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Kultur

15.02.2018

Der „Dillinger Seehund“

Wilhelm Bauer
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Wilhelm Bauer
Bild: Reinhard Oberdorfer

Ein Museum-Spezial über und den Techniker und U-Boot-Erfinder Wilhelm Bauer.

Sich wie ein Fisch im Wasser bewegen zu können, gehörte von je her zu den großen Träumen der Menschheit. Entscheidendes auf dem Weg zu einer erfolgreichen, heute selbstverständlichen Unterwassertechnik leistete dabei Sebastian Wilhelm Valentin Bauer, der am 23. Dezember 1822 in Dillingen geboren wurde und am 20. Juni 1875 in München starb. Obwohl sein Lebenswerk unvollendet bleiben musste, ist er einer der bedeutenden deutschen Erfinder des 19. Jahrhunderts, der auch als Vater des modernen U-Bootes gilt. Zu seinen Ehren übernahm die Stadt Dillingen 1998 die Patenschaft für das Ausbildungszentrum Uboote (AZU) der Deutschen Marine in Eckernförde.

Für Bauer, der den Beruf eines Drechslers erlernt hatte und dann Soldat geworden war, brachte das Jahr 1849 die entscheidende Wende in seinem Leben. Im Krieg zwischen Dänemark und dem Deutschen Bund um Schleswig-Holstein nahm er als Unteroffizier im bayerischen Hilfskorps an den dortigen Kämpfen teil.

Dabei kam der fantasiebegabte und schon früh an der Lösung technischer Probleme interessierte Autodidakt erstmals auf die Idee, Schiffe, Brücken und Hafenanlagen unter Wasser anzugreifen. Dazu sollte ein Explosivkörper, der sogenannte „Brand“, von einem Tauchboot am feindlichen Objekt befestigt und zur Explosion gebracht werden – daher der Name „Brandtaucher“ oder „Brandner“ für das nun geplante Unterwasserfahrzeug. Noch in Jütland studierte Bauer die natürlichen Bewegungsabläufe des Seehundes, um mit Hilfe dieser Kenntnisse den dafür geeigneten technischen Apparat zu bauen. 1850 erfolgte die Ausführung: In Kiel entstand das erste deutsche Unterseeboot, der „Brandtaucher“, auch „Eiserner Seehund“ genannt, jedoch aus Mangel an Geldmitteln unvollkommen, weshalb das Boot am 1. Februar 1851 schon beim ersten Tauchversuch in der Kieler Förde sank. Bauer und seine beiden Begleiter konnten sich glücklicherweise retten. Das Wrack wurde erst 1887 beim Ausbaggern des Kieler Hafens gehoben und später rekonstruiert. Heute steht es im militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden.

Der Kieler Misserfolg, an dem Wilhelm Bauer letztlich schuldlos war, prägte das weitere, von Abenteuern, Erfolgen, Enttäuschungen und Schicksalsschlägen gekennzeichnete wechselvolle Leben des genialen Technikers nachhaltig. Knapp zwei Jahrzehnte waren ihm für seine Erfindertätigkeit vergönnt, in denen er sich mit rund fünfzig interessanten (manchmal auch skurrilen) Objekten beschäftigte, zu deren Verwirklichung sich der bayerisch-deutsche Patriot oft gezwungen sah, im Dienste fremder Staaten zu arbeiten. Von den wichtigsten Lebensstationen und Erfindungen Wilhelm Bauers berichten Reinhard Oberdorfer und Ludwig Hengge in der nächsten Veranstaltung der Reihe „Museum Spezial“ am kommenden Sonntag, 18. Februar, um 15 Uhr, im Dillinger Stadt- und Hochstiftmuseum. Dazu – und zum Besuch des Raumes, der im Museum dem bedeutenden Sohn Dillingens gewidmet ist – lädt der Museumsarbeitskreis ein. (pm)

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