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Mörslingen

27.06.2018

Das belastet die Landwirte in der Region

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Beim BBV-Erntegespräch hielten die beteiligten Landwirte mit BBV-Kreisgeschäftsführer Eugen Bayer (vordere Reihe links), BBV-Kreisobmann Klaus Beyrer (zweiter von links) und Kreisbäuerin Anett Jung (rechts) ihre Forderungen an die Politik ins Bild. Vordere Reihe rechts: Landrat Leo Schrell.
Bild: Horst von Weitershausen

Bauern fühlen sich von Politik und Gesellschaft ungerecht behandelt.

„Die Landwirtschaft muss sich endlich der Diskussion stellen, und um die ihr gebührende Akzeptanz in der Gesellschaft kämpfen“, appellierte Landrat Leo Schrell beim BBV-Erntepressegespräch im Betrieb von Michael und Anton Eberle in Mörslingen. Laut Schrell sei die Landwirtschaft „wichtig, hochkomplex aber auch umstritten“. Eröffnet hatte den BBV-Termin Michael Eberle und über seinen Betrieb mit rund 100 Stück Milchvieh, Nachzucht sowie 80 Hektar Ackerbau informiert.

BBV-Kreisobmann Klaus Beyrer sagte mit Blick auf die zu erwartende Getreideernte, dass Regen dringend erforderlich sei. Gerade in den nächsten zwei bis drei Wochen entscheide sich, wie die Getreideernte in diesem Jahr ausfällt. „Bis zum jetzigen Zeitpunkt erwarten wir in der Region ein durchschnittlich gutes Ernteergebnis, wobei die Preise möglicherweise durch die Ernten in Osteuropa noch mehr unter Druck geraten können“, führte Klaus Beyrer weiter aus. Bei der Gerste erwarten die Bauern laut BBV-Kreisobmann ein ordentliches Ergebnis, ebenso beim Weizen, sofern es noch mal regnet.

Der Raps reife zur Zeit zu schnell ab, Zuckerrüben benötigten ebenfalls dringend Niederschläge, bei Kartoffeln erwarte er in Ertrag und Qualität mindestens Durchschnitt und der Mais stehe außerordentlich gut. Doch abgesehen von dem jährlichen unkalkulierbaren Ernteergebnis habe die Landwirtschaft durch den immensen Flächenverbrauch, bedingt durch infrastrukturelle Maßnahmen, den enormen Kiesabbau in der Region sowie die große Anzahl von Ausgleichsflächen ein weiteres großes mit Risiko behaftetes betriebswirtschaftliches Problem. Des Weiteren schwebe über der deutschen Landwirtschaft das Damoklesschwert der „Afrikanische Schweinepest“, die bereits in Tschechien und Polen angekommen sei. Nun müsse mit aller Macht verhindert werden, dass die Seuche von Wildschweinen über die Grenzen in Deutschland eingeführt werde. Denn dies bedeute das Aus über Jahre für die Schweinemast- und Zucht in Deutschland, was auch für die Verbraucher verheerende Folgen haben würde.

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Eugen Bayer, BBV-Kreisgeschäftsführer, sagte mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung: „Die Welt ist auf die Leistungen der Landwirtschaft angewiesen“. Doch durch zunehmende Wetterkapriolen, Starkregen und lange Trockenperioden sowie die fehlende Unterstützung der Politik bei zur Zeit großen weltweiten Handelsunsicherheit würden die Risiken für die Landwirtschaft in Deutschland nicht weniger. Darüber hinaus sei die konventionelle Landwirtschaft laufend medialer und gesellschaftlicher Kritik ausgesetzt. „Doch ohne den chemischen Pflanzenschutz gibt es keine Ertragssicherheit“ gab Eugen Bayer weiter zu bedenken. Bezüglich des Artensterbens, sofern es überhaupt nachweislich durch Langzeitstudien nachgewiesen sei, dürfe nicht nur die Landwirtschaft verantwortlich gemacht werden. Gerade hier seien Umweltschutzvorgaben, wie beispielsweise die neue Düngeverordnung, bedeutend restriktiver als in anderen Wirtschaftszweigen. Hier würden teils vollkommen emotionalisiert Behauptungen aufgestellt, die nicht zu beweisen seien, so Bayer.

Bezüglich Umweltzerstörung sollte über den Braunkohleabbau zur Verstromung und den damit verbundenen ungeheuren Verlust an landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland mehr nachgedacht werden. Kreisbäuerin Anette Jung forderte in diesem Zusammenhang mehr Wertschätzung für die Leistung der Landwirte im Hochwasserschutz mit der Bereitstellung ihrer Flächen für den Riedstrom.

Als ein weiteres Beispiel, wie mit dem Flächenraubbau in der Region umgegangen wird, ist nach den Worten der Kreisbäuerin die B-16-Trassenplanung bei Höchstädt. Hier werde ein Flächenverbrauch von rund 60 Hektar ebenso so einfach hingenommen wie die Zerstörung eines Wasserschutzgebietes, obwohl bei einer bereits bestehenden Trassenalternative nur rund zehn Hektar an meist kommunaler Fläche verbraucht würden und das Wasserschutzgebiet erhalten bliebe. Landrat Leo Schrell sagte zum Thema B-16-Umgehung von Höchstädt: „Die Straße ist für den Landkreis immens wichtig und die Stadt Höchstädt hätte über die Trassenführung entscheiden können.“ Da hier jedoch jahrelang keine Einigung erzielt worden sei, habe sich der Bund für die nun bestehende Trassenplanung entschieden. Bezüglich des Themas Ausgleichflächen bestätigte Leo Schrell die Landwirte und sagte, dass dies nicht überall Sinn mache.

Zum Thema Getreidepreis befragt, sagte Georg Tausend von der gleichnamigen Agrarhandel GmbH in Lauingen: „Die Weltmarktversorgung ist gut.“ Dennoch erwarte er keine schlechteren Preise als im Vorjahr, möglicherweise sogar eine Preiserhöhung von rund zehn Prozent. Dies bestätigte auch für den regionalen Bereich Michael Schmied von der Raiffeisenbank Aschberg und Robert Fenis vom Handelskonzern BayWa brachte bei seiner Einschätzung noch die Politik der USA als großen Unsicherheitsfaktor ins Gespräch, was die gesamte europäische Landwirtschaft ebenso ins Wanken bringen könne, wie schlechte Witterungsbedingungen.

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