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Dillingen

01.01.2021

Das Jahr 2020 im Landkreis Dillingen in Zahlen

Auch das Vereinsleben im Landkreis ist 2020 teils komplett lahmgelegt. Rein rechnerisch hat dadurch jeder Bürger ein Kilogramm zugenommen.
Foto: Jan Koenen/Stadt Dillingen

Plus Der Internetbetrug im Kreis Dillingen hat zugelegt. In einer Bücherei ist ein Spielzeug besonders gefragt und in der Wertinger Pfarrei gibt es einen digitalen Rekordwert. Dazu Daten von Auftritten bis Zuckerrüben

„Alles ist Zahl“, so glaubten schon die alten Griechen an dieses Mittel, um die Gesetzmäßigkeiten der Welt auszudrücken. Bereits zuvor hatten Zahlen rein praktischen Zwecken gedient wie dem Zählen von Schafen oder der Berechnung von Steuern. Noch heute beschäftigt man sich mit Ziffern. Erst recht in diesem verflixten Pandemiejahr 2020, in dem wir – wie einst die Pythagoräer – versuchen, mit ihnen die Sache in den Griff zu bekommen. Bald ein Jahr prasseln sie auf uns herab, mitgeteilt von Virologen und Gesundheitsbehörden.

Ein unaufhörliches Zahlen-Stakkato jeden Tag: Da ist die Rede von Fallzahlen wie von der Sieben-Tage-Inzidenz, vom Reproduktionswert „R“, vom Infektionsindex, natürlich von den Zahlen der neu Betroffenen, … Und kurz vor Weihnachten schlug auch noch die Höhe der Ansteckungsrate eines mutierten Virus ein. Auch die Region mit rund 98000 Einwohnern ächzte in den vergangenen Corona-Monaten unter der Last der Zahlenflut. Dennoch entschied unsere Zeitung – aus ihrer Informationspflicht heraus – Tag für Tag in einer besonderen Rubrik die aktuellen Corona-Zahlen zu veröffentlichen.

Immer mehr Betrüger sind online unterwegs

Eher negative Werte sollen trotzdem den ersten Teil dieses Artikels dominieren, schließlich zogen wochenlanger Lockdown wie Ausgangssperren eine Spur der Verwüstung in so ziemlich allen Lebensbereichen hinter sich her. So gingen die per Verordnung herbeigeführten Daheimgebliebenen statt zum Shoppen lieber an die PC-Tastatur und klickten, was das Zeug hielt. Eine der Folgen davon kennt etwa Katharina von Rönn, Polizeihauptmeisterin der Polizeiinspektion Dillingen: Der Internetbetrug hat zugelegt, von 265 Fällen im Jahr 2018 auf 331 Fälle bis zum Spätherbst 2020.

Der Lockdown hatte auch zur Folge, dass die Fälle von Telefon- und Internetbetrug in der Region deutlich zugenommen hat.
Foto: Jan Koenen/Stadt Dillingen

In die entgegengesetzte Richtung ging es dagegen bei der Kultur im Allgemeinen, der Musik im Besonderen. Stellvertretend für andere Häuser und Einrichtungen dieser Art meldete die Geschäftsführerin der Musikschule Wertingen die Zahl der entfallenen Veranstaltungen in der nach Ansicht vieler systemrelevanten Branche. Karolina Wörle: „Von September bis Dezember gab es von 32 geplanten nur 18, im ersten Halbjahr von 58 avisierten Terminen sogar nur weniger als ein Drittel davon.“

Werden wir alle dicker?

Als gebeutelter Gesellschaftszweig ging auch der Sport im Landkreis aus der Pandemie-Krise hervor, da insbesondere der Breiten- und Amateursport, worauf Landrat Leo Schrell anlässlich der Sportlerwahl 2020 hinwies, die selbstverständlich virtuell ausgetragen wurde. Zum Feiern war da auch nicht dem viereinhalb Millionen Mitglieder zählenden Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) zumute. Hätte die Organisation mit rund 12000 Vereinen doch zu gerne aufs 75-jährige Jubiläum angestoßen, was BLSV-Kreischef Alfons Strasser den fast 37000 Mitgliedern in der Region gegönnt hätte. Die stattliche Zahl lässt vermuten, dass sich in der Region mehr als jeder Dritte mit Sport in irgendeiner Weise beschäftigt. Ob die heuer eingelegten Zwangspausen ein Studienergebnis des Robert-Koch-Instituts beim veränderten Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Deutschen verschuldet haben? Danach hat bei den Bürgern das mittlere Körpergewicht zur Corona-Zeit rechnerisch um 1,1 Kilogramm zugelegt.

Den Vierbeinern in der Region droht laut Johann Rechthaler, Vorsitzender des Tierschutzvereins für den Landkreis, weit größeres Ungemach. Weil Gassigehen während der nächtlichen Ausgangssperren zu den „Notfällen“ zählt, fürchtet der Hundefreund missbräuchliche Anwendung in der Praxis mit ausgeliehenen Zamperln: „Ich weiß von Fällen aus anderen EU-Ländern, bei denen die Nachfrage um das Drei - bis Vierfache gestiegen ist. Hoffentlich bleibt es bei dieser ungewöhnlichen Tierliebe auch nach Corona.“

Ein Rekord in Wertingen

Dass große Nummern auch Freude in dieser tristen Zeit auslösen können, beweist der Stadtpfarrer. Ausgerechnet Rupert Ostermayer konnte – kurz vor dem heiligen Fest – mit der Zahl 1125 eine gewisse Frohe Botschaft verkünden: So oft wurde das von der Pfarrjugend sehenswert gedrehte 18-Minuten-Video eines Martinsspiels auf der Homepage der Gemeinde angeklickt – ein Rekordwert. „Besonders bei jungen Familien war es gefragt.“

Eine große Nachfrage konnte die von wochenlangen Schließungen geplagte Stadtbücherei in Dillingen bei „Tonie“ vermelden, einem beliebten Abspielgerät, das mittlerweile in vielen Kinderzimmern zum Standard gehört. Dabei dient eine würfelförmige Elektronik über diverse Figuren dem Erzählen von Geschichten. Jan Koenen von der Stadtverwaltung: „Mehr als hundert Figuren haben wir im Rahmen eines Förderprogramms angeschafft.“ Zwar regten solche Hörspiele die Fantasie der Kleinen an, stellten jedoch kein Ersatz und keine Konkurrenz zum Buch dar.

Tonies wie Jim Knopf und die Maus werden gerne in der Dillinger Bücherei ausgeliehen.
Foto: Jan Koenen/Stadt Dillingen

Gut dazustehen im Wettbewerb der Interessenvertreter scheint der Bayerische Bauernverband (BBV), dessen Kreisobmann Klaus Beyrer auf einen Organisationsgrad von 97 Prozent unter den 1200 landwirtschaftlichen Betrieben im Kreis verweist. Beyrer wäre nicht Beyrer, würde er dabei auf die augenzwinkernde Bemerkung verzichten, dass sich heute 20 Prozent der Bevölkerung bei der Diskussion um die Landwirtschaft als „Experten“ ausgeben würden: „Dabei haben sie überhaupt keine Ahnung von der Materie – das erinnert mich an die Debatte um den Bundestrainer.“

Und wie erging es den Landwirten?

Als Mann mit Kompetenz und Übersicht gilt Magnus Mayer, Chef des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), auf jeden Fall. Und der Behördenleiter präsentiert zum Abschluss des „Annus horribilis“, dem „schrecklichen Jahr“, Zahlen, die man nicht fürchten, sondern bestaunen soll. Danach produzierten die Kühe in der Region so viel Milch, dass jeder Einwohner 800 Liter im Jahr verbrauchen könnte (tatsächlicher Wert pro Kopf: etwa 300 Liter). Würde die jährlich produzierte Milchmenge gesammelt, würde sie – gesammelt – in einem Würfel mit der Kantenlänge von 42 Meter lagern. Zuckerrüben: Die geerntete Menge der Länge nach hintereinandergelegt, ergäbe etwa 40 000 Kilometer Gesamtlänge (Erdumfang). Laut AELF besteht ein Hektar Weizen mit neun Tonnen Ertrag aus rund 200 Millionen Körnern. Korn für Korn aneinandergereiht entspreche einer Länge von 500 Kilometern. Keine Zahlen mehr, bitte.

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