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Landwirtschaft

12.06.2015

Das leuchtende Gelb verschwindet von den Feldern

Die Natur malt gelb. Meist in den ersten drei Maiwochen leuchten die sonnengelben Rapsblüten von den Feldern und verströmen einen süßlichen Duft, wie hier bei Gottmannshofen rund um die Napoleonstanne. Kontinuierlich ist der Anbau der Ölpflanze in den vergangenen Jahren im Landkreis Dillingen zurückgegangen. Hier, wo er einst große Hoffnungen weckte.
Bild: Bärbel Schoen

Raps gilt als wertvolle Frucht. Warum er dennoch in der Region immer weniger angebaut wird

Von Birgit Alexandra Hassan

Region Wertingen Er ist ihm treu geblieben. „Raps ist eine gute Frucht“, sagt Klaus Beyrer. Für den 50-jährigen Landwirt lockert er die Fruchtfolge auf, dient als Vorfrucht des Weizens. Auf zehn seiner 60 Hektar baut der Kreisobmann des Dillinger Bauernverbands jährlich Raps an, und das seit Jahrzehnten. Damit gehört Klaus Beyrer zu den Ausnahmen im Landkreis Dillingen. Die meisten anderen nämlich haben den Rapsanbau in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgefahren oder ganz eingestellt. Die leuchtend gelben Felder sind vielerorts dem Mais und Getreide gewichen.

Nach Einschätzungen des Wertinger Landwirtschaftsamtes sind die Anbauflächen von Raps dieses Jahr im Vergleich zum vergangenen erneut um 25 Prozent zurückgegangen. Sachgebietsleiter Ottmar Hurler spricht von einer Halbierung der Ölfrüchte in den vergangenen zehn Jahren. Die Gründe dafür sind leicht nachvollziehbar: Erstens braucht Raps viel Pflege und Pflanzenschutz, zweitens können die erzielten Erträge schwer mit anderen konkurrieren.

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Größter Konkurrent für den Raps ist der Mais. Dabei verzeichnet in den Statistiken des Landwirtschaftsamtes der Teil, der an Rinder verfüttert wird, sogar einen leichten Rückgang. Laut Hurler wandert heutzutage der gleiche Anteil wie der der Verfütterung in die Biogasanlagen für die Stromerzeugung. „Seit die Förderung der Biogasanlagen zum politischen Ziel erklärt wurden.“

Dabei war es einst der Raps, der die Landwirte in puncto alternative Energien hatte aufhorchen lassen. Der Landkreis Dillingen gehörte zu den Vorreitern, wo es um das Umrüsten von Traktoren und Schleppern auf den heimisch nachwachsenden Rohstoff Rapsöl ging. „Wir waren sehr weit voran“, sagt BBV-Kreisobmann Klaus Beyrer. „Dann haben sich die Ideen und Träume der hiesigen Bauern und Ölhersteller über Nacht zerschlagen.“ Als nämlich das Öl plötzlich besteuert wurde. Laut Beyrer war Rapsöl für Speditionen damit uninteressant.

Ihn selbst hat das keineswegs vom Rapsanbau abgehalten. Der 50-jährige Vollerwerbslandwirt aus Aislingen schwört trotz aller Schwierigkeiten auf den Raps, zumal er Beiratsmitglied der Rapserzeugermeinschaft ist. „Der Rapsschrot, der bei der Ölpressung anfällt, ist ein eiweißreiches Futter für Rinder und Schweine.“ Das Öl selbst werde nach wie vor dem Diesel beigemischt – sieben Prozent heißt es auf der Zapfsäule. „Je mehr Beimischung, desto weniger Feinstaub-Belastung“, sagt Beyrer. Der Rest werde zu Speiseöl verarbeitet. Wo genau das passiert, überlässt Beyrer anderen. „Ich verkaufe meinen gedroschenen Raps an den örtlichen Landhandel.“ Und selbst das Dreschen – der Mähdrescher braucht einen speziellen Schneidwerkvorsatz – überlässt er dem Maschinenring.

Beyrer selbst konzentriert sich, gemeinsam mit seiner Frau und seinem Vater, mehr auf den Anbau und das Gedeihen von Gerste, Mais, Zuckerrüben, Raps und Weizen. Letzterer macht den größten Teil seiner Anbauflächen aus. Einen Teil des Weizens verfüttert er an seine Mastschweine, der Rest wandert in die Getreidemühle, wird Nahrung für die Menschen. Alle vier Jahre wächst auf dem Feld, im Wechsel mit Weizen und Gerste der Raps. „Die folgende Frucht“, sagt Hurler vom Landwirtschaftsamt, „wirft meist einen großen Ertrag ab.“ Denn ein großer Teil der tief wurzelnden Pflanze bleibt auf dem Feld, wird nach dem Abdreschen gehäckselt und in den Boden eingearbeitet.

Bis es heuer soweit ist, dauert es noch ein paar Wochen. Ende Juli wird der Raps in der Regel geerntet. Ausgesät im Herbst auf ein sorgfältig hergerichtetes Saatbeet, musste er erst einmal vor Schädlingen bewahrt werden. Rapserdflöhe und Ackerschnecken lieben ihn laut Beyrer sehr. Wenn er im Frühling nach dem Winter noch da steht, – wie dieses Jahr – sei schon viel gewonnen. Nach der dreiwöchigen Blüte im Mai bilden sich und reifen die Schoten. Der Regen reichte dafür heuer allemal. Für die kommenden sechs Wochen wünscht sich Landwirt Beyrer jetzt „ein kontinuierliches Sommerwetter ohne Extremtemperaturen“.

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