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Bissingen

15.09.2018

Das sagt der Gropper-Betriebsrat zum Tarifausstieg

Die Molkerei Gropper ist aus dem Tarifvertrag ausgestiegen.
Bild: Molkerei Gropper

Die Bissinger Molkerei Gropper ist aus dem Tarifvertrag ausgestiegen. Wie beurteilt der Betriebsrat diesen Schritt?

Die Botschaft, die Helmut Schmidt und Daniel Seiler übermitteln wollen, ist eindeutig: Es gibt keine Verschlechterung für die Mitarbeiter. Auch nicht für neue Mitarbeiter. „Die beinhalteten Arbeitsbedingungen bleiben gleich“, betonten die beiden Betriebsratsvorsitzenden der Bissinger Molkerei Gropper: „Und genau deshalb tragen wir den Ausstieg aus dem Tarifvertrag mit.“ Dass das Kesseltaler Unternehmen diesen Schritt unternimmt, ist seit eineinhalb Wochen bekannt. Auch, dass der Betriebsrat hinter dieser Entscheidung steht. „Wir wollen transparent sein und mögliche Verunsicherungen aus dem Weg räumen. Es liegt uns am Herzen, dass wir für Klarheit sorgen“, sagt Helmut Schmidt. Dabei betont er, dass es im Bissinger Betrieb selbst ganz ruhig sei, die Mitarbeiter alle auf dem aktuellesten Stand seien.

Unruhe komme mehr von außen, fügt Kollege Seiler hinzu. Unbegründet, wie sie sagen. „Grundsätzlich gibt es mehrere Tarifverträge. Es laufen alle weiter, bis auf den, in dem das Entgelt geregelt ist. Firmenchef Gropper hat uns zugesichert, dass alles, was in diesem jetzigen Tarifvertrag festgelegt ist, auch weiter gilt – und für die Zukunft“, erläutert Seiler. Das werde aktuell auch auf rechtssichere Beine gestellt. Heißt: Alle Mitarbeiter von Gropper bekommen weiter die prozentuale Bruttoentgelterhöhung, es gibt weiter Weihnachtsgeld und der Arbeitgeberanteil zur Pensionskasse verringert sich nicht. So bestätigen es Schmidt und Seiler. „Und aus diesem Grund stehen wir auch hinter der Entscheidung von Gropper“, so Helmut Schmidt.

Molkerei Gropper: Der Tarifausstieg kam nicht überraschend

Der Schritt zum Tarifausstieg sei zudem nicht überraschend gekommen. „Wir wollen für die Zukunft flexiblere Arbeitszeitmodelle haben. Unser Modell mit den Handelsmarken erfordert diese Flexibilität. Im Sommer läuft beispielsweise der kalte Kaffee gut, im Winter ist es dann der Pudding“, erläutert Daniel Seiler und Helmut Schmidt fügt hinzu: „Unsere Mitarbeiter arbeiten bei Bedarf auch gerne samstags und sonntags. Da zahlt Gropper sogar mehr als im Tarif festgelegt.“

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Wichtig ist den beiden Mitarbeitervertretern auch, dass zum Zeitpunkt der Klage gegen die interne Betriebsvereinbarung auch der Betriebsrat neu gewählt worden ist. Die 13 Vertreter stammen nun aus allen Abteilungen. „Und genau deshalb teilen wir vielleicht nicht immer die Meinung der Gewerkschaft“, so Schmidt. Mit der Geschäftsleitung würden nun gute Verhandlungen laufen, es gebe keine Konfrontation. Schmidt und Seiler sprechen von einer konstruktiven Zusammenarbeit mit Firmenleitung, Betriebsrat und Mitarbeitern. „Und alle sind informiert.“

Wie berichtet, gab das Bissinger Unternehmen vergangene Woche offiziell bekannt, dass es aus dem Tarifvertrag der bayerischen Milchwirtschaft aussteigt. In einer Stellungnahme hieß es: „Molkerei Gropper setzt auf betriebliche Regelungen als Erfolgsmodell.“ Die Geschäftsleitung wolle die Arbeitsbedingungen auch künftig „direkt, gemeinsam und rechtssicher mit dem Betriebsrat und den Mitarbeitern gestalten“. Deshalb habe man sich dazu entschieden, in die tariffreie Mitgliedschaft des Arbeitgeberverbandes zu wechseln. Dadurch habe die Firma den „notwendigen Gestaltungsraum auf betrieblicher Ebene“, man könne die Arbeitsbedingungen exakt für alle regeln.

Heinrich Gropper: "Wir wollen in Ruhe arbeiten"

Firmenchef Heinrich Gropper sagte im Interview gegenüber unserer Zeitung: „Wir wollen auch in Zukunft erfolgreich sein. Gropper will nicht mit dem Kopf durch die Wand, er will selbst mit seinen Mitarbeitern das Heft in der Hand haben. Wir wollen in Ruhe arbeiten, und das erfolgreich. Wie wir das schon in der Vergangenheit getan haben. Das wollen wir nicht gefährden – und erst recht nicht durch Leute von außen.“

Vor dem Ausstieg aus dem bestehenden Tarifvertrag ist ein Urteil des Arbeitsgerichts Donauwörth, das besagt, dass die Betriebsvereinbarung in weiten Teilen ein Verstoß gegen den geltenden Tarifvertrag der bayerischen Milchwirtschaft sei. Wie berichtet, hat genau gegen diese Vereinbarung die NGG, die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, geklagt. Immer wurde vor den Werkstoren in Bissingen auch gestreikt. NGG-Geschäftsführer Tim Lubecki sagte vergangene Woche, nachdem der Austritt aus dem Tarifvertrag bekannt wurde: „Damit steht der gute Ruf der Molkerei auf dem Spiel.“

Und weiter: „Mit der Tarifflucht endet die Friedenspflicht. Ein Haustarifvertrag ist jetzt mit Streiks durchsetzbar.“ Molkereichef Gropper schließt diesen Vorschlag kategorisch aus. „Ich will keinen Haustarif. Wenn wir Vereinbarungen machen, dann mit unseren Mitarbeitern und nicht mit der NGG“, sagte er im Interview vergangene Woche. Daran hat sich nichts geändert.

Hintergründe zum Konflikt finden Sie hier.

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