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Mobilität in Dillingen

15.07.2020

Das Campen im Wohnmobil boomt im Landkreis Dillingen

Den Wunsch nach einem eigenen Wohnmobil erfüllen sich immer mehr Menschen.
Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa (Symbol)

Plus In der Region gibt es immer mehr Wohnmobile. Ein Hersteller im Nachbarlandkreis sieht einen neuen Reisetrend. Das sagen Betreiber von Campingplätzen im Landkreis Dillingen.

Harald Molle ist Betreiber des Wohnmobilparks in Wertingen. Die zwölf Stellplätze seines Campingplatzes sind normalerweise zu einem Drittel ausgelastet. Mit dem Ende des Lockdowns waren wesentlich mehr Wohnmobile unterwegs. „Teilweise mussten wir die Leute weiterschicken“, erinnert sich Molle. Mittlerweile hat der Ansturm nachgelassen. Am vergangenen Wochenende parkten acht Wagen auf dem Wertinger Stellplatz. Für die Sommerferien empfiehlt der Betreiber zu reservieren oder eine Anreise am Vormittag zu planen, um einen Platz zu ergattern.

Betreiber von Campingplätzen im Landkreis Dillingen sind ausgelastet

Auch Christine Dußling, Betreiberin der Mörslinger Anlage „Goldberg Camping“ spürt einen positiven Trend. Vor allem um Fronleichnam seien viele Menschen aus der Region, wie Augsburg oder Nördlingen, für einige Tage nach Mörslingen gefahren. Auch Neu-Camper befinden sich unter den Urlaubern. „Ein Paar nutzte den Kurzaufenthalt, um den neuen Wohnwagen zu testen“, sagt Dußling. Ihre Gäste seien über den Urlaub in der Heimat positiv überrascht gewesen. Das Fazit der Neu-Camper: „Man muss nicht weit fahren, um eine schöne Zeit zu haben.“ Nun stehen vor allem wieder Dauercamper auf dem Platz. Die kommenden Sommerferien würden das ändern. Einige Reservierungen seien bereits eingegangen, bestätigt die Mörslingerin.

Heinz Karneth ist Pächter des Campingplatzes an der Donau in Dillingen. 40 Stellplätze und 30 Zeltplätze stehen dort ganzjährig auf der Wiese zur Verfügung. Während nur sehr wenige ihr Zelt auf dem Gelände aufschlagen, sind die Stellen für Wohnmobile und Wohnwagen gut ausgelastet. „Es ist jedoch nicht mehr los als sonst“, sagt Pächter Heinz Karneth. Anstatt ausländischer Gäste, vor allem Niederländer, kämen mehr Menschen aus der Region auf den Donau-Campingplatz. Die Menschen verweilen länger in Dillingen, anstatt ein bis zwei Übernachtungen auf der Durchfahrt Richtung Süden zu buchen. Nur an Pfingsten, als Karneth zwecks Abstandsregeln nur die Hälfte seiner Plätze vergeben durfte, sei der Campingplatz komplett ausgebucht gewesen.

Wohnmobil: Für Hersteller Fendt geht es wieder bergauf

Der Mertinger Caravanherstellers Fendt im Kreis Donau-Ries wollte heuer eigentlich seinen 50. Geburtstag ausgiebig feiern. Doch dann kam Corona und legte zunächst alles lahm. Fünfeinhalb Wochen Stillstand. Die Mertinger berappelten sich schnell. Auch, weil sich die Art des Urlaubmachens ändern könnte: Campingplätze boomen dieser Tage, mancherorts seien sie voll ausgebucht, berichtet Marketingleiter Thomas Kamm. Und: Caravaning sei nahezu perfekt für einen sogenannten Social-Distancing-Urlaub. Die eigenen vier Wände inklusive WC hat man schließlich dabei. Auch deshalb sei die Nachfrage nach der Pause wieder ungebrochen, gleich, ob es die kleineren Modelle oder die Luxuswagen betreffe. Die Preisspanne bei Fendt Caravan liegt zwischen knapp 19000 bis 39000 Euro, je nach Modell und Ausstattung. Keineswegs sei es in der Krise nun so, dass nur die kleineren Caravans gefragt wären. Indessen geht Corona auch an den optimistischen Nordschwaben nicht spurlos vorüber. Der Umsatz ging wegen der fast sechswöchigen Schließung von 183 Millionen Euro im Vorjahr auf nun 162 Millionen zurück, ebenso der Absatz – von 9428 auf 8280. Der (branchenweite) Rückgang erfolgte allein aufgrund des erzwungenen Lockdowns, betonen die Geschäftsführer. Doch jetzt laufe es ja wieder.

Wohnmobile in Dillingen sind trotzdem ein Nischenprodukt

Mit Corona bekommen die Wohnmobile derzeit eine Vorreiterrolle: Kaum, dass die Devise nicht mehr ‚Bleibt zuhause‘ lautete, gingen die Ersten wieder auf Achse. Mindestabstand sozusagen inklusive. Mit dem Wohnmobil geht beides. Ferienhäuser auf Rädern boomen: Um 56668 ist deren Zahl von 2019 auf 2020 in Deutschland angestiegen. 589355 waren es nach der jüngsten Bestandsaufnahme des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) bundesweit: 741 Wohnmobile waren davon zu Jahresanfang 2020 im Kreis Dillingen registriert. Das ist mal wieder ein neuer Höchstwert. Von 2009 bis heute wuchs der deutschlandweite Bestand insgesamt um 264254 Fahrzeuge und hat sich damit mehr als verdoppelt. Im Kreis Dillingen stieg die Zahl innerhalb dieses Zeitraums um 365 Fahrzeuge und damit 97,1 Prozent. Das ist aktuell Platz 181 in der Wohnmobil-Bundesliga, wenn die Zahl der Wohnmobile pro 1000 Einwohnern der Maßstab ist.

Die Zahlen für den Landkreis bestätigen den Trend zur mobilen Ferienunterkunft. Vergleicht man die Werte von Anfang 2019 und 2020, dann stieg die Zahl der zugelassenen Wohnmobile im Landkreis Dillingen binnen eines Jahres um 80 (12,1 Prozent). Was in absoluten Zahlen im Vergleich zum Gesamt-Kraftfahrzeugbestand (86557 Fahrzeuge inklusive 17507 Anhängern, darunter auch Wohnwagen, die nicht mehr einzeln gezählt werden) aber auch zeigt, dass Wohnmobile in der Regel als Dritt- oder Zweitwagen Nischenprodukte sind.

Ökobilanz: Wohnmobile werden selten verschrottet

Vermutlich werden sich die stolzen Besitzer, die zu Jahresbeginn ein neues Wohnmobil gekauft haben, ärgern. Die drei Prozent weniger Mehrwertsteuer ab Juli wären ein schönes Urlaubsgeld gewesen. So schnell kauft man sich kein neues: Dank Diesel unter der Haube sind die Autos durchaus Kilometerfresser. Und sie sind nachhaltig, weil sie lange halten. Denn, dass der Bestand immer weiter steigt, hängt auch damit zusammen, dass nur wenige Wohnmobile verschrottet werden. Eigentlich ein Öko-Traum. Außer der Motor unter der Haube hat Schadstoffklasse Euro-5 oder schlechter. Deswegen zittern Wohnmobilisten teilweise vor Fahrverboten, weil die allermeisten einen schon älteren Diesel haben.

Wohnmobil-Versicherung gegen Diebstahl, Schäden und Co.

Für Outdoor-Fans bieten einige Versicherer eine spezielle Campingversicherung ab 35 Euro Jahresbetrag an. „Wenn man auf offiziell ausgewiesenen Campingplätzen das Wohnmobil parkt, entschädigt diese Versicherung Schäden, die durch Sturm, Brand, Blitzeinschlag, Diebstahl, Einbruch sowie durch mutwillige Sachbeschädigung entstanden sind“, informiert der Dillinger Karl Aumiller, Sprecher des Bezirksverbandes Augsburg im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute. „Dabei sind auch wertvolle Foto-, Video- und auch mobile TV-Geräte versichert.“ Aumiller betont, dass die Campingversicherung im Regelfall nur innerhalb Europas gilt und nicht während der Fahrt. Eine Reisegepäckversicherung könne hierbei weiterhelfen, beispielsweise wenn das Gepäck während der Reise gestohlen oder bei einem Unfall beschädigt wurde. Vorteil: Sie gilt auf der ganzen Welt. Versichert ist der Zeitwert, also derjenige Wert, den die Sachen zum Zeitpunkt des Versicherungsfalls noch hatten. Wenn Gegenstände mitgenommen werden, die auch beruflich genutzt werden, wie Handy oder Laptop, sind diese nur mitversichert, wenn es ausdrücklich in dem Versicherungsvertrag festgehalten wurde. „Auch für Wohnmobile gilt Besonderes: Für diese benötigt man eine Kraftfahrt-Haftpflichtversicherung, eine Voll- bzw. Teilkasko-Versicherung ist für beide – Wohnmobile sowie Wohnwagen – empfehlenswert. (mit pm)

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