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29.06.2009

Der Mauerfall - erlebt in Ost und West

Lauingen Dieses Bild hat sich wohl bei vielen ins Gedächtnis eingebrannt: ein Mann, der in seinen Unterlagen wühlt. Einer, der in diesem Moment eine weltpolitische Sensation verkündet und damit die DDR ins Bodenlose stürzt. "Nach meiner Kenntnis (…) sofort, unverzüglich", antwortet SED-Politbüro Mitglied Günter Schabowski am 9. November 1989 auf die Frage, ab wann denn nun die DDR-Bürger frei in den Westen reisen dürfen. Die Menschen stürmen die Mauer.

Fast 20 Jahre ist dieser Moment nun her. Seit zehn Jahren besteht eine Städtepartnerschaft zwischen Lauingen und dem Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Zwei Jubiläen - Grund genug, sich bei einer Podiumsdiskussion am Samstagmorgen im Lauinger Hotel "Drei Mohren" zu erinnern. Mit einem Rollenspiel stimmten Berliner Kinder die Zuhörer darauf ein.

Lieber früh ins Bett

Wolfram Spiller sitzt am Abend des 9. November 1989 vor dem Fernseher. Er sieht Schabowski, wie der in seinen Unterlagen wühlt, hört dessen Ankündigung. Spiller rüttelt seine Frau wach, will mit dem guten alten Warthburg mal rüber, in den Westen. Doch seine Frau will nichts davon wissen. Schließlich ging es am nächsten Tag auf einen Ausflug, der war damals eben wichtiger. Spiller erzählt die Geschichte mit Humor. Dabei verliert er zunächst seine Arbeit, muss sich in dem neuen System erst einmal zurechtfinden.

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Die Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf, Dagmar Pohle, empfindet die Tage zwischen 1989 und 1990 vor allem als rasant. Und Wilfried Nünthel, damals an zahlreichen runden Tischen dabei, erinnert auch an diese Fragen: "Was soll nun werden?" Er beschreibt die Ungewissheit der Menschen und seine eigene: "Was wird aus meiner Frau, meinen Kindern?"

Petra Pau (Linke), heute Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, erkennt das Ausmaß von Schabowskis Aussage erst am 10. November. Sie steigt etwas verschlafen in die S-Bahn zu ihrem Arbeitsplatz kurz vor der innerdeutschen Grenze. Normalerweise, so erinnert sie sich, leerten sich die Züge immer. Nur wenige Passagiere fuhren bis zur Endstation. An diesem Tag bleiben die Massen in der S-Bahn. Pau erfährt erst von Kollegen, was in der Nacht geschah.

FDP-Landtagsabgeordneter Professor Georg Barfuß ist bei einem Seminar. Plötzlich stürmt jemand ins Zimmer und ruft: "Die Mauer ist gefallen." Barfuß und die anderen stürzen an den Fernseher. "Wir haben geheult." Ohne die damalige politische Großwetterlage wäre die Geschichte nicht so verlaufen, meint der ehemalige Lauinger Bürgermeister bei der Podiumsdiskussion.

Hubert Götz aus Lauingen erreicht nach mehreren Tagen endlich einen Bekannten in Berlin. Und er lädt Fußballer aus Marzahn-Hellersdorf zu einem Turnier ein. Die Sportler sind die Mannen um Wolfram Spindler. Sie reisen mit dem Zug an - kurz nach dem Mauerfall. Ihr Begrüßungsgeld bekommen sie in Höchstädt. Und beim Fußballturnier in Gundelfingen belegen sie den vierten Platz. Es ist der Beginn einer Städtepartnerschaft nach dem Geschmack von Willy Brandt, sagen viele - da wächst zusammen, was zusammengehört.

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