Newsticker

Bayerns Ministerpräsident Söder will Corona-Regeln in Kommunen an Grenzwerte koppeln
  1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Der Schmerz als Grundlage der Erlösung

30.03.2009

Der Schmerz als Grundlage der Erlösung

Dillingen "Wer hielte ohne Freund im Himmel, / Wer hielte da auf Erden aus?" Diese Zeilen aus dem Novalis-Zyklus "Geistliche Lieder" standen wie ein Motto über dem Konzert zur Passionszeit in der Dillinger Katharinenkirche. Mit Vivaldis "Stabat Mater" und Bachs Kantate "Mein Herze schwimmt im Blut" hatten die Solistinnen Tamara López-Seidl (Sopran) und Karin Gallenmüller (Alt) eine Vortragsfolge ausgewählt, die dem Schmerz der Gottesmutter und darüber hinaus dem Schmerz der Welt gewidmet war. Maria unter dem Kreuz, so sagte Pfarrer Manuel Kleiner, stehe für alle Mütter, die ihr Kind in den Tod begleiten müssen.

Pfarrer Manuel Kleiner zitiert aus dem Buch Jesaja

Die "Musik zum Nachdenken" erinnerte in dieser Stunde aber auch an die menschliche Schuld, die Christus auf sich nahm. Manuel Kleiner zitierte aus dem Buch Jesaja in der Übersetzung von Huldrych Zwingli: "Unsere Krankheiten - er hat sie getragen … Wir aber hielten ihn für einen Gezeichneten."

Eingeleitet wurde das Konzert mit einem mächtigen Auftakt: Andreas Käßmeyer (Orgel) gestaltete das fulminante Präludium mit Fuge in f-Moll (BWV 534). Souverän verdeutlichte der Organist die auf Steigerungen angelegte Werkstruktur, die emotionale Kraft der Einleitung und die mathematisch-kontrapunktische Präzision der Fuge.

Der Schmerz als Grundlage der Erlösung

Der Auftritt der Vokalsolistinnen erhielt besonderen Glanz durch die sensible Korrespondenz mit Orgel und Streichern. Friedrich Maier (Flöte), Gerhard Seidl, Dr. Uta-Maria Kastner, Helmut Steger und Christine Wamser (Violinen), Rudolf Jäger (Viola) sowie Dr. Stephanie Gierer (Violoncello und Continuo) gaben den unterschiedlichen Rhythmen der einzelnen Sätze ein meditatives Kolorit und interpretierten durch betonte Kontrastierung den durch den Tod am Kreuz ausgelösten Schmerz als Vorstufe zum Jubel der Erlösung.

Mit warmem Timbre und wirkungsvollem Stimmvolumen vermittelte Karin Gallenmüller eine gültige Vorstellung von Verdis später Komposition "Stabat Mater". Exakt traf sie den deklamatorischen Charakter des Werks, der sich stark am Stil Palestrinas orientiert. Mühelos bewältigte die Solistin die schwierigsten Intervallsprünge, verlieh der suchenden Melodie im Satz "Quis est homo" den Charakter der orientierungslosen Verzweiflung, sorgte im Zusammenspiel mit den Instrumentalisten für eine oratoriumnahe Klangfarbe und führte die in Moll gehaltenen Sätze der Klage mit schöner Akzentuierung zum krönenden Abschluss des Einverständnisses mit dem Erlösungswerk Gottes im "Amen".

Tamara López-Seidl lieferte mit Bachs Kantate BWV 199 ein imposantes Beispiel ihrer außergewöhnlichen Interpretationskunst. Das Werk gab der Sopranistin Gelegenheit, die Variabilität ihrer strahlenden Stimme zu beweisen. Kraftvoll und empfindsam, rezitativ betrachtend und dramatisch akzentuierend gestaltete López-Seidl die gewaltigen Melodienbögen als musikalische Synonyme der Unbegreiflichkeit angesichts des Opfertodes Christi. Besonders beeindruckend brachte sie die Kontraste zwischen der sich aufhellenden Singstimme und der dunklen Klangfarbe der Streicher im Rezitativ "Auf diese Schmerzensreu …" zur Geltung. So wurde die einleitende Verszeile "Mein Herze schwimmt in Blut" in dieser Ausdeutung schließlich zur Voraussetzung für die Erreichung des Ziels allen Glaubens, das der letzte Satz ausdrückt: "Wie freudig ist mein Herz, / Da Gott versöhnet ist …"

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren