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Dillingen

30.11.2017

Damit Polizisten im Notfall zum Schießen bereit sind

Robert Wolf ist PE–Trainer bei der Polizei in Dillingen. Vorher war er zwölf Jahre im Schichtdienst, weiß wie es auf der Straße zugeht. Jetzt übt er mit den Beamten des Polizeipräsidiums Nord unter anderem den richtigen Umgang mit den Dienstwaffen.

Serie Robert Wolf ist Einsatztrainer bei der Polizei in Dillingen. Waffen sind Teil seines beruflichen Alltags.

Vier Meter beträgt der Abstand zwischen weißer Wand und schwarzer Linie. Robert Wolfs Zeigefinger berührt den Abzug. „Kimme und Korn müssen auf einer Linie sein“, sagt er und sein Blick fixiert die silberfarbenen Zielhilfen oberhalb der Waffe. Es ist die scharfe Maschinenpistole MP5, mit der er zwei Schüsse abfeuert. Trotz Ohrenschutz hallt der Knall durch den Raum. Von der Wucht der abschießenden Patrone lässt sich der 36-Jährige nicht mehr erschüttern.

Seit März 2016 ist er Polizeilicher Einsatztrainer (PE–Trainer) bei der Polizei in Dillingen – das Schießen ist Teil seines Berufsalltags.

Hinter dem weißen Papier fängt ein Kettenkugelfang die Wucht des Schusses auf. „Das Geschoss prallt gegen die Ketten. Dadurch geht die Energie verloren“, erklärt der 36-Jährige. In dem Raum finden die Schießübungen statt. Das Tragen von Kopfhörern ist dabei Pflicht. Dennoch müsse ein Trainer bei 600 Schuss ausgetauscht werden, sagt Wolf. Aus gesundheitlichen Gründen. Seit 2000 arbeitet er bei der Polizei. Erst war er im Einsatz für die Hundertschaft in Königsbrunn. Eineinhalb Jahre lang. Danach ging es für zwölf Jahre in den Schichtdienst nach Burgau. Wolf weiß, wie es auf der Straße zugeht. Die Zeit hat ihn geprägt, kommt ihm jetzt als PE-Trainer zugute. „Meine Erfahrungen haben mich geprägt. Den jüngeren Kollegen kann ich dadurch einige Tipps geben.“ Über den internen Wechsel ist er dennoch froh. „Ich vermisse die Zeit auf Streife nicht.“

Damit Polizisten im Notfall zum Schießen bereit sind

Vor dem endgültigen Wechsel intensivierte er in einem dreiwöchigen Lehrgang das Schießen, die Selbstverteidigung, Methodik und Didaktik und vollzog beispielsweise das Farbmarkierungstraining. Brenzlige Situationen wie einen Amoklauf nachzustellen, war ebenfalls Teil des Kurses.Jetzt ist es die Aufgabe des 36-Jährigen, das Gelernte weiterzugeben. In dem großen Leersaal auf dem Gelände der PI Dillingen geht es viel um Theorie. Jeder Polizist, der zur Weiterbildung kommt, muss seine Waffe entladen. Vor dem Eingang steht deshalb eine mit Sand gefüllte Kiste. „Würde sich beim Entladen versehentlich ein Schuss lösen, verpufft die Energie im Sand.“ Das sei eine wichtige Vorsichtsmaßnahme, sagt Wolf.

Im Innenraum steht ein großer Holzschrank an der Wand. Hinter den beiden Türen stapeln sich die Waffen. Die meisten wurden sichergestellt, sagt Wolf. Bei Einsätzen oder weil jemand versucht hat, sie ins Land zu schmuggeln. „Manchmal überlässt uns der Zoll dann einige Waffen zu Studienzwecken.“

Schlagringe, Revolver, Elektroschocks, Pistolen und Gewehre – einige davon sind schon mit Rost überzogen. Wie der Gewehrlauf, der zusammen mit einer Bajonette aus dem ersten Weltkrieg und einer abgesägten Schrotflinte auf dem Holzregal liegt.

Wolf zieht eine große Kiste heraus und hält eine schwarze Taschenlampe hoch. An der Stelle des Lichtstrahls sind silberfarbene Metallkontakte zu sehen. „Das ist nicht nur eine Taschenlampe, sondern auch ein Elektroschocker“, sagt Wolf.

Zu ihm und dem Rest des PE–Trainer-Teams kommen nur ausgelernte Polizisten. „Jeder muss sich im Laufe seiner Dienstjahre fortbilden.“ Sei es im Umgang mit altbewährten oder neuen Dienstwaffen oder der aktuellen ballistischen Schutzausrüstung. In lebensbedrohlichen Einsätzen sei die unverzichtbar. Inklusive Helm und Waffen stemme ein Polizist damit schätzungsweise 25 Kilogramm, sagt Wolf. „Wir zeigen, wie man sie richtig anlegt.“ Auch, mit der Kluft zu schießen sei für den Ernstfall zu proben, sagt Wolf. In jedem Polizeiwaffe liegt eine solche Ausrüstung. Das sei Pflicht und schütze im Notfall das eigene Leben.

Ein Turnus läuft sechs Wochen lang. Immer mit anderen Teilnehmern. Fünf Trainer sind für die insgesamt knapp 20 Polizisten zuständig. „Wir treffen immer andere Kollegen“, sagt Wolf. Ein Vorteil seines Jobs als PE–Trainer. In den letzten Durchgängen ging es um lebensbedrohliche Einsatzlagen und fachliche Einsatzmedizin.

Am 16. Januar startet der nächste. „Es geht um den neuen ausziehbaren Einsatzstock“, sagt Wolf, greift nach dem schwarzen Stab und holt aus. Ein lautes Knacken ertönt, ehe der Stock ausfährt. Die Waffe soll in Zukunft den herkömmlichen Schlagstock ersetzen. Die richtige Handhabung lernen die Polizisten beim Training.

Schießübungen gehören zu jeder Einheit dazu. „Die sind wichtig und trainingsintensiv.“ Im Alltag sei das Zücken der Waffe zum Glück ein Einzelfall. „Der Schuss ist das letzte Mittel.“ Trotzdem: Der Griff zur Pistole müsse sitzen. „Erst nach tausenden Wiederholungen setzt sich ein Automatismus ein“, sagt Wolf und greift mit der Hand zu seinem Holster. „In Stress- und Gefahrensituationen muss der sofort abrufbar sein.“ Bei Wolf sitzt der Griff.

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