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Landkreis Dillingen

29.12.2020

Der Mut der Frauen im Kreis Dillingen zur Selbstständigkeit

Vor allem Frauen haben sich 2020 selbständig gemacht.
Bild: Richard Lechner/Symbolbild

Plus Trotz Corona gab es bis Ende Oktober 2020 im Landkreis mehr Gewerbeanmeldungen als im gleichen Zeitraum im Jahr zuvor. Und das vor allem von Frauen. Können Männer da etwa nicht mithalten?

Zahlreichen Menschen bereitet die Corona-Krise Angst. Nicht nur aus gesundheitlichen Gründen. Vor allem um den Arbeitsplatz machen sich die Berufstätigen Sorgen. Die Gefahr, seinen Job zu verlieren, ist durch die Pandemie latent vorhanden. Manche umgehen freilich dieses Risiko, indem sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

Im Landkreis Dillingen gab es im Corona-Jahr 2020 im Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Oktober mehr Gewerbe-Neuanmeldungen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Wurden 2019 in den ersten zehn Monaten des Jahres in den Gewerbeämtern der Kommunen insgesamt 583 neue Firmeneinträge registriert, so stieg die Zahl im Jahr danach auf 620.

Der erste Schritt: Im Nebenerwerb selbstständig machen

Warum dies so ist, darüber macht sich Karin Bräuer von der IHK West- und Nordschwaben so ihre Gedanken. Ein Grund, so die Beraterin für Gründer und Unternehmer, sei die Tatsache, dass sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Nebenerwerb selbstständig machen. Es sei ein vorsichtiger erster Schritt, um als Unternehmerin oder Unternehmer Fuß zu fassen. Berücksichtigen, so Bräuer, müsse man allerdings, dass bei den Zahlen für Gewerbeneuanmeldungen auch sogenannte Umwandlungen und neue Dienstleistungen bereits existierender Betriebe mit einfließen.

Der Mut der Frauen auch im Kreis Dillingen ist belegt

Außerdem melden etliche Hausbesitzer ein Gewerbe an, wenn sie sich zum Beispiel eine Fotovoltaikanlage auf dem Hausdach installieren lassen. Anlagen, welche den erzeugten Strom ausschließlich für den Eigenverbrauch einspeisen, sind von einer Gewerbeanmeldung befreit.

MaLu´s Salzreich lädt zum Tag der offenen Tür mit kleinem Markt Maria Schänzle und Luisa Seidl eröffneten MaLu´s Salzreich vor über zwei Jahren in der Alois-Moser-Straße 4, in Lauingen. Seither ist die Salzgrotte der Beiden genau die richtige Anlaufstelle, um die Seele baumeln zu lassen. Hier können sich Körper, Geist und Seele bei entspannender Musik regenerieren. Die Besucher bekommen in den Räumlichkeiten in der Salzgrotte mit jedem Atemzug wertvolle Mineralien zugeführt. Gerade zur jetzigen Jahreszeit können so beispielsweise Beschwerden, die von Allergien oder einer Sommergrippe kommen, gelindert werden. Auch lässt sich so eine gute Prophylaxe aufbauen - vom Erholungseffekt ganz abgesehen. Zahlreiche Kunden kommen seit dem ersten Tag und wissen die Salzgrotte in Lauingen zu schätzen. Ihnen gilt unser Dank für die Treue, unterstreichen Maria Schänzle und Luisa Seidl unisono.
Bild: Brigitta Ernst

Was laut Karin Bräuer durch das Bayerische Landesamt für Statistik kürzlich belegt worden ist, sei der Mut der Frauen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. „Da können die Männer offenbar nicht ganz mithalten“, schmunzelt die IHK-Mitarbeiterin.

Auf zur eigenen Salzgrotte in Lauingen

Ein Beispiel für unternehmerisches Handeln ist Luisa Seidl. Fast zehn Jahre lang leitete die 62-Jährige gemeinsam mit einer Freundin die Salzgrotte in der Alois-Moser-Straße in Lauingen. Als die Firmenmitinhaberin nicht mehr wollte und ausstieg, musste Seidl nicht lange überlegen, die Einrichtung nach dem ersten Corona-Lockdown am 1. Juli alleine weiterzuführen. Jetzt, nachdem durch die zweite Welle ein erneuter Lockdown die Schließung der Salzgrotte bewirkte, macht sich die gelernte Zahnarzthelferin viele Gedanken, wie es im neuen Jahr weitergehen kann. Die Lauingerin hofft, dass sich die Wiedereröffnung nicht zu lange hinauszieht, denn die finanziellen Einbußen seien nicht so ohne Weiteres zu verkraften.

Endlich ein eigener Salon - in Pfaffenhofen

Halb so alt wie Luisa Seidl ist die Blindheimerin Verena Bauer. Bis Ende vergangenen Jahres arbeitete die 31-Jährige in einem Friseursalon in Moosburg im Landkreis Freising. Schon immer hatte die junge Frau, welche 2017 die Meisterprüfung absolvierte, den Traum, irgendwann ein eigenes Geschäft zu eröffnen.

Christoph Schweyer
Bild: Günther Herdin

Dieser Wunsch erfüllte sich im vergangenen August. In Pfaffenhofen fand sie die passende Immobilie. Sie mietete sich in die seit einiger Zeit leer stehenden Räume des ehemaligen Friseurgeschäfts Graf am Dorfanger 8 ein. Doch bevor die Mutter eines neunjährigen Sohnes in „Vreni’s Haarchitektur“ loslegen konnte, investierte sie nicht nur in die bauliche Substanz, sondern vor allem in die Saloneinrichtung. Stühle, Waschbecken, Spiegel und einiges mehr mussten angeschafft werden.

Die Blindheimerin bereut die Investition nicht

Einen Kredit von 80.000 Euro musste Verena Bauer aufnehmen. Eine Investition, die sie nicht bereut. Auch wenn sie durch den jetzigen Lockdown keine Einnahmen hat und ihre bisher einzige Mitarbeiterin aufgrund einer Schwangerschaft nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Doch die Chefin ist zuversichtlich, dass sie – wenn es wieder weitergeht – eine neue Kollegin gefunden haben wird. Damit die zahlreichen Kunden und Kundinnen aus dem unteren Zusamtal und Umgebung ihre Haare so geschnitten und gestylt bekommen, wie sie es sich wünschen. Verena Bauer hat keine Zweifel, dass ihr Geschäft wieder so gut läuft wie seit dem Start am 1. August bis zum 15. Dezember, dem letzten offenen Tag vor dem Lockdown.

Und was tut sich im Handwerk im Landkreis Dillingen?

Wie sich die Zahl der Gewerbeneuanmeldungen im Corona-Jahr 2020 im heimischen Handwerk auswirkt, kann derzeit noch nicht eingeschätzt werden. Wie Geschäftsführer Christoph Schweyer von der Kreishandwerkerschaft Nordschwaben mit Sitz in Dillingen erklärt, basiere eine Mitgliedschaft der Betriebe auf Freiwilligkeit. Oft dauere es einige Zeit, bis neue Unternehmen auf die einzelnen Innungen aufmerksam werden und diesen dann beitreten. Um das Handwerk allgemein macht sich Schweyer insofern Sorgen, als es den Fachbetrieben nicht immer gelingt, die erforderliche Anzahl an Auszubildenden zu finden.

Christoph Schweyer
Bild: Berthold Veh

„Das ist für uns alle eine große Herausforderung“, so der Geschäftsführer gegenüber unserer Zeitung. In diesem Jahr habe durch Corona der Kontakt zu den Schulen gefehlt. „Da konnten wir nicht genug für das Handwerk werben“, bedauert Schweyer.

Vor allem in der Baubranche, so der Geschäftsführer, seien die Auftragsbücher trotz der Pandemie weiter gut gefüllt. Um mehr junge Leute für das Handwerk zu begeistern, müsse in der Gesellschaft unbedingt ein generelles Umdenken stattfinden: Ein Meisterbrief, so Schweyer, müsse den gleichen Stellenwert haben wie ein Master-Abschluss. Was zur Folge haben könnte, dass die Zahlen von Gewerbeneuanmeldungen nicht in den Keller sinken.

Daten und Fakten zu den Neuanmeldungen im Kreis Dillingen

Trotz Corona haben die Gewerbe-Neuanmeldungen im Landkreis Dillingen im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Oktober 2020 gegenüber dem gleichen Zeitraum aus dem Vorjahr zugenommen, wie folgende Übersicht zeigt (in Klammern die Zahlen von 2019):

Stadt Dillingen 132 (122)

Stadt Lauingen 57 (52)

Gmd. Buttenwiesen 29 (49)

Gmd. Bissingen 18 (24)

VG Wertingen 121 (116)

VG Gundelfingen 89 (79)

VG Höchstädt 100 (72)

VG Holzheim 39 (34)

VG Wittislingen 17 (11)

VG Syrgenstein 18 (24)

Landkreis, gesamt: 620\(583).

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