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Heimatgeschichte

18.11.2017

Der Geißhans aus Schwennenbach und der Prinz von Savoyen

Am Eingang zum Wohnhaus des Anwesens am Kugelbachweg in Schwennenbach erinnert eine bildliche Darstellung an den Goiß Hans mit dem Hinweis, dass der Hausname bis heute als „Geißhanshof“ bekannt ist.
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Am Eingang zum Wohnhaus des Anwesens am Kugelbachweg in Schwennenbach erinnert eine bildliche Darstellung an den Goiß Hans mit dem Hinweis, dass der Hausname bis heute als „Geißhanshof“ bekannt ist.

Josef Beck hat an seinem Haus ganz besonderen Malereien. Es sind wertvolle Erinnerungen an die Schlacht von 1704. Deshalb kommen viele Menschen zu ihm auf den Hof

Ein Ziegenhirte, ein Prinz und ein Herzog – und das alles in Schwennenbach. Passt das zusammen? Ja. So gut, dass viele Menschen aus nah und fern, teils ganze Busse voll, schon in den kleinen Stadtteil von Höchstädt gepilgert sind. Alle zu Josef Beck auf den Hof, direkt bei der Wallfahrtskirche. Und diese Geschichte beginnt mit einem jungen Buben, dem Geißhans. Der Sage nach konnte der Junge von Schwennenbach, der in jenen Tagen die Ziegen der armen Häusler hütete, aufgrund seiner guten Ortskenntnisse den Kaiserlichen unter Prinz Eugen die genaue Position der Feinde zeigen. Deshalb konnte dieser einen Überraschungsangriff gegen Franzosen und Bayern auf seinem Schlachtenflügel führen. Nach der gewonnen Schlacht 1704 habe ihm der Kaiserliche Heerführer als Belohnung einen stattlichen Bauernhof von über 130 Tagwerk in Schwennenbach geschenkt. Der Hof besteht in baulich veränderter Form heute noch und ist nach wie vor unter dem Hausnamen „Geißhanshof“ bekannt.

Durch das große Interesse von Besuchern, hauptsächlich aus Österreich und Großbritannien, an dem Schlachtfeld von 1704 mit seinen Gebäuden, wurde auch der „Geißhanshof“ in Schwennenbach häufig von Busgesellschaften angefahren, weiß Josef Beck, bis zur Hofübergabe an seinen Sohn Inhaber des Anwesens, zu berichten. Daher habe bereits sein Vater sich zu Beginn der 1960er-Jahre entschlossen, an der Giebelseite des Hauses zur Straße ein Bild von Prinz Eugen und am Hofeingang ein Bild vom Goißhans malen zu lassen. Nach all den Jahren seien die beiden Bilder jedoch verblasst, berichtet er. Deshalb ließ er sie jetzt vom Maler Konle aus Blindheim restaurieren.

Welchen historischen Stellenwert diese Geschichte hat, kann Josef Beck nicht beurteilen, da es dafür keine Aufzeichnungen gebe. Doch habe ihm sein eigener Großvater erzählt, dass beim Umbau des Anwesens Mitte des 19. Jahrhunderts diverse Ziegenstallanlagen beim Abriss alter Stallungen gefunden worden seien. Darüber hinaus habe es bis heute auch keinerlei Eigentumsänderung für das Hofanwesen gegeben. Aus diesem Grund stehe er vermutlich auch in der Nachfolge des Goiß Hans von Schwennenbach. Nachzulesen sei die Geschichte des Geißhans in den Schriften über die Schlacht von 1704. Diese habe auch in dem Heimat-Festspiel des Komponisten Paul Minter aus dem Jahr 1954 eine Rolle gespielt. Dies wird auch im Jahrbuch des historischen Vereins Dillingen aus dem Jahr 2004 über die Schlacht bei Höchstädt berichtet.

Die Schlacht vom 13. August 1704 gilt als eine der wichtigsten Schlachten im Spanischen Erbfolgekrieg. Sie hatte zur Folge, dass sich die französischen Truppen aus Deutschland bis auf die linke Rheinseite zurückzogen. Für Bayern begann nach der Niederlage eine zehn Jahre lange „brutale Besatzung“ durch die Österreicher. Dabei seien sie von den Kaiserlichen unterdrückt und ausgebeutet worden. „Max Emanuel wurde verbannt und kehrte erst 1714 in sein Wittelsbacher Stammland zurück.“

Rund 56000 französische und bayerische Soldaten waren an diesem heißen Augusttag auf etwa 52000 Mann des österreichisch-englischen Heeres getroffen. Gegen 11 Uhr begann das Gemetzel, bei dem bis zur Kapitulation der Franzosen und Bayern insgesamt rund 26000 Soldaten getötet oder verletzt wurden. Die Donauebene war übersät von Leichen der feindlichen Heere, die um die Hegemonie in Europa gekämpft hatten. So berichteten es Zeitgenossen, wie es in dem Buch geschrieben steht.

Der Gerichtsvogt Sebastian Burger aus Blindheim habe demnach in 27 Tagen, wie er schreibt, 15000 Gefallene bestattet. Die Einheimischen selbst wollten von dieser Art von Arbeit nicht einmal für 20 Taler pro Tag etwas wissen, berichten Chronisten. So seien die im Kampf gefallenen über 14 Tage lang, teilweise sogar drei bis vier Wochen lang unbestattet auf dem Schlachtfeld in der großen Augusthitze liegen geblieben. Dadurch habe sich über dem Schlachtfeld für lange Zeit der Geruch des Todes verbreitet.

Mit dem Sieg in einer der blutigsten Schlachten der Weltgeschichte zwischen Blindheim und Lutzingen begann der Aufstieg Englands zur Weltmacht. Frankreichs Vorherrschaft in Europa wurde bis zum Aufstieg Napoleons zurückgedrängt. All diese Erinnerungen blühen auch auf dem Hof von Josef Beck in Schwennenbach auf.

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