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06.07.2018

Das Zusamtal kommt ins Kesseltal

Magdalena Polzer hat 1997 ihre Musikschule gegründet.

Die Bissinger Musikwerkstatt von Magdalena Polzer wird von der Musikschule Wertingen übernommen

Zwischen zwei Betonpfeilern hängen weiße Banner mit bunter Schrift – links ist Musikwerkstatt Kesseltal e.V. zu lesen, rechts der Aufdruck Musikschule Wertingen. Zwei Namen, ein Gebäude. Noch. Denn in den Räumlichkeiten in der Hohenburgerstraße in Bissingen tut sich etwas. Eine Ära endet und ein neues Kapitel beginnt. Magdalena Polzer hat 1997 ihre eigene Musikschule in der Marktgemeinde gegründet und war seither nicht nur Gründerin, Leiterin, Verwalterin, Inhaberin und Lehrerin. Sie war und ist das Herzstück, das Gesicht der Schule, die vor wenigen Jahren in Musikwerkstatt Bissingen unbenannt wurde. Noch. Denn ab dem kommenden Schuljahr gibt es eine große Veränderung: Die Musikschule Wertingen übernimmt den Taktstock und macht aus der Musikwerkstatt ihre neue Außenstelle – und das war ein Wunsch von Magdalena Polzer. „Es ist an der Zeit. Es hat mich wahnsinnig belastet, nicht zu wissen, wie es weitergeht. Ich bin froh, dass wir so eine gute Lösung gefunden haben, und bin mir sicher, dass es auch gut weitergeht“, sagt sie und lächelt. Denn: Eigentlich ist die 66-Jährige offiziell seit zwei Jahren Rentnerin. Doch bislang hat sich keine geregelte Nachfolge gefunden. „Jetzt kann ich abschließen und Abstand nehmen. Aber wenn es brennt, bin ich natürlich bereit zu helfen – aber im kleinen Rahmen und im Hintergrund“, sagt Polzer. Aber ohne Frage: Leicht fällt es ihr nicht, die Musikwerkstatt Kesseltal, die seit vielen Jahren ein Verein ist, aufzugeben. Es ist ihr Baby.

Angefangen hat alles vor 21 Jahren im heimischen Keller im Haus in Bissingen. Die gebürtige Berlinerin, die nach mehreren Stationen an renommierten Musikschulen, mit ihrer Familie ins Kesseltal zog, hat den Versuch gewagt, sich mit ihrer Leidenschaft, der Musik, selbstständig zu machen. Mitte 40, nach drei Kindern, wagte sie den Neuanfang. Der Erfolg gab ihr recht. Schnell war der Keller zu klein, das Konzept, speziell der Schwerpunkt auf die musikalische Früherziehung, kam an. Die freien Büroräume bei ProSeniore boten sich an. „Ich wollte nie eine Konkurrenz zu Musikverein oder anderen Angeboten sein, sondern eine Ergänzung“, erzählt die studierte Musiklehrerin, deren Steckenpferd unter anderem die Blockflöte ist. Bei Polzers Schule, die stetig wuchs mit Schülern und Lehrern, gab es alles, was es in der klassischen Blasmusik nicht gab, es entstand ein Kinderchor, noch heute gibt es einen Erwachsenenfrauenchor, seit zehn Jahren gibt Polzer bei Bedarf in der Grundschule Blockflötenunterricht. „Alles was hier steht, habe ich selbst hingestellt oder organisiert. Vorerst soll es auch so bleiben, die Musikschule Wertingen kann direkt loslegen“, erzählt sie. Wichtig: Alle aktuellen Verträge mit der Musikwerkstatt laufen zum Schuljahresende aus, es müssen mit der Musikschule Wertingen neue ausgemacht werden. „Das Angebot wird sich sicher vergrößern und jeder kann weitermachen.“

Ob oder inwieweit ihr Verein weiter besteht, ist noch nicht endgültig geklärt. Wohl aber, dass die Gemeinde Bissingen nun künftig die Musikschule bezuschussen muss – wie es die Stadt Wertingen seit Jahren bei sich vor Ort auch tut. „Wir haben uns bislang fast ausschließlich selbst finanziert“, so Polzer. Es sei auch deshalb nicht einfach gewesen, eine Nachfolge zu finden, da sehr viele Ehrenamt gefragt sei. „Mir war trotzdem wichtig, dass die Musikwerkstatt nicht mit mir als Person aufhört“, sagt die 66-Jährige. Die Idee einer Außenstelle habe bei den Wertingern sofort Anklang gefunden. Eine weitere Neuerung: Der örtliche Musikverein schickt seine Schüler zur Ausbildung.

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Auch wenn alle Zeichen auf Neubeginn mit der Musikschule Wertingen stehen, so steckt noch immer Magdalena Polzers Musikwerkstatt drin. „Es hat eine gute Zukunft. Es geht nahtlos weiter. Darüber bin ich froh“, sagt sie. Und sie freut sich auch darüber, dass sie nun wirklich Rentnerin sein kann, mehr Zeit mit der Familie und im Garten verbringen und selbst wieder mehr Musik machen kann. Seit einem Jahr liegt das Cello in der Ecke, das soll sich wieder ändern. „Ich freue mich, nicht mehr in der ersten Reihe zu stehen, sondern einfach nur mitzumachen“, sagt sie. Vielleicht ja auch mal bei der Musikschule Wertingen.

Tag der offenen Tür Die Musikschule Wertingen mit ihrer neuen Außenstelle in Bissingen veranstaltet am Samstag, 21. Juli, von 10 bis 13 Uhr einen Tag der offenen Tür. Im Büro kann man sich gleich für das kommende Schuljahr anmelden, die Angebote werden vorgestellt und auch die Lehrer sind zum Kennenlernen vor Ort. Den genauen Zeitplan gibt es online unter www.musikschulewertingen.de.

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