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Aislingen

26.11.2018

„Dank ihr war mein Mann im Tod ganz gelöst“

In schwerer Stunde nicht allein: Seit 15 Jahren gibt es in Krumbach eine Hospizinitiative (Symbolbild).
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In schwerer Stunde nicht allein: Seit 15 Jahren gibt es in Krumbach eine Hospizinitiative (Symbolbild).
Bild: Matthias Becker

Irmgard Bronnhuber aus Aislingen erlebt furchtbare Monate. Ihr Ehemann Richard wird binnen weniger Monate schwer krank. Da bekommt sie besondere Hilfe aus Bachhagel.

Ihre Goldene Hochzeit feierten die Bronnhubers vor über einem Jahr am Königsee. Irgendwie ging es Ehemann Richard da schon nicht mehr gut. Vor drei Monaten ist er mit 77 Jahren gestorben. Ganz genau weiß Ehefrau Irmgard bist heute nicht, was ihm gefehlt hat. Trotz vieler Untersuchungen und einiger Krankenhausaufenthalte. „Es war eine furchtbare Zeit“, sagt die zierliche dunkelhaarige Frau. Doch am Ende sei ihr Mann wie gelöst eingeschlafen und gestorben. Dafür ist sie vor allem einer ganz besonders dankbar: Maria Broda, ehrenamtliche Hospizbegleiterin aus Bachhagel.

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Einzelzimmer in der Kurzzeitpflege

In der Kurzzeitpflege in Gundelfingen lernte die 66-Jährige Richard Bronnhuber kennen und eines Tages auch dessen Frau. Was die Ehefrau tat, hatte Maria Broda noch nie erlebt: „Sie hat ihren Mann wieder nach Hause geholt.“ Da war er schon bettlägerig, lag allein in einem Einzelzimmer in der Kurzzeitpflege, das Krankenhaus konnte nichts mehr für ihn tun. „Wenn ich gewusst hätte, wie das zuhause laufen kann, ich hätte ihn viel früher heimgeholt. Das reut mich“, sagt Irmgard Bronnhuber heute mit Tränen in den Augen. Nur eine Woche später, nachdem sie ihn zurückgeholt hatte, starb ihr Mann.

Ihm war es binnen weniger Monate gesundheitlich immer schlechter gegangen. Auf ein unerklärliches Brennen im Rücken folgten Gleichgewichtsprobleme, Appetitlosigkeit, eine Thrombose im Bein und akutes Nierenversagen. Irgendwann konnte sich Richard Bronnhuber ohne Rollator kaum noch bewegen. Doch keine Untersuchung brachte eine Diagnose. Alle Werte schienen einwandfrei. Immer wieder kehrte der Aislinger aus dem Krankenhaus heim. Dann tauchten neuen Beschwerden auf – und Probleme mit den Nerven. „Manchmal hatte mein Mann richtige Rappel. Rannte auf den Hof und schrie. Es war schlimm. Sein Zustand war schockierend. Ich dachte, ich werd’ verrückt“, erzählt Irmgard Bronnhuber. In diesem Zustand war die Familie dem Kranken nicht gewachsen. In der Kurzzeitpflege schließlich verließ ihn die Kraft.

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Er reagierte kaum noch

Der 77-Jährige lag im Bett, reagierte kaum und sprach wenig. Er sei aber gut aufgehoben gewesen, betont seine Frau, die ihn bei jedem Krankenhausaufenthalt und auch in der Kurzzeitpflege täglich besuchte. Dennoch war sie froh über die Entscheidung, ihn wieder mit nach Hause zu nehmen. Sonst wären sie beide ja immer einsam gewesen, er in der Betreuung und sie daheim. „Die Sozialstation und der ambulante Hospizdienst haben mir super geholfen, als er nach Hause kam. Ich habe vorher gar nicht gewusst, was der Hospizdienst so genau tut“, gesteht Irmgard Bronnhuber.

Birgit Hofmeister, leitende Koordinatorin des ambulanten Hospiz- und Palliativdienstes St. Elisabeth vom Caritasdienst, kontaktierte den Hausarzt, kümmerte sich um Medikamente, Verbände und brachte die Rezepte zur Apotheke, sodass Irmgard Bronnhuber die dort nur noch holen musste. Sie lernte, ihrem Mann Morphium zu spritzen. „Daheim zu sein, das hat ihm schon gutgetan“, erinnert sie sich dankbar. Richard habe es richtig genossen, wenn sie ihn rasierte.

Hospitzbegleiterin kam extra nach Aislingen

Trotz der neuen Distanz kam Maria Broda in der Zeit auch nach Aislingen. Das rechnet Irmgard Bronnhuber ihr bis heute hoch an. Die Hospizbegleiterin ihrerseits war beeindruckt davon, wie die Ehefrau des Kranken die Situation daheim meisterte. Der Rentner sei daheim viel ruhiger geworden, er habe sich wohlgefühlt. „Ich denke, alle Sterbenden wollte daheim sein“, sagt die Frau aus Bachhagel. Sie betete mit Richard Bronnhuber, spielte ihm Musik vor. „Ich hätte das nicht gekonnt. Frau Broda wusste, dass er schwer krank ist und wollte ihn begleiten bis zum Tod. Ihre Ruhe, die tat ihm gut“, sagt die Witwe.

Anfang August dieses Jahres, Irmgard Bronnhuber saß auf der Terrasse, hörte sie ihren Mann durch die geöffnete Türe friedlich schnarchen. Irgendwann war es leise. Da war Richard von ihr gegangen. „Er hatte keinen Kampf, er wirkte richtig erlöst, ich glaube, das war Frau Broda zu verdanken.“ Sie hätte sich bei der Helferin gerne mehr erkenntlich gezeigt, doch das lehnte diese ab. Sie sei ja ehrenamtlich im Einsatz. Also hat Irmgard Bronnhuber dem Hospizdienst Geld gespendet. Auf der Beerdigung ihres Mannes und bei einem Gottesdienst für die vom Hospizdienst verstorbenen Betreuten, haben sich die zwei Frauen zuletzt gesehen.

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