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Corona

03.05.2020

Der Protest der Gastwirte nimmt zu

Gastwirte aus der Region haben jetzt mit der Aktion „Leere Stühle“ auf der Goldbergalm in Lutzingen protestiert. Sie fordern von der Politik eine Perspektive, wann sie ihre Wirtshäuser und Hotels wieder öffnen können.
Bild: Gaststättenverband

Plus Etwa 25 Gastronomen aus dem Landkreis machen mit der Aktion „Leere Stühle“ auf ihre existenzgefährdende Situation in den Zeiten der Pandemie aufmerksam. Was sie jetzt von der Politik fordern.

Es ist ein stiller Protest, zu dem sich etwa 25 Gastwirte aus dem Landkreis Dillingen auf der Goldbergalm in Lutzingen eingefunden haben. Die Betreiber von Wirtshäusern und Hotels stehen vor leeren Stühlen, so der Titel der Aktion. „Lasst uns nicht im Regen stehen“, steht auf einem Plakat.

Die schönsten Wochen seit langem - und das ohne Biergartenbetrieb

„Das waren jetzt die schönsten sieben Wochen der vergangenen Jahre“, klagt Goldberg-Wirt Bernd Klinger. Wegen der Corona-Pandemie mussten aber auch die Gaststätte und der Biergarten am Goldberg geschlossen bleiben. Und noch immer haben die Gastronomen keine Aussicht darauf, wann sie wieder öffnen dürfen. Das anfängliche Verständnis und die Gelassenheit vieler Wirte scheint allmählich in Verärgerung umzuschlagen. „Mir reicht’s“, sagt Klinger. Und er hat wie die anderen eine klare Botschaft an die Politik. „Wir brauchen endlich eine Perspektive.“

Der Lieferservice allein reicht nicht

Der Goldberg-Wirt beschäftigt acht Angestellte und viele Teilzeitkräfte. Er habe in dieser Krise „massiv nachfinanziert“. So gut wie alle Hochzeiten dieses Jahres seien abgesagt. Er könne nicht verstehen, warum Menschen jetzt in Läden einkaufen, aber keine Gaststätte besuchen dürfen. „Wir können die Hygiene-Vorgaben einhalten“, sagt Klinger. „Dann sitzen halt nur 60 Gäste auf meiner großen Terrasse.“ Mit dem Lieferservice allein komme er nicht über die Runden. Er betreibe keinen Mc-Drive, sondern eine Gaststätte mit Biergarten.

Der Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, Josef Stark, warnt dennoch vor einer zu frühen Öffnung. Der Wirt aus dem Wertinger Stadtteil Gottmannshofen rechnet mit besonderen Hygienekonzepten, die der Gesetzgeber vor einer Lockerung stellen werde. „Diese Auflagen müssen erst einmal umgesetzt und individuell für jeden Betrieb angepasst werden“, betont der Chef des Landgasthofs Stark. Und das wiederum koste Vorbereitungszeit. Darüber hinaus erwartet der Gastronom mit der Erlaubnis zur Öffnung der Betriebe nicht unbedingt einen Ansturm von Gästen – abgesehen von Biergärten. Stark vertritt die gleiche Auffassung wie sein Verband: Die Betriebe sollten erst wieder um die Zeit nach Pfingsten öffnen. „Denn dann sind wir sicherlich auch für unsere Gäste wieder auf der sicheren Seite.“ Solange seien Abhol- und Bringdienste der Restaurants eine gute Alternative.

Auch Familie Napolitano, die seit 37 Jahren den Dillinger Hof bewirtet, bietet seit 22. April den Gästen an, ihre vorab bestellten Speisen zu holen. Viele bereits gebuchte Veranstaltungen, wie etwa Geburtstage, Hochzeiten und Tagungen von Firmen und Verbänden, hätten zum Leidwesen der Gäste und des Unternehmens abgesagt werden müssen. Ein 100-jähriger Dillinger wollte seinen Geburtstag dort feiern – auch daraus wird nichts. Doch der Senior will das Fest unbedingt nachholen, sobald der Dillinger Hof wieder für seine Gäste öffnen wird.

Robert Sapper: 100 Prozent Verlust

Von einem „Verlust zu 100 Prozent“ seit dem Corona-Betriebsverbot berichtet Robert Sapper, Betreiber des Biergartens „Lagoi“ in Pfaffenhofen. Allein 24 bereits gebuchte Veranstaltungen habe er mit der Schließung seines Feststadels absagen müssen. Dennoch ist auch Sapper gegen übereilte Forderungen nach Lockerungen für Gastronomiebetriebe. Er hofft, kurz nach Pfingsten den Lagoi-Biergarten öffnen zu dürfen. „Denn wir können sicherlich die erforderlichen Hygiene- und Abstandsbestimmungen zum Schutz unserer Gäste und des Personals problemlos im Biergarten umsetzen.“

Erst im November hat Daniel Stoiber, der Chef des Restaurants „Zur Glocke“, sein neues Hotel in Höchstädt eröffnet, das zurzeit nur von Geschäftsreisenden gebucht werden kann. Jetzt kam die Krise dazwischen. Stoiber hofft, dass die Politik endlich berücksichtigt, dass gerade die Gastronomie über einen sehr hohen Hygienestandard verfüge und daher auch Konzepte zum Schutz der Gäste und Mitarbeiter schnell umsetzen könne. Er und seine Frau hätten sich bewusst nicht der Aktion „Speisen zum Abholen“ angeschlossen. Im Konzept der „Glocke“ seien Ambiente und Service neben der Qualität der Speisen wesentliche Punkte. Stoiber rechnet damit, dass er sein Restaurant spätestens nach Pfingsten wieder öffnen kann. „Die Abstandsvorgaben wie im Einzelhandel können wir problemlos bei uns einhalten. Ich bin mir sicher, dass die Gastronomiebetriebe in Deutschland, Bayern und dem Landkreis Dillingen peinlich darauf bedacht sein werden, allen Vorgaben für einen sicheren Restaurantbetrieb Folge zu leisten“, sagt Stoiber.


Bild: v. Weitershausen

Amerikanischen Food-Trucker aufgestellt

Eine pfiffige Aktion hat sich Philipp Pippert vom Hotel-Restaurant Kannenkeller zur Bewirtung seiner Gäste in den Zeiten der Coronakrise mit ihren Einschränkungen einfallen lassen. Er wollte nicht einfach nur „Essen zum Abholen“ für seine Gäste bereithalten: In der Einfahrt zum Restaurant hat er daher einen original amerikanischen Food-Trucker hingestellt und bereitet dort amerikanisches Fast Food und andere Köstlichkeiten vom Grill zu. „Verwendung finden dabei nur regionale Produkte“, sagt Pippert. Wie beispielsweise Spareribs und Pulled Pork vom Strohschwein mit selbst angerührter Barbecuesoße sowie Burger mit Fleisch vom Angusrind, alles aus der Sonnen-Metzgerei in Gundelfingen. Das Mehl für die Burger-Brötchen stamme von der Vogt-Mühle in Steinheim und die Eier dafür vom Bauernhof Kleinle aus Lauingen. Von diesem Hof kommen auch die auf dem Grill zubereiteten Bratkartoffeln. Es gibt auch vegane Burger. Und die Barbecue-Soße wird unter anderem mit Braumadl-Bier aus Lauingen zubereitet.

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