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Dillingen

28.12.2017

Dem Betrug auf die Schliche kommen

Auf dem ersten Blick nicht gleich zu erkennen – doch diese Banknoten sind nicht echt. Bei dem 100 Euro-Schein sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Josef Behringer und sein Team sind an dem Fall dran.
Bild: Judith Roderfeld

Josef Behringer ermittelt, wenn der Streifendienst abgezogen ist. Eine Aufklärung wie im Krimi gelingt selten.

Enkel-Tricks, Falschgeld-Betrug, Banküberfälle und Geldwäsche: Es sind Fälle, die dem Schauplatz eines Krimis entsprungen sein könnten und in Großstädten an der Tagesordnung stehen. Zugleich sind es Fälle aus dem Landkreis – jene, die den Alltag von Josef Behringer bestimmen. Der Kriminalhauptkommisar taucht auf, wenn der Streifendienst vom Tatort abzieht. Er ermittelt, bis jeder Täter gefasst ist. Behringer leitet das Kommissariat 2 bei der Dillinger Kripo.

Auf dem Tisch liegt ein 100 Euro Schein – einer, der dem Original täuschend ähnlich sieht. „Das ist eine Fälschung“, sagt Behringer. Der grüne Banknote ist umhüllt mit Plastikfolie. Zusätzliche Fingerabdrücke würden es erschweren, den Gesuchten zu finden.

In seinem Team geht es oft um Falschgeld. Im Landkreis Dillingen und Donau-Ries waren 2017 73 Fälle bekannt. Knapp 20 mehr als noch vor drei Jahren. „Über Bäckereien oder Metzgereien versuchen die Täter, das Geld an den Mann zu bringen“, erklärt Behringer. Immer an den Orten, an denen viel Betrieb ist, wenig Zeit, um jeden Schein einzeln zu überprüfen. Das Schlimme an diesem Betrug sei vor allem eines: „Der Geschädigte ist meist der letzte Besitzer und bleibt oft auf dem Schaden sitzen.“

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Weltweit gebe es jede Menge Fälscherwerkstätten. Die wüssten, wie sie die im Tiefdruckverfahren angefertigten Scheine täuschend echt aussehen lassen. Mittlerweile ließe sich auch über das Darknet Falschgeld besorgen, erklärt Kollege Alois Oberfrank. „Die können zum Beispiel im 10er- oder 20er-Pack bestellt werden.“ Es gebe viele Merkmale, die auf eine Kopie hindeuten, insgesamt sieben. Der Experte hält einen gefälschten 50-Euro-Schein hoch und streicht mit seinem Finger über die Mitte der Banknote. „Der echte Silberfaden ist in das Papier eingezogen.“ Beim Wasserzeichen ist es ähnlich. Bei den Fälschungen werden diese oft nur mit Farbe vorgetäuscht. Behringer erinnert sich an einen Fall aus dem Landkreis. Bei einer Faschingsparty seien an einem Abend elf Scheine in Umlauf gewesen. Aufgefallen ist das erst, als eine Frau das eingenommene Geld bei der Bank einzahlen wollte. Der 51-Jährige und sein Team fassten die Gruppierung, die für die Tat verantwortlich war. Das war nicht deren erstes Vergehen mit falschen Banknoten. „Vielen ist nicht bewusst, dass das kein kleiner Ladendiebstahl ist. Das Inverkehrbringen von Falschgeld liegt höher und wird entsprechend geahndet.“ Zehn Jahre leitet Behringer schon das Kommissariat 2. 1998 ist er zur Kripo Dillingen gekommen und war vorher rund acht Jahre beim BLKA, Rauschgiftfahndung.

Er und seine Kollegen sind zuständig bei Wirtschaftskriminalität wie Insolvenzbetrug oder wenn es um Eigentumsdelikte geht, die einen gewissen Wert übersteigen. Bricht jemand in ein Bekleidungsgeschäft ein und entwendet Ware in der Summe, sind Behringer und seine Leute zur Stelle. Genau so, wenn Vermögensdelikte begangen werden. Der Enkel-Betrüger-Trick fällt in das Segment. Anrufer geben sich als Verwandte aus und bewegen ältere Menschen dazu, Geld von der Bank zu holen oder auf ein bestimmtes Konto zu überweisen. „Das geht meist von Callcentern in der Türkei aus“, erklärt Behringer. Aus dem Grund sei die Aufklärung besonders schwierig. „Wir sind deshalb auf die Mithilfe der Bürger angewiesen.“

Ähnlich bei den Fällen, in denen sich Betrüger als falsche Polizisten ausgeben. „Im November kam die große Welle.“ Wie bei dem Enkel-Trick erhoffen sich die Personen, den Opfern Geld aus der Tasche zu ziehen. Im Display des Telefons stehe die Nummer des Polizei-Notrufs, inklusive örtlicher Vorwahl. „Das macht es so schwierig“, sagt Kollege Oberfrank. Genau wie die Tatsache, dass sie sich mit deutschen Namen vorstellen, wie Schön und Fröhlich. Die Betroffenen werden über Stunden am Telefon gehalten. „Das ist psychologisch gut gemacht“, betont Oberfrank. Fest stehe aber, dass, sollte die Polizei anrufen, niemals die Notrufnummer im Display erscheine.

Im Landkreis habe es glücklicherweise nur Versuche gegeben, sagt Behringer. „Zu Schaden kam keiner.“ Mittlerweile werden die Fälle im Präsidium zentral bearbeitet, um zusammenhängende Fälle besser erkennen zu können.

Geht es um schwere Raubüberfalle, sind Behringer und sein Team ebenfalls verantwortlich. Insgesamt vier gab es vergangenes Jahr in den beiden Landkreisen. „Die Zahl der Überfälle geht zurück“, sagt der 51-Jährige. Verständlich, so sei die Strafe für Raubüberfälle ziemlich hoch angesetzt. Die Beamten des Kommissariats sind bei den Straftaten vor Ort, um die Ermittlungen aufzunehmen. Das heißt, sie vernehmen Zeugen, Verdächtige sowie Beschuldigte und überprüfen Fahrzeuge. Um die Informationen und Beweismittel zu bewerten, arbeiten die Ermittler eng mit den Kollegen der Spurensuche zusammen.

Bis ein Gesuchter gefasst, das Verbrechen genau rekonstruiert ist, dauert es. So schnell wie beim Tatort laufe es nicht, sagt Behringer und lacht auf. „Im Krimi schreiben die Ermittler nie was mit.“ Das sei völlig unrealistisch. „Wir müssen alles dokumentieren, um der Staatsanwaltschaft jeden Schritt vorlegen zu können.“ Bis Ermittlungen endgültig abgeschlossen seien, könne es manchmal Jahre dauern.

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