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Landkreis Dillingen

09.10.2019

Das Aus für lukrative Sparverträge kommt

Alte Prämiensparverträge boten Kunden der Sparkassen oft lukrative Zinssätze und Boni, mit denen am Ende des Jahres ein dickes Plus im Sparschwein beziehungsweise auf dem Konto zu verzeichnen war (Symbolfoto). Verträge, die mindestens 15 Jahre bestehen und in der höchsten Prämienstaffel sind, dürfen nun gekündigt werden.
Bild: Christin Klose, dpa (Symbolfoto)

Plus Auch die Sparkasse Dillingen-Nördlingen wird alte Prämiensparverträge kündigen – eine Reaktion auf die aktuelle Niedrigzinspolitik der EZB. Wie die Situation bei anderen Geldinstituten in der Region aussieht.

Überraschend kam der Brief für den Mann aus der Region, nennen wir ihn Herr Schmitt, nicht. Es hatte sich bereits angekündigt, dass wohl viele Banken nach und nach lukrative Altverträge ihrer Kunden kündigen und damit auf die aktuelle Zinspolitik der EZB reagieren würden. Kürzlich also lag der Brief im Briefkasten. Darin informierte die Sparkasse Neuburg-Rain Herrn Schmitt, dass sie seinen Prämiensparvertrag, den er Ende der 90er Jahre mit einem Zinssatz von über drei Prozent abgeschlossen hatte, kündigen werde.

Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs fiel im Mai

Erst im Mai entschied der Bundesgerichtshof, dass langjährige Prämiensparer die Kündigung hinnehmen müssen, wenn die einmal vereinbarte Bonusstaffel ausgeschöpft ist. Denn die Verträge haben zwar keine Laufzeit, aber neben den Zinsen gibt es Bonuszahlungen, die Jahr für Jahr ansteigen, bis zuletzt eine 50-prozentige Prämienzahlung auf die Sparbeiträge erreicht ist. Genau das machte das Modell für Sparer auch so attraktiv.

"Aggressive Geldpolitik der EZB"

Bei der Sparkasse Neuburg-Rain sind rund 1300 Kunden von den Kündigungen betroffen. Deren Verträge laufen seit mindestens 15 Jahren, haben keine Endfälligkeit und die höchste Prämienstufe ist bereits erreicht. „Die aggressive Geldpolitik der EZB macht derartige Entscheidungen nicht leichter“, sagt Vorstandsvorsitzender Nils Niermann. Denn mittlerweile müssen die Banken, um ihr Geld bei der EZB einzulagern, Strafzinsen zahlen. Und das bekommen nun auch die Sparer zu spüren. Niermann betont, dass die Bank den Großteil der betroffenen Kunden bereits im Vorfeld informiert habe und ihnen auch alternative Anlageformen angeboten hat beziehungsweise anbieten wird. Die Kündigungen gelten zum Ende des Jahres.

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Es sollen "attraktive Anlagealternativen" angeboten werden

Die Sparkasse Dillingen-Nördlingen werde alle Kunden, die einen – gemäß BGH-Urteil – kündbaren Prämiensparvertrag besitzen, in Kürze persönlich kontaktieren. „Es sind alle Kunden betroffen, die einen Prämiensparvertrag besitzen, der mindestens 15 Jahre besteht, und deren Vertrag sich in der höchsten Prämienstaffel befindet“, teilt das Geldinstitut mit. In einem Gespräch soll eine gemeinsame Lösung für die Wiederanlage des angesparten Guthabens gefunden werden. „Hierfür bieten wir unseren Kunden bis zum Jahresende 2019 spezielle attraktive Anlagealternativen“, betont der Vorstandsvorsitzende Thomas Schwarzbauer. Trotz der von der Europäischen Zentralbank verursachten Niedrigzinsphase gebe es auch im heutigen Marktumfeld gute Anlagemöglichkeiten zum mittel- und langfristigen Vermögensaufbau mit attraktiven Renditechancen. Alle gemäß BGH-Urteil kündbaren Prämiensparverträge, die nach dem 31. Dezember noch bestehen, wird die Sparkasse Dillingen-Nördlingen laut Pressemitteilung im Laufe des Januars 2020 mit Wirkung zum 1. Mai 2020 kündigen. Zur Anzahl der Verträge machte die Sparkasse Dillingen-Nördlingen noch keine Angaben. Diese werde gerade ermittelt.

Jall: Wir haben nicht vor, die Ziel-Sparpläne zu kündigen

Sparverträge zu kündigen sei rechtlich sehr diffizil, erklärt Alexander Jall, Vorstand der VR-Bank Donau-Mindel in Dillingen. „Wir haben bislang nicht gekündigt und haben auch nicht vor, unsere sogenannten Ziel-Sparpläne zu kündigen“, sagt er zur aktuellen Diskussion. Jall will diese Zusagen aber nicht für alle Zukunft garantieren. Denn diese Verträge würden im jetzigen Umfeld eine Riesenbelastung für die Bank darstellen. Bei den Ziel-Sparplänen können Kunden einen bestimmten Betrag für eine feste Zeit ansparen. Je länger die andauert, desto höher fällt ein zusätzlicher Bonus dafür aus. Aufgrund dessen, dass die Zinsen jetzt praktisch bei null sind, werde der Bonus zum maßgeblichen Faktor. „Das war nie so gedacht“, erläutert Jall. Dafür sei nicht nur der EZB-Einlagezins verantwortlich, sondern die gesamte Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Die führe zum Teil zu negativen Renditen. „Damit sind wir seit Jahren konfrontiert. Das ist eine große Herausforderung. Aber wir sind Unternehmen und schreien nicht nach dem Staat“, betont der Vorstand. Die Finanzpolitik der EZB stelle jedenfalls einen Angriff auf das Geschäftsmodell der Genossenschaftsbanken dar. „Wir wollen ja, dass die Kunden mit ihrem Geld zu uns kommen“, sagt Jall. Aber nun gebe es ja für Einlagen Negativzinsen. Die VR-Bank Donau-Mindel habe es immer wieder geschafft, das Geschäftsjahr sehr gut abzuschließen. Das sei aber trügerisch. Am Horizont sieht Jall stürmische Zeiten auf die Banken zukommen.

Eine ähnliche Auskunft gibt es bei der Raiffeisen-Volksbank Donauwörth, die auch im östlichen Landkreis Dillingen und Wittislinger Raum Filialen betreibt. Trotz der Herausforderung durch die Niedrigzinsphase ist eine Kündigung der bestehenden Zielsparpläne laut Vorstandssprecher Michael Kruck nicht angedacht: „Wir halten uns an die gültigen Verträge.“

Das Geschäftsmodell der Banken steht auf der Kippe

Der Filialleiter der Hypovereinsbank in Dillingen, Walter Lasar, sagt, dass sein Geldinstitut solche Bonussparverträge mit Laufzeiten über 20 und 30 Jahre niemals angeboten habe. Aber auch er sieht das Geschäftsmodell der Banken durch die Minuszinsen für Einlagen infrage gestellt. „Banken haben ihr Geld damit verdient, dass sie Einlagen verwaltet und das Geld wieder ausgeliehen haben“, erklärt Lasar. Dieses Modell sei hinfällig. Die Banken versuchten, vor Ort zu bleiben und den Einschnitt über Gebühren auszugleichen.

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