Newsticker

Merkel warnt: "Wir riskieren gerade alles, was wir in den letzten Monaten erreicht haben"
  1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. "Das Dorf kennt keiner, aber die Jägerparty alle"

09.06.2009

"Das Dorf kennt keiner, aber die Jägerparty alle"

Fultenbach "Das könnt ihr doch nicht machen." Diesen Satz hat Stephan Spring in der vergangenen Zeit oft gehört. Viel hat er als einer der Organisatoren der Jägerparty dazu meistens nicht gesagt. Er hat nicht groß erklärt, warum auf der fast schon legendären Fultenbacher Zeltparty am kommenden Wochenende wohl zum letzten Mal gefeiert wird. "Ist halt so."

Einige Organisatoren hätten schlicht keine Lust mehr, sagt er über das Team, das seit 13 Jahren das Event geplant und durchgeführt hat. Auch Ulrike Brenner, die in den vergangenen acht Jahren hinter der Bar stand, meint: "Die Strippenzieher sind müde geworden."

Organisator Spring gehört nicht dazu. Der 33-Jährige hätte nichts dagegen, weiterzumachen. Er weiß, dass die Party Fultenbach geprägt hat. Auswärtige sage der Name der kleinen Gemeinde meist nichts, doch beim Stichwort Jägerparty macht's Klick: "Das Dorf kennt keiner, aber die Jägerparty alle."

Begeistert erzählt er von den letzten Wochen vor der Party: "Es ist unglaublich, wie hier Jung und Alt mit anpacken." Etwa 140 Helfer grenzen das Gelände mit Bauzäunen ein, schrauben die Theken zusammen, dekorieren und sprechen ab, wer wann für Getränkenachschub sorgt. "Wo gibt's denn das noch?" Spring ist stolz, dass ein kleines Dorf wie Fultenbach, so etwas auf die Beine stellen kann.

"Das Dorf kennt keiner, aber die Jägerparty alle"

Zur zweitägigen Party seien vergangenes Frühjahr rund 8 000 Leute teils weit über die Landkreisgrenzen hinaus gekommen und hätten dort gefeiert, dass die Fetzen flogen. Brenner berichtet mit einem Schmunzeln, dass sich sogar der fast 90-jährige Ehrenbürger die Fete nicht hat entgehen lassen. Und auch für Bürgermeister Friegel ist die Party ein Pflichttermin. "Die Jägerparty gehört zu Fultenbach, wie das Oktoberfest zu München", vergleicht die 41-Jährige.

Zudem sind die Erlöse aus der Jägerparty eine willkommene Finanzspritze für die örtlichen Vereine: "Jeder profitiert davon", sagt Spring. Wenn das Geld wegfällt, sei das natürlich schade.

Nach der Party ist vor der Party

Trotzdem verstehen Brenner und Spring, wenn Organisatoren nicht mehr mitziehen wollen. Alle seien berufstätig, investierten manchmal ein bis zwei Wochen ihres Jahresurlaubs. Wenn man Spring nach den Vorbereitungen für das Event fragt, weiß er gar nicht, wo er anfangen soll: "Die neue Organisationsphase fängt an, wenn die Party vorbei ist. Schon im Januar beginnt die heiße Phase." Die To-Do-Liste ist lang: Als erstes müssen die beiden großen Festzelte bestellt werden. Denn die seien schnell ausgebucht, weil im Juni etliche Vereine größere Feste veranstalten. Dann holen die insgesamt zwölf Mitarbeiter im Orga-Team Angebote von Getränkelieferanten ein, vergleichen sie. Rund 1 000 Kisten Bier, Cola und Säfte müssen dieses Jahr besorgt werden. Die DJs werden eingeladen und sich um die Elektronik gekümmert.

Lang ist auch die Liste der Auflagen, die die Veranstalter einhalten müssen. "Je größer man wird, desto schwieriger wird 's." 17 Punkte gilt es zu beachten - von Rettungsdienst über zusätzliche Verkehrsschilder für die Parkplätze bis hin zum Jugendschutz. Für die Hobby-Barfrau Brenner mit ein Grund, warum die Party wahrscheinlich nicht mehr stattfinden wird: "Die Verantwortung, die die Veranstalter übernehmen müssen, ist zu groß." Schließlich könne man sie belangen, wenn Minderjährige durch die Eingangskontrollen schlüpfen und sich dann betrinken. In den vergangenen 13 Jahren hätte es aber nie negative Kritik gegeben. Im Gegenteil meint Spring, und zitiert begeistertes Feedback: "Das ist die geilste Party des Jahres."

Am kommenden Wochenende verabschiedet sich die Jägerparty wohl von ihren Fans - ohne aufwendiges Abschieds-Special: "Ganz ohne Pauken und Trompeten."

Bei uns im Internet:

Das wahrscheinliche Aus für die Jägerparty - Verlust oder verschmerzbar? Diskutiert bei uns im Forum unter donau-zeitung.de/forum

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren