wir alle Schüler so lange wie möglich im Unterricht halten können.“ Eine Bona-Klasse ist seit dieser Woche ebenfalls in Quarantäne.

In Lauingen gab es bisher weder einen Covid-19-Fall noch Quarantäne

Am Lauinger Albertus-Gymnasium ist der Fall bislang noch gar nicht eingetreten. Doch Schulleiterin Iris Eberl fürchtet, es könne nicht mehr lange dauern, bis ein Mitglied ihrer Schulfamilie in Quarantäne muss. So, wie sich die Zahlen im Landkreis Dillingen entwickeln. Und sie stimmt ihren Kollegen zu: Homeschooling wäre das Schlimmste für die Schüler. „Die sind jetzt so vergnügt, dass sie sich wiedersehen und halten auch die Hygienemaßnahmen bereitwillig ein.“ Im Lauinger Gymnasium mit seinen drei Gebäuden seien die Jahrgangsstufen schon sehr gut voneinander getrennt; mehr geht laut Eberl auch gar nicht, wo sollten schon weitere Räume sein?

Die Gremheimer Treidehalle ist schon als Klassenzimmer hergerichtet

Das scheint auf dem Land weniger das Problem zu sein: In Schwenningen ist die Treidelhalle für die größte der Grundschulklassen schon komplett aufgestuhlt und mit Tafel und Tageslichtprojektor versehen, teilt Bürgermeister Johannes Ebermayer mit. In Syrgenstein ist ebenfalls alles parat. „Sollte Distanzunterricht gefordert sein, können wir die Kinder auf Gebäude der Schulen und Gemeinden verteilen“, sagt Rektorin Sylvia Leitner. Aber akustisch wäre es schwerer, die Schüler in großen Räumen zu unterrichten. Und in ihren Klassenzimmern fühlen sich die Kleinen wohl. Deswegen zieht Leitner den Unterricht, so wie er derzeit abgehalten wird, vor.

In Lauingen gibt es auch Homeschooling

An der Berufsschule in Lauingen gibt es sowohl Präsenz- als auch Distanzunterricht. Anja Behnke, ständige Vertreterin von Schulleiter Gottfried Göppel, erklärt es so: „Alle Schüler, die jetzt im Winter ihre Abschlussprüfung haben, befinden sich davor 14 Tage lang im Homeschooling. So soll vermieden werden, dass sie erkranken und ihre Prüfung nicht machen können.“

Denn das wiederum hätte weitreichende Folgen: Die Auszubildenden könnten die nächste Prüfung erst ein halbes Jahr später erneut machen. Das könne Existenzen bedrohen. Für alle anderen finde der Unterricht ganz normal statt. Große Ausfälle wegen Covid-19 gab es an der Lauinger Berufsschule bislang nicht. „Für unser großes Einzugsgebiet, das bis nach Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz reicht, war es bislang auffallend wenig. Aber früher oder später wird uns Corona auch betreffen“, ist sich die Studiendirektorin sicher.

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