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Landkreis Dillingen

19.02.2021

Das sagen Naturschützer aus dem Kreis Dillingen zum Insektenschutzgesetz

Der Bund Naturschutz im Kreis Dillingen nimmt ebenfalls Stellung zum Insektenschutzgesetz.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand (dpa)/Symbolbild

77 Prozent der Fluginsekten sind in den vergangenen 30 Jahren verschwunden, so der Bund Naturschutz. Umso mehr begrüßt der Dillinger Kreisverband das Insektenschutzgesetz. Freiwilligkeit, etwa beim Thema Pestizide, reiche nicht mehr.

Schutzgebiete Das Insektenschutzgesetz betrifft die Bewirtschaftung in Fauna-Flora-Habitat-Gebieten (FFH) und Vogelschutzgebieten. Dort soll es massive Einschränkungen geben und der Pflanzenschutz soll ganz verboten werden. „Dieses Gesetzespaket soll hochsensible Gebiete schützen“, sagt die Kreisvorsitzende vom Bund Naturschutz, Heidi Terpoorten. Der Bund Naturschutz hält es für unabdingbar, endlich ernst zu machen mit einer Reduktionsstrategie für Pflanzenschutzmittel, wie sie jetzt für Schutzgebiete vorgeschlagen ist. Das Anwendungsverbot in Schutzgebieten sollte nicht nur bienenschädigende, sondern auch bestäuberschädigende Insektizide umfassen.

Ein Blindheimer warnt: Unkrauftvernichter schaden vor allem Kindern

Unkrautvernichter/Pflanzenschutzmittel „Schon seit vielen Jahren zeigen immer mehr Studien von Wissenschaftlern weltweit, dass Pestizide die Gesundheit des Menschen nachhaltig schädigen können und oft Ursache für Krebs, Parkinson, Immun- und Nervenschäden sowie Allergien sind. Dabei ist besonders beängstigend, dass diese Gifte vor allem Kinder gefährden“, sagt BN-Mitglied Dieter Leippert aus Blindheim. Pestizide würden zudem nachhaltig schädigende Auswirkungen auf Ökosysteme und natürliche Lebensgrundlagen haben. „Deswegen ist es nicht nur für mich, sondern für viele Menschen schwer nachvollziehbar, dass die politisch Verantwortlichen die Anwendung von Pestiziden lediglich in ökologisch sensiblen Gebieten und nicht gänzlich verbieten wollen“, so Leippert.

Man muss nicht jedes Kraut verteufeln, findet ein Biobauer aus dem Kreis Dillingen

Glyphosat Die Anwendung von Totalherbiziden, wie Glyphosat, muss generell beendet werden. „Auch Gewässer müssen dringend besser vor Einträgen geschützt werden. Freiwilligkeit reicht da nicht aus, solange es billiger ist, Glyphosat einzusetzen als Bodenbearbeitung, mechanische Beikrautregulierung und ausgewogene Fruchtfolgen anzuwenden“, sagt BN-Agrarreferentin Marion Ruppaner. Thomas Hefele, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe Bund Naturschutz im Landkreis, ist selbst Biobauer im Nebenerwerb. Er sagt: Wenn es heiß ist, könne man die Quecke mit oberflächlicher Bodenbearbeitung nach oben bringen. Dann verdörrt sie. „Das klappt mal mehr, mal weniger. Aber man muss nicht alles verteufeln. Die Quecke gehört auch ein Stück weit dazu“, sagt er.

Gewässerrandstreifen Wirtschaftliche Überlegungen sollten nicht länger über den Schutz von Lebensräumen gestellt werden. „Seit Jahrzehnten hoffen und warten wir auf freiwillige Maßnahmen wie Abstandsregelungen in sensiblen Gebieten, wie Gewässerrandstreifen, leider meistens erfolglos“, beklagt Thomas Hefele. „Es kann nicht sein, dass beim Insekten- und Trinkwasserschutz wirtschaftliche Überlegungen über den Schutz von Lebensräumen gestellt werden.“ Dass die Landwirtschaft am Artensterben unschuldig ist, könne man so einfach nicht sagen.

Fazit Hefele meint, der Bauernverband hätte sich beim Gesetzentwurf des Kabinetts im Vorfeld mehr einbringen können. Etwa um Prämien für Insektenschutzmaßnahmen zu verankern. Diese Chance sei nicht genutzt worden. Nun sei das Gesetz durch. Hefele rechnet nicht mit großen Veränderungen daran in Bundesrat und -tag.

Ausblick „Wir brauchen einen Gesellschaftsvertrag für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Der kann nur zustande kommen, wenn wir alle daran mitarbeiten, mithelfen und sich nicht einzelne Gruppen vor ihrer Verantwortung drücken. Ich wünsche mir endlich eine konstruktive Unterstützung der Bauern und nicht das ewige „Nein“-Gesage“, erklärt Hefele, der auch Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft ist. Die Artenvielfalt sei heute mehr als gefährdet. Ein Nichthandeln führe in eine Welt, wo irgendwann die eigene Spezies an der Stelle des Aussterbens stehen wird. (corh mit pm)

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